Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

YouTube Video

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

YouTube Video

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

YouTube Video

Zeitreise durch Bad Kleinkirchheim

Bad Kleinkirchheim

Zeitreise durch Bad Kleinkirchheim

Mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit zu reisen, das wäre manchmal gar keine schlechte Idee. Dann könnten wir die ersten Bauern persönlich kennenlernen, die zuerst dichte Wälder roden und Sümpfe trockenlegen mussten, um die Gegend bewohnbar zu machen. Stattdessen darf ich mich auf eine erzählte Zeitreise durch die Geschichte Bad Kleinkirchheims begeben. Sie führt mich von den ersten Siedlern im 9. Jahrhundert bis zum Pionier Hans Ronacher, der Anfang des 20. Jahrhunderts das erste Hotel im Ort erbaute.

„Du musst jetzt versuchen alles auszublenden, was du hier siehst. Versetze dich in jene Zeit zurück, als es hier nichts als Wald, Wiesen und Sumpf gab.“ Ich muss ein wenig schmunzeln, nachdem Biosphärenpark Ranger Markus diese Worte zu mir spricht. Denn wir befinden uns mitten in Bad Kleinkirchheim und marschieren gerade an einem mehrstöckigen Hotel vorbei. Es fällt mir anfangs etwas schwer, mir hier Ochsenkarren und holprige Hohlwege vorzustellen. Ich lausche den Worten von Markus, der mir von den ersten bairischen Siedlern erzählt, die dieses abgelegene Tal im Vergleich zu anderen Gebieten in Kärnten erst spät für sich entdeckt haben.

Weiterlesen
error!
© Anita Janesch / Die katholische Pfarrkirche St. Ulrich
© Anita Janesch / Einer der vielen Troadkästen in Bad Kleinkirchheim

Bäuerliche Kultur

Wir kommen bei einem wunderschönen „Troadkasten“ vorbei, der mir sofort ins Auge sticht.  Markus erklärt mir die Bauweise, die auch dafür verantwortlich ist, dass diese Getreidespeicher seit Jahrhunderten dem Wetter und anderen Umwelteinflüssen standhalten konnten. Zum Schutz vor Feuer wurde der massive Blockbau immer etwas abseits des Hofes errichtet. „Der Troadkasten war die Getreidekammer der Bauern, in der Lebensmittel und wichtige Güter aufbewahrt wurden. Den Schlüssel dazu hatte die Bäuerin unter ihren vielen Unterröcken versteckt“, erklärt mir Markus. Wie viele Geschichten uns diese kleinen „Schmuckkästchen“ heut wohl erzählen könnten? Einige davon gibt es heute noch auf den Höfen in und rund um Bad Kleinkirchheim und wir werden im Laufe des Tages auch noch bei vielen vorbeikommen.
Markus und ich wandern am Twengbach entlang, der neben uns dahinplätschert. Das Rauschen des Baches ist sehr beruhigend, genauso wie die angenehme Stimme meines Begleiters. Er zeigt mir die ältesten Bauernhöfe, die in den Hängen oberhalb von Bad Kleinkirchheim thronen. Ich erfahre viel über die Herkunft der Ortsbezeichnungen, die auf slawische Siedler zurückgehen, die bajuwarischen Aribonen, die hier im Mittelalter sehr viel Einfluss hatten, und er erklärt mir, was einen Biosphärenpark vom Nationalpark unterscheidet.
© Anita Janesch / Der Twengbach im Ortsteil Bach von Bad Kleinkirchheim
© Anita Janesch / Biosphärenpark-Ranger Markus
Wir besuchen die Pfarrkirche von Bad Kleinkirchheim, die dem Hl. Ulrich geweiht ist. Vom kleinen Friedhof aus, der die Kirche umschließt, blicken wir direkt auf den Zielhang der Weltcupstrecke dieses bekannten Wintersportortes. Das holt mich kurz wieder in das Hier und Jetzt zurück. Die Zeitreise hat mich bis jetzt komplett vergessen lassen, dass ich mich momentan in einem der touristischen Zentren Kärntens befinde.
error!
© Anita Janesch / Eine der letzten Mühlen im Ort
Hinter der Ulrichskirche steigen wir in die Kirchheimer Talrunde ein. Wir machen bei einer der letzten Mühlen im Ort halt, wo mir Markus deren Funktionsweise erklärt. Ich genieße diese wunderbare Aussicht hier oben und mein Blick streift in die Ferne dieses Trogtales, das von Gletschern der Eiszeit geformt wurde. Es ist so unglaublich ruhig und idyllisch.
error!
© Anita Janesch / Das Kirchheimer Tal wurde einst von Gletschern geformt

