Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

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Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Himmelwärts! 

Über den Weg der Erstbesteiger auf den Gipfel des Großglockners: Was nach Abenteuer klingt, verspricht genau das. Nämlich ein Erlebnis, das wahrlich Hochgefühle in den Herzen aller Gipfelstürmer freisetzt.

3.798 Meter über der Adria. Der höchste Punkt Österreichs. Markant ragt seine Spitze weithin über die angrenzenden Gipfelketten hinweg. Der Großglockner. Einer der bedeutendsten Gipfel der Ostalpen. Erstbestiegen am 28. Juli 1800 unter der Leitung des Erzbischofes Franz Xaver Graf von Salm-Reifferscheid. Seit diesem Tag prangt das Gipfelkreuz in Richtung Himmel, erst 80 Jahre später wurde jenes aus Holz durch das vergoldete Kaiserkreuz zu Ehren des 25. Hochzeitstages von Kaiserin Elisabeth und Kaiser Franz Joseph I. ersetzt. „Kommet her und sehet an die Werke Gottes der so wunderbar ist in seinem Tun unter den Menschenkindern“, mahnen die Worte des Psalms 86,4 – eingestanzt für die Ewigkeit hier in luftiger Höh' zu Ehrfurcht und Dankbarkeit. 

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© Sabine Ertl / Das goldene Gipfelkreuz bei schönstem Bergwetter

Der Countdown läuft

Eine Besteigung des Großglockners beginnt weit vor dem eigentlichen „Tag X“. Wochen vorab werden Kondition, Ausdauer und in meinem Fall vor allem der nervöse Geist für dieses Unterfangen geschult. Doch gänzlich Ausschalten lässt sich letzterer nicht: Wird uns das Wetter wohl gesinnt sein? Bin ich dem Unterfangen konditionell tatsächlich gewachsen? Werde ich die ausgesetzten Passagen ohne weiche Knie meistern? Im Nachhinein sei gesagt: Viel zum Nachdenken komme ich beim Steigen und Setzen der richtigen Tritte nicht, zu sehr ist der Kopf damit beschäftigt, das Erlebte zu verarbeiten, die Höhe zu meistern und das bereits Geschaffte zu realisieren.

Schritt für Schritt

18. August 2021, 8 Uhr, Ausgangspunkt Glocknerhaus, 2.132 Meter Seehöhe: Sechs motivierte Teilnehmer und Freunde starten – inklusive mir – in Richtung Salmhütte. Der Gipfelblick, den hier unzählige Touristen täglich genießen, bleibt uns nebelbedingt vorerst leider versagt. Schritt für Schritt steigen wir Serpentine für Serpentine nach oben, queren die Stockerscharte (2.501 m) hinüber in das malerische Leitertal und marschieren dort in Richtung Salmhütte (2.644 m), dessen Weg neugierige Murmeltiere und so manch blühend-zartes Edelweiß säumen. Nach einer kurzen Stärkung und Verteilung der weiteren Ausrüstung, die Klettergurt, Steigeisen und Helm beinhaltet, reihen wir uns bei Bergführer Georg Schiechl zum weiteren Aufstieg ein. Auf die Frage hin, wie oft er denn heuer bereits am Gipfel war, grinst er mir zwinkernd zu: „Ich zähle meine Arbeitstage eigentlich nicht.“ (Kollegen von ihm verraten mir später jedoch, dass es wohl über 60 Gipfelsiege pro Saison sind.)
Nach wenigen Minuten stehen wir den Überresten der alten Salmhütte gegenüber, der einstigen Ausgangsbasis des Erzbischofs. Diese diente einst zur Erforschung des Gebietes und der Erstbesteigung. Weiter geht es Richtung Hohenwartscharte (3.183 m), wo uns Georg mit unseren eigentlichen Bergführern, Martin Daberer und Lissi Fürstaller bekannt macht. Beide waren am Morgen mit anderen Gästen bereits am Gipfel. Gemeinsam geht es nun über die ersten Kletterpassagen hinauf auf die Adlersruhe – die Erzherzog-Johann-Hütte auf 3.454 Meter Seehöhe. Dort dürfen wir uns nach den Strapazen erholen, der Gipfelanstieg wird auf den nächsten Morgen festgelegt. Es bleibt Zeit für einen gemütlichen Abend. Pünktlich zur Dämmerung zeigt sich der Himmel gnädig und schickt alle Nebelfelder hinfort. Die Sicht ist klar und weit, der Sonnenuntergang magisch. Die Weichen für den nächsten Tag seitens Petrus sind gestellt.
 

