Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

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Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

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Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

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Sensenmähen in Kärnten

In den Nockbergen

Eine Sense mit Pfiff

„Wenn die Sense dir eins pfeift, ist a guate Schneid nit weit.“ Warum das so ist und weswegen dieses traditionelle Werkzeug beim besten Willen nicht zum alten Eisen gehört, erfahre ich beim Sensenmähkurs entlang der malerischen Bergwiesen des Biosphärenparks Nockberge.

Sensenmähen ist für mich der Inbegriff von Geschmack der Kindheit. Warum? Weil ich auf einem wundervollen Bergbauernhof in den Gurktaler Alpen aufgewachsen bin. Dort durfte ich meinem Vater in den Sommermonaten stets zusehen, wie er duftendes Wiesengras mit gekonnten, fließenden Bewegungen niedermähte. Es sah einfach unglaublich leicht aus.

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© Sabine Weyrer / So geht Sensenmähen
Selbst versucht habe ich es damals nie. Das war reine Männersache und nichts für kleine Mädchen. Und genau das soll sich jetzt, gute zwei Jahrzehnte später, ändern. Denn heute bin ich zum Sensenmähkurs bei Sensenlehrer Thomas Huber angemeldet.

Zu diesem Zweck reise ich nach Eisentratten, wo mich Biosphärenparkrangerin Sandra Ott herzlich empfängt. Wer glaubt, von dort sei die Reise in den Biosphärenpark Nockberge noch weit, der irrt. „Wir sind schon mittendrin“, erklärt sie während unserer Wanderung hinauf zum Striedingerhof, wo der Kurs stattfindet.
© Sabine Weyrer / Sensenlehrer Thomas Huber
Rundherum ist die Heuernte bereits in vollem Gang, warmes, stabiles Sommerwetter wurde prognostiziert. Traktoren surren in der Ferne, an den steileren Hängen wird fleißig mit dem Rechen gearbeitet und wo nicht gemäht wird, grasen zufriedene Almrinder. In der Ferne leuchten die Gipfel der Hohen Tauern, hie und da wird mit den Einheimischen ein herzliches Wort gewechselt – da darf man ruhig einmal innehalten, um den Blick in die Ferne schweifen zu lassen und tief durchzuatmen. Am Striedingerhof angekommen, wartet Thomas schon auf uns.
Bevor es ans Eingemachte geht, folgt noch ein kurzer Exkurs in die Geschichte. Bereits im 15. Jahrhundert wurde mit der Sense gearbeitet. Deren Vorgängerin war die Handsichel, mit der man einst das erntereife Getreide abschnitt. Vielerorts wurden Sensen gefertigt, doch die Handwerkskunst verschwand ab den 50-er Jahren aus vielen Tälern, heute gibt es im gesamten Alpenraum nur mehr eine Handvoll von Herstellern. Moderne Motormäher haben dem Kulturgut den Rang abgelaufen. Eine Entwicklung, die Thomas schmunzelnd kommentiert: „Wer die Technik des Sensenmähens perfekt beherrscht, steht der Motorsense, was die Schnelligkeit betrifft, in nichts nach. Zudem ist das Mähen mit der Sense leise, es stinkt nicht nach Benzin, man nimmt die Natur rundherum wahr und genießt obendrein ein perfektes Training für die Rückenmuskulatur.“ Eins zu Null für die Sense, würde ich sagen.

Sense ist nicht gleich Sense

Damit draußen auf der Wiese alles „glatt“ geht, wird das Werkzeug für unsere Körpergröße genau eingestellt. Und den richtigen Sensen-Jargon gibt es gleich mitgeliefert: „Der Stiehl heißt Wurf, die Griffe nennt man Vorder- und Hinterschieber. Es gibt unterschiedlich lange Sensen und Stärken, je nach Gebrauch und Einsatzgebiet“, erklärt Thomas. Ein Wetzstein zum Schärfen darf nicht fehlen und schon werden wir auf die Wiese entlassen.
© Sabine Weyrer / Prüfender Blick: Lässt sich die Schneid leicht bewegen, ist es richtig
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© Sabine Weyrer / Selbstversuch: Nach einigen Fehlversuchen klappt's
„Wenn‘s pfeift, dann machst du es richtig“

