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Steinbockbeobachtung

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Faszinierende Welt der Steinböcke

Im felsigen Gelände der Hohen Tauern sind die Alpensteinböcke wieder heimisch geworden und sie zu beobachten ist ein eindrucksvoller Moment, den man nicht so schnell vergisst.

Der frühe Vogel ist ein Glückspilz. Sich zeitig aus dem Bett zu bewegen, wird an diesem Morgen nicht nur vom in sanftem rot erstrahlenden Großglocker belohnt. Auf mich warten in den Hängen der Hohen Tauern hoffentlich auch einige Steinböcke. Ich habe noch nie eines dieser Tiere in der freien Natur gesehen und hoffe sehr, dass wir heute Glück haben. In Begleitung von Wildtierhüter Markus Lackner fahre ich zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe auf 2.369 Metern. Er kennt die Plätze der Böcke und Geißen besser als jeder andere, da er sich hier seit Jahren um das Steinwildtiermanagement im Nationalpark Hohe Tauern kümmert. Da die Alpensteinböcke im Nationalpark unter absolutem Schutz stehen und somit nicht bejagt werden dürfen, stehen die Chancen, sie in freier Wildbahn zu sehen, sehr gut.

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© Sabrina Schütt / Großglockner im Morgenrot

Verhängnisvolles Begehren

Das war allerdings nicht immer so, erzählt mir Markus. Steinböcke dienen als Wappentiere und wurden bereits in der Steinzeit in Höhlenmalereien verewigt. Doch ihre Beliebtheit wurde ihnen auch zum Verhängnis. Seit jeher wurden sie wegen ihres Fleisches und Fells oder einfach als Trophäe gejagt. Außerdem erhoffte man sich, aus ihren Hörnern Wunderheilmitttel herstellen zu können. Mit dem Aufkommen der Schusswaffen im 15. Jahrhundert war das Schicksal der Alpensteinböcke schnell besiegelt. In den Westalpen dauerte ihre Ausrottung zwar noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts, aber hätte der italienische König die letzten Tiere in Südtirol nicht unter Schutz gestellt, hätten die Alpen dieses faszinierende Tier für immer verloren. Eine Population von circa 60 Tieren überlebte. Dem bewussten Eingreifen des Königs ist es zu verdanken, dass wir heute auf Spurensuche gehen können. Denn in den 1960er Jahren wurden auch hier in den Hohen Tauern wieder Steinböcke aus jener Population angesiedelt, die trotz einiger Rückschläge bis heute wieder auf eine Zahl von etwa 1000 angewachsen ist.
 
Auf der Suche nach den Steinböcken führt unser Weg zunächst durch einen dunklen Tunnel. Nach einigen hundert Metern dringt wieder mehr Licht zu uns durch und ich entdecke ein Murmeltier, das vor uns durch den Tunnel läuft. Der dickliche Körper wackelt dabei hin und her. Jedes Mal wieder freue ich mich diese drolligen Tiere zu sehen.
© Sabrina Schütt / Hier pfeift das Murmeltier

Verpfeif Dich!

Mal aufgeregt nach potenziellen Gefahren Ausschau haltend und dann wieder absolut faul in der Sonne liegend. Als wir den Tunnel verlassen, spüre ich die noch kühle Luft, Nieselregen kündigt sich an und obwohl die Murmeltiere hier sehr zutraulich sind, gellen die typischen Warnpfiffe von den Hängen. So ganz geheuer scheint ihnen unsere Anwesenheit dann doch nicht zu sein. Der Großglockner hat sich mittlerweile wieder in dicke Wolken gehüllt und die Steinböcke lassen auch noch auf sich warten. Wildtiere beobachten ist nichts für Ungeduldige.
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© Sabrina Schütt / Der deutsche Enzian

Wo der Enzian blüht

Entlang des Weges erhebt sich die typische Berglandschaft der Hohen Tauern, grüne saftige Wiesen, schmiegen sich unter schroffen Felswänden an die Hänge. Unterschiedlichste Blumen, die sonst schon sehr selten geworden sind, finden sich hier oben: der deutsche Enzian, blauer Eisenhut und sogar ein Edelweiß entdecken wir.
© Sabrina Schütt / Der seltene Enzian
Ein paar hundert Meter unter uns erstreckt sich die Pasterze, deren Ausmaße zusehends schrumpfen. Auch wenn der Gletscher immer schon Schwankungen von sogenannten Vorstößen und Rückzügen unterworfen war, wird einem der Klimawandel hier sehr deutlich vor Augen geführt. Auch die Steinböcke reagieren auf die warmen Temperaturen und ziehen sich, je wärmer es wird, in höhere Lagen zurück. Ein kalter Winter macht ihn hingegen wenig aus.
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© Sabrina Schütt / Pasterze 

Und dann sind sie auf einmal da

Plötzlich finden wir erste Spuren der Steinböcke auf dem Weg. Vor nicht allzu langer Zeit müssen sie hier den Weg gekreuzt haben. Markus hebt das Fernglas vor die Augen und tatsächlich auch mit bloßem Auge sind die Umrisse von mindestens fünf Tieren zu sehen.