Bis zum letzten Höhenmeter

19. August 2021, 5 Uhr, Adlersruhe (3.454 m): Eifrig wird die Ausrüstung zusammengesucht, gefrühstückt und beratschlagt. Wenig später stehen wir bereits mit angelegten Steigeisen, Helm und seilgesichert am Klettergurt mitten im Eisleitl, dem 40 Grad steilen Eisfeld hinauf zur Einstiegsstelle des Kleinglockners. Dort beginnen die ersten anstrengenden Kletterpassagen, Martin rät mir gleich zu Beginn: „Du musst deinen Steigeisen vertrauen.“ Ein Tipp, der sich als goldrichtig und kräftesparend erweist, selbst ein einziger Zacken mit Felskontakt hält und gewährt den weiteren, zuverlässigen Aufstieg.
© Sabine Ertl / Endlich: Die erste freie Sicht auf den Gipfel
Eine Stunde nach Aufbruch stehen wir am Kleinglockner, nach weiteren 30 Minuten und der Querung der schmalen Pallavicinirinne erreichen wir himmelhochjauchzend das goldene Kreuz. Die Freude ist grenzenlos, der Weitblick ebenso. Druck und Zweifel fallen mit einer Sekunde von den Schultern, herzliche Beglückwünschungen untereinander türmen den Moment. Ein unbeschreibliches Hochgefühl – gepaart mit der ein oder anderen Freudenträne folgt – jedem, der nachfolgt, wird auf das Herzlichste gratuliert. Es ist ein Augenblick der Zugehörigkeit, welcher unabdingbar vereint, gemeinsames Lächeln schafft, unauslöschliche Erinnerungen für die Ewigkeit kreiert.

Sag beim Abschied leise Servus

Nach dem gelungenen Gipfelsieg folgen Abstieg und Abschied von Martin und Lissi. Für beide geht es weiter, auf Lissi wartet die Besteigung des Ortlers (3.905 m) in Südtirol, Martin holt indes die nächste Gruppe für den Großglockner auf der Salmhütte ab. Es ist ein Kommen und Gehen und dennoch ein Epizentrum der Gefühle.
Wieder am Glocknerhaus angekommen, fallen mir die Worte des berühmten Bergsteigers Hans Kammerlander ein: „Ein Gipfel gehört dir erst, wenn du wieder unten bist, vorher gehörst du ihm.“
Stolz erfüllt mit einem Mal mein Herz, denn sicher und gesund am Ausgangspunkt angekommen dürfen wir nun behaupten: Für diesen einen Moment gehörte er uns. Vergelt's Gott!
 
© Sabine Ertl / Ausgesetzte Gratkletterei am Kleinglockner
Bilder und Texte: Sabine Ertl / Oktober 2021


 

Autorenvorstellung: Sabine Ertl

Ich bin selbstständig mit meiner Werbeagentur Gedankenschmiede ... weil ... ich meinen kreativen Gedanken gerne freien Lauf lasse. Mit Wandern, Laufen, Reiten, Bergsteigen, Reisen und neue Wege entdecken verbringe ich meine Freizeit.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die einzigartige Vielfalt verpackt in einer unvergleichbaren, bestechenden Schönheit. Das fasziniert mich an Kärnten am meisten: Der Süden spielt wirklich alle Stücke, man muss sich lediglich darauf einlassen. Ich für meinen Teil erlebe das jeden Tag aufs Neue – und das macht Kärnten für mich nun mal so einzigartig lebenswert.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: „Das geht nicht.“ Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach gemacht.

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