Stirnrunzelnd stehen wir wenig später im kniehohen Gras. Thomas zeigt vor, wie es geht: „Die Sense von rechts nach links im Halbkreis über die Wiese gleiten lassen, in die Knie gehen und mit dem Körper schön mitschwingen.“ Was bei ihm leicht aussieht, endet bei mir darin, dass die Sense erstmal schwungvoll im Gras stecken bleibt. „Die richtige Höhe macht es aus, und nicht mit dem Oberkörper nach vorne fallen“, korrigiert mich Thomas und zeigt es nochmal. Nach einigen missglückten Schwüngen wird es besser. Da hilft zur Motivation nur ein Schluck vom köstlichen Måhda-Trankl, den uns Bäuerin Elisabeth vom Striedingerhof eingepackt hat. Thomas erklärt:
„Wenn die Sense durch das Gras pfeift, dann machst du es richtig!“
© Sabine Weyrer / Rythmisches Hämmern zeugt von Routine
Vom Pfeifen und einer anständigen Måhd noch weit entfernt, versuche ich ein Gespür für das Werkzeug zu bekommen und siehe da, plötzlich klappt es. Mühelos pfeift die Sense durch das Gras. Wow! Nach einigen weiteren Schwüngen ist mit dem Erfolgserlebnis aber auch schon wieder Schluss, die nötige Muskelkraft fehlt. Thomas grinst: „Nur nicht auf das Wetzen vergessen, alle paar Minuten muss die Sense mit dem Wetzstein geschärft werden, ansonsten verliert’s die Schneid.“ Das will natürlich keiner und geschwind ist der mit Wasser benetzte Wetzstein aus dem Kumpf (Köcher) hervorgeholt.
Während jeder seinen eigenen Rhythmus zwischen Mähen, Wetzen und Durchschnaufen findet, beginne ich zu verstehen, was Thomas anfangs gemeint hat. Die Vögel zwitschern rundherum, summende Bienen fliegen ihres Weges, der Wind durchkämmt die nahen Wälder, man hört, riecht und sieht die Natur mit anderen, mit respektvolleren Augen, als mit einem lärmenden Motormäher in der Hand. Was hingegen die Schnelligkeit betrifft, ist mein Tempo durchwegs ausbaufähig. Grinsend lassen wir am frühen Nachmittag daher die Arbeit auf der Wiese sein und spazieren vergnügt zurück zum Hof, wo wir in die hohe Kunst des Dengelns eingeweiht werden.
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© Sabine Weyrer / Beim Dengeln wird die Schneid wieder geschärft
Die Kunst des Dengelns

„Beim Dengeln wird die Sense wieder geschärft. Die ersten zwei bis drei Millimeter des sogenannten Dengels werden nach außen geklopft“, erklärt Thomas und zeigt es vor. Gezielt setzt er seine Schläge ein, ein rhythmisches Hämmern erklingt. Ausgerüstet mit Dengelhammer und Dengelamboss dürfen wir wenig später unser Glück versuchen. Fazit: Das Dengeln will gelernt sein, dazu braucht es Routine. Aber es lohnt sich, weiß Thomas: „Wer alles richtig macht und auf sein Werkzeug Acht gibt, dem kann eine Sense bis zu 20 Jahre gute Dienste leisten.“ Ein schlagkräftiges Argument.
 
Ein beherzter Ruf reißt uns plötzlich aus dieser Wissenschaft. „Eure Måhderjause ist angerichtet“, winkt uns Elisabeth herbei. Selbstgemachter Speck, köstliche Kräuterbutter, frischer Käse von der Nachbarin, gutes Bauernbrot, Radieschen frisch aus dem Garten – herrlich. Und nach so einem Tagewerk lässt es sich auch völlig unbeschwert gelassen genießen.

Bilder und Text: Sabine Weyrer / 20.06.2018

Autorenvorstellung: Sabine Weyrer

Ich bin selbstständig mit meiner Werbeagentur Gedankenschmiede ... weil ... ich meinen kreativen Gedanken gerne freien Lauf lasse. Mit Wandern, Laufen, Reiten, Bergsteigen, Reisen und neue Wege entdecken verbringe ich meine Freizeit.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die einzigartige Vielfalt verpackt in einer unvergleichbaren, bestechenden Schönheit. Das fasziniert mich an Kärnten am meisten: Der Süden spielt wirklich alle Stücke, man muss sich lediglich darauf einlassen. Ich für meinen Teil erlebe das jeden Tag aufs Neue – und das macht Kärnten für mich nun mal so einzigartig lebenswert.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: „Das geht nicht.“ Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach gemacht.

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