Während er das Spektiv aufbaut, schaue ich durch das Fernglas und auf einmal sind sie da. Ein Bock mit beeindruckenden Hörnern kratzt sich umständlich an seinem Hinterbein. Wie alt er wohl ist?  Markus erklärt mir, dass ich das Alter recht einfach selbst herausfinden könne. Es lässt sich anhand der Furchen auf der Rückseite der Hörner erkennen. Nur von Mai bis November wachsen die Hörner, je nach Nahrungsversorgung schneller oder langsamer. Im Winter setzt das Wachstum aus und so zählt je ein Ring für ein Jahr. Ich zähle eins, zwei... 7 Ringe. Markus stimmt zu:
„Ja das müsste stimmen, den Bock kenne ich. Ein Horn ist vorne leicht abgebrochen, die Tiere erkennt man mit der Zeit“.
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© Sabrina Schütt / Durch das Spektiv sind die Steinböcke deutlich zu sehen

Es gibt noch viel zu erforschen

Überhaupt verfolgt der Ranger die Böcke sehr aufmerksam. Zurzeit wird das Wanderverhalten einiger Böcke per GPS-Sender erforscht. Denn manchmal sind einige Böcke tage- oder wochenlang nicht zu sehen und auf einmal tauchen sie wieder auf. Dabei hat das Forscherteam festgestellt, dass einige Böcke richtige Stubenhocker sind und nur zwischen Sommer- und Winterdomizil wechseln, während andere, vor allen Dingen junge Böcke, in der Hoffnung eine der Geißen für sich zu gewinnen, sehr umtriebig seien und ihr Wandergebiet bis zu 14.000 Hektar umfassen kann.

 

Kräfteverhältnisse

Ich schaue durch das Spektiv und sehe einige Böcke faul im Gras liegen, die Hörner an einem Stein abgestützt. Die Tiere strahlen eine freundliche Ruhe aus, die Mundwinkel vermeintlich zu einem Lächeln nach oben gezogen. Diese Ruhephasen brauchen sie, um das Gras wiederzukäuen, erfahre ich. Generell seien Steinböcke sehr friedliche Tiere. Ihre beeindruckenden Hörner kommen nur bei Rangordnungskämpfen zum Einsatz und dann auch nicht, um sich gegenseitig zu töten, sondern um die Kräfteverhältnisse klar zustellen. Außerhalb der Brunftzeit leben die Böcke in  Rudeln, während sich die Geißen in ihren Rudeln zusammen mit ihren Kitzen in steilerem und felsigerem Gelände aufhalten und viel schwieriger zu beobachten seien, erklärt mir Markus.
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© Markus Lackner / Steinböcke auf dem Großglockner

Kletterprofis brauchen keine Schuhe

Ich bin ganz fasziniert von diesen Tieren, die mit ihrem behäbigen und etwas unbeweglich wirkenden Körpern so gar nicht den Eindruck machen, als könnten sie sich auch nur Ansatzweise in den steilen Hängen bewegen. Aber im felsigen Gelände macht ihnen so schnell keiner etwas vor. Die äußere harte Hufplatte, dient zum Halt in Eis und Schnee, während die weiche elastische Sohle für den festen Halt auf den glatten Felsen dient. Dieses Prinzip hatte auch Einfluss auf die Entwicklung von Kletterschuhen, die uns heute erlauben, es den Steinböcken vergleichsweise stümperhaft nachzuahmen. Ich werfe noch einen letzten Blick durch das Fernglas, um mir diesen wunderbaren Anblick ganz fest einzuprägen und hoffe, dass die Alpensteinböcke noch vielen weiteren Generationen erhalten bleiben.
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© Sabrina Schütt / Ranger bei der Steinbockbeobachtung 
Bilder und Text: Sabrina Schütt / 23.08.2018
Autorin Sabrina Schütt

Autorenvorstellung: Sabrina Schütt

Ich bin Yogalehrerin und freie Redakteurin ... weil ... ich so meine Freiheit genießen kann. Mit Yoga kann ich Menschen einen Moment der Ruhe schenken und mit Worten meiner Freude am Schreiben nachgehen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs, entweder beim Klettern oder Wandern.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die faszinierende Schönheit und die immer noch wilden und unberührten Flecken, die es zu erkunden gibt. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kasnudeln.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: Wir werden umso authentischer je näher wir dem Traum kommen, den wir selbst von uns haben.

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