Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Natur Aktiv Unterkünfte erleben

Blick auf Heiligenblut

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Natur Aktiv Unterkünfte erleben

Nicht überall, wo „Wanderhotel“ draufsteht, ist auch ein Wanderhotel drin. Um den Anforderungen des modernen Aktivurlaubers gerecht zu werden, reicht es nicht mehr, dem Stempelsammler am Ende des Aufenthalts ein Abzeichen an die Brust zu heften.

Statt der Goldenen Wandernadel, die es einst sogar zu filmischen Ehren brachte, zählen heute neben der Wander- und Wegekompetenz auch übergeordnete Themen wie der verantwortungsvolle Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Region.

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Heide und die Welt der Berge

„Im Wanderführer wird die Tour auf die Gartlalm mit gemütlichen 4 Stunden angegeben. Ich gehe die Runde oft am Abend mit meinem Collie – ohne Gepäck bin ich meist nach drei Stunden wieder im Tal“. Mit diesen Worten schließt Heide die Beschreibung einer ihrer Lieblingswanderungen und zeigt mit dem Finger auf den Ausgangspunkt. So einen Tourentipp habe ich mir erhofft, freue ich mich insgeheim. Der Startpunkt liegt auf unserer Heimfahr-Route, und so bringen wir sogar noch eine nette Alm-Tour unter, bevor sich unser Wochenende im Mölltal dem Ende zuneigt.
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© Martin Marktl / Heiligenblut Glocknerhof
Astrid und ich stehen wissbegierig über den Tisch gebeugt im Frühstücksraum des Glocknerhofes und damit mitten in Kärntens berühmtesten Ansichtskartenmotiv. Gerade eben haben wir Heide, die Chefin des Hauses, um einen Tourentipp für unseren letzten halben Tag im Mölltal gebeten, worauf sie mit einem „Bin gleich wieder da“ auf den Lippen den Raum verließ – um kurz darauf mit einer kartographischen Abhandlung des gesamten Oberen Mölltals zurückzukommen und damit den Tisch auszutapezieren. „Alles geht noch nicht um die Jahreszeit, aber für heute Vormittag finden wir schon was“, lächelte sie zufrieden, während sich - in Gestalt von dünnen roten Strichen - die ersten 200 Wanderkilometer vor uns ausbreiteten.
Glocknerhof in Heiligenblut
© Martin Marktl

Natur Aktiv Unterkünfte

Drehen wir die Uhr ein paar Tage zurück: Die Sehnsucht und der Ehrgeiz, ein paar Wandertouren rund um den Großglockner zu unternehmen, haben uns nach längerer Zeit wiedermal nach Heiligenblut geführt. Wir kennen die Gegend durch die Buchrecherche für den Alpe Adria Trail ganz gut, und wollten einfach wieder einmal hier etwas unternehmen. Und weil uns ein Angebot zu Ohren gekommen ist, welches wir uns keinesfalls entgehen lassen wollten, nämlich das Gletschertrekking auf der Pasterze, haben wir uns gleich bei einem der „Natur Aktiv Unterkünfte“ eingemietet.
Bei diesen Häusern handelt es sich um Unterkünfte, die sich mit Leib und Seele dem Wandergast verschrieben, und es zu ihrem Ziel gemacht haben, uns Outdoorleuten ein paar schöne Tage zu bereiten. Das gefiel uns, und deshalb sind wir nun genau hier. Ich bin froh, eine Unterkunft gefunden zu haben, in der man mir nicht schon wieder etwas von einer „baumelnden Seele“ erzählt, und schätze die ungezwungene und lockere Atmosphäre.
Nun, natürlich kann bald einmal wer behaupten, ein Freund der Wanderer zu sein – wo ja die wirklich anstrengende Komponente des Aktivurlaubes ohnehin von diesem selbst erledigt wird. Die 36 Gastgeber, die sich hinter dem Titel „Natur Aktiv Kärnten“ verbergen, haben sich jedoch auf eine Reihe von Qualitätskriterien verständigt, die es erst einmal zu erfüllen gilt, bevor das begehrte Zertifikat verliehen wird. Dazu gehören entsprechend geschultes Personal, umfangreiche Wanderliteratur und –karten sowie eine auf Aktivurlauber abgestimmte Küche, um nur einige Eckpfeiler zu nennen.
Terrasse der Natur Aktiv Unterkunft
© Martin Marktl / 36 zertifizierte Natur Aktiv Gastgeber

Gastgeber mit Herz und Seele

Wenn sich jedoch die Chefin selbst in aller Herrgottsfrüh vor Publikum durch einen Tisch voller ausgebreiteter Wanderkarten wühlt, und dabei jeden Stein im Oberen Mölltal mit Namen und Seehöhe zu benennen vermag, weiß man ohnehin, dass man es hier mit dieser Sache ehrlich meint.

Überhaupt scheint jeder Mitarbeiter mit der Gegend bestens vertraut zu sein. Was in der Gastronomie in der Regel ein gutes Zeichen ist, denn Wandertipps können nur Leute geben, die schon länger im Betrieb beschäftigt sind. Und erfahrungsgemäß ist ein gutes Haus nur dann ein gutes Haus, wenn die Mitarbeiter gerne dort arbeiten. So einfach kann man vom Tourentipp eines Mitarbeiters darauf schließen, wie die Chefleute mit ihren Mitarbeitern umspringen.
Äpfel für den Wanderer - sportliche Wegzehrung
© Martin Marktl / Alles für den Wanderer - sportliche Wegzehrung
Das mit den Zertifizierungen ist ja so eine Sache. Vom Aufkleber an der Tür hat man ja als Gast zuerst einmal rein gar nichts. Angenehm wird die Sache jedoch schlagartig dann, wenn Dinge einfach so sind, wie man’s braucht, und man nicht erst jemanden mit den Eigenheiten seines Hobbies belästigen muss. Zum Beispiel das Frühstück: Für uns Vielwanderer endet ein typischer Abend auf Reisen meist mit der Frage, ab wann man denn am nächsten Tag zum Frühstück erscheinen darf. Der Dialog, der dann folgt, nimmt meist diesen Verlauf:
„Wann möchten’s denn gern kommen?“ – „Möglichst früh, doch wir wollen nicht, dass wegen uns extra jemand aufstehen muss.“ – „Ach was, das machen wir schon - ist 8 Uhr OK?“

Spezialisierte auf Wanderer und ihre Taktung

Acht Uhr ist OK, wenn man an dem Tag nichts Großartiges vorhat. Doch wir Wanderer lieben es, in der frischen Morgenluft die ersten Schritte zu tun – und nicht bis High Noon am Frühstückstisch zu faulenzen. Nein, so stimmt das auch nicht, das tun wir schon auch gerne – doch nicht in einem Wanderurlaub. Denn bis man seine sieben Sachen zusammen hat, ist es halb neun, und das ist für eine etwas längere Bergtour doch schon sehr spät.

Ein Quartiergeber, der sich in seinem Leben für keine andere Spitze interessiert hat als jene bei den Nächtigungszahlen, kann das natürlich nicht wissen. In einem Haus hingegen, das sich auf Wanderer spezialisiert hat, gilt man um 8 Uhr am Frühstückstisch eher als verhaltensoriginell, da das Buffet um die Zeit schon längst bereitsteht – und von den „echten“ Wanderern im Haus bereits einmal leer geräumt wurde. So ein Frühstück unter Gleichgesinnten hat noch einen anderen netten Vorteil: Es erspart uns das etwas peinliche Gefühl, als einzige Wanderer den Biorhythmus des ganzen Hauses durcheinandergewirbelt zu haben.
Astrid und ich sind zum ersten Mal in einer Natur-Aktiv Unterkunft in Kärnten zu Gast. Als Weitwanderer kommen wir ja viel herum, und waren daher neugierig, ob dieses Zertifikat just another sticker on the door ist, oder ob sich dahinter auch etwas Bemerkenswertes versteckt. Also im Sinne, ob wir einen Unterschied zu anderen Hotels in vergleichbarer Kategorie bemerken. Mir hat beispielsweise gut gefallen, dass man sich hier sichtlich Mühe gibt, den Wegstrecken, die die Gäste hier täglich erwandern, beim Abendessen ein „Null-Kilometer-Menü“ gegenüberzustellen. Hinter dem Namen versteckt sich der Ehrgeiz, alle Grundprodukte aus der unmittelbaren Umgebung zu beziehen – und zwar zu 100 Prozent.
Speisekarte des Glocknerhofes
© Martin Marktl / Regionale Produkte gehören bei Natur Aktiv Unterkünften dazu

Verantwortung gegenüber natürlichen Ressourcen

Mit Regionalität werben - tut das nicht eh schon jeder? Ja, denn mit heimischen Produkten lässt sich in Zeiten des Ökologischen Fußabdruckes gute Stimmung verbreiten. Doch „think global, act local“ muss man auch leben, denn Ökofuzzis wie Astrid und ich schauen gleich überall zweimal hin. Dass Butter und Milch in einer Bergbauernregion im Ort eingekauft werden, ist eine feine Sache, aber irgendwie aber auch logisch in einem Ort, dessen eigene Bezirkshauptstadt 80 Kilometer entfernt ist. Heute nicht mehr ganz so selbstverständlich ist es, dass der Glocknerhof sein Prospektmaterial von einem heimischen Betrieb im nahen Dölsach drucken lässt, und nicht bei einem Printshop-Diskonter aus dem Internet bestellt.

Oder dass die wohlige Wärme in den Zimmern vom Bio-Fernheizwerk kommt, und unser Duschwasser von der Sonne aufgeheizt wurde. Was ich zugegebenermaßen erst im nachhinein mitbekommen habe - dennoch: Gerade in einer Landschaft, die durch den (Wasser-) Kraftwerksbau nachhaltig umgestaltet wurde, und sich daraufhin so mancher imposante Wasserfall in ein dünnes Rinnsal verwandelte, bleibt so etwas hängen. Wandererfreundlichkeit endet eben nicht vor der Haustür, sondern zeigt sich vor allem darin, wie jemand mit den natürlichen Ressourcen umspringt, wegen derer wir letztendlich hergekommen sind.
Wandern am Grossglockner
© Martin Marktl / Wandern am Grossglockner
Beim Glocknerhof hatte ich das Gefühl, dass wir auch ohne Zertfizierung die gleich gute Betreuung bekommen hätten. Ich gehe einmal davon aus, dass das bei den anderen drei Dutzend Partnerunterkünften nicht anders sein wird. Das war wohl auch das Ziel der Partnerschaft – den Leuten zu sagen: „Hey Leute, wir kennen uns in Sachen Outdoor- und Naturerlebnisse wirklich aus, und wir sind die, die ihr wirklich alles fragen könnt.“
 
Alles? Fast – aber die Antwort auf die allerletzte Frage lässt sich am Weg zur Gartlalm beantworten: Wie um alles in der Welt rechnet man drei Gehstunden einer sprudeligen Heiligenbluterin, die in einer ruhigen Minute den Großglockner-