Auf Schmugglersteigen zur Heilquelle

Wir ziehen weiter bis zur evangelischen Kirche im Ort, wo ich alles über die Zeit der Reformation und Gegenreformation erfahre. Wir wandern auf alten Schmugglerwegen, wo früher heimlich lutherische Bibeln versteckt wurden, da die Menschen den Protestantismus nicht leben durften. Es sind schmale Steige, an denen links und rechts Sträucher und Laubbäume emporwachsen. Es sieht wie in einem Märchenwald aus. Die Sonne blinzelt hie und da durch das Dickicht und taucht den Weg in hellgrünes Licht. Bis es wieder ganz hell wird und sich eine sattgrüne Wiese vor mir erstreckt, auf der eine kleine Kapelle steht. Ich spüre, dass wir am Höhepunkt unserer Wanderung angekommen sind.
error!
© Anita Janesch / Auf den Schmugglerwegen wurden einst Bibeln versteckt
© Anita Janesch / Die Arkaden des Kathreinkirchleins
Bedächtig nähern wir uns der kleinen Kirche St. Kathrein. Die „Träne Gottes“, wie die Thermalquelle, die hier aus dem Boden sprudelt, liebevoll im Volksmund genannt wird, ist hier zu finden. Eine Freudenträne Gottes – wohlgemerkt, denn dem warmen Quellwasser wird eine heilende und reinigende Wirkung nachgesagt. Bäuerinnen sollen sich damit die von den Rauchküchen strapazierten Augen gewaschen haben, weshalb diese Quelle auch noch Augenquelle genannt wird. Schon die ersten Siedler dürften auf dieses besondere Wasser aufmerksam geworden sein, das von ihnen in Holztrögen aufgefangen wurde. Im Jahr 1492 wurde zum Schutz der Quelle die erste Kapelle darüber erbaut, welche im Laufe der Jahrhunderte zerstört, wiederaufgebaut und erweitert wurde.
Die warme Quelle ist in der Krypta zu finden, einem sehr mystischen Ort. Viele Kerzen erleuchten das gedämpfte Licht und ich bewundere das geschmiedete Taufbecken. Pilger haben Rosenkränze auf der Pietá deponiert und ihre Wünsche, Gedanken und Gebete im Gästebuch niedergeschrieben.
© Anita Janesch / In der Krypta sprudelt die Heilquelle von Bad Kleinkirchheim

Kraftort Natur

„Das ist ein ganz besonderer Kraftort für mich, hier kann ich komplett abschalten und zur Ruhe kommen“
erklärt mir Markus. Wir sitzen auf einem Bankerl in den Nischen der Arkaden, genießen die warmen Sonnenstrahlen und lauschen dem beruhigenden Plätschern der Quelle in der Krypta. Eine Weile sitzen wir schweigend da und hängen einfach unseren Gedanken nach, bevor wir uns auf die letzte Etappe unserer gemeinsamen Zeitreise begeben.  

Wir sprechen über die Entstehung des ersten öffentlichen Badebetriebes, der über 300 Jahre zurückliegt, und die ersten Kuraufenthalte im 19. Jahrhundert. Den Grundstein für die Entwicklung des Tourismus legte Hans Ronacher, der das alte Badehaus übernahm und einen Hotelbetrieb mit 50 Betten errichtete. In den 1920er Jahren wurde die erste Therme eröffnet und in den 1950er Jahren folgte der erste Skilift.
Unsere gemeinsame Zeitreise durch Bad Kleinkirchheim endet vor der Kathreintherme, die im letzten Jahr generalsaniert wurde. Davor steht ein schöner Steinbrunnen, aus dem das Wasser der Katharinenquelle sprudelt. Jeder darf sich hier bedienen oder seinen Durst stillen – Thermalwasser „to-go“ quasi.

Hier trennen sich die Wege von Markus und mir nach fast drei Stunden. Was ich denn nun in Bad Kleinkirchheim noch machen werde, fragt mich Markus, als ob er meine Gedanken lesen könne. Ich antworte ihm, dass ich noch einmal zur Kapelle hinauf und ein Stück weiter die Talrunde zu den Holzbänken gehen möchte, die vom Kirchlein aus zu sehen sind. Markus gibt mir noch einen Rat dazu: „Du musst dich unbedingt in das Holzbett legen und den Blick in den Himmel genießen“.
error!
© Anita Janesch / Im hölzernen Himmelbett die Seele baumeln lassen
Ich befolge diesen Tipp und werde von hier oben mit dem schönsten Blick auf Bad Kleinkirchheim belohnt. Wie ich so im hölzernen Himmelbett liege, höre ich nichts als das Rauschen der Blätter und das Zwitschern der Vögel.
error!
© Anita Janesch / Auf der Talrunde gibt es viele Platzerln um die Ruhe genießen zu können
Diese Wanderung ist nicht nur für jene passend, die sich für die Geschichte des Ortes interessieren, sondern auch perfekt, um vom Alltagsstress weg- und im Urlaub anzukommen. Diese Worte von Markus klingen in meinem Kopf nach als ich mich noch einmal zur Krypta in der Kapelle aufmache, um noch ein Kerzerl anzuzünden und ein wenig die Seele baumeln zu lassen.

Bilder und Text: Anita Janesch / 04.07.2018

Autorenvorstellung: Anita Janesch

Ich arbeite im Marketing & Verkauf in einem Landtechnik-Fachbetrieb und betreibe nebenbei meinen Blog, weil ich hier meine Kreativität ausleben kann. In meiner Freizeit singe ich im Chor, liebe ich das Skifahren und Wandern, reise gerne und bin viel mit meinem Cabrio in Kärnten unterwegs.

 

Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein Berggipfel, den ich bei einer Jause genießen kann. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche ist eine saure Kirchtagssuppe mit Reindling.

 

An Kärnten fasziniert mich am meisten das Leben im Dreiländereck: ein schneller Kaffee in Italien, eine leckere Cremeschnitte in Slowenien – von Kärnten aus ist das alles in kürzester Zeit möglich.

Geschichten aus der Region

Unterwegs in den „Nocky Highlands“

Genussvoll über Stock und Stein

Eine Themenwanderung mit Geschichte(n)

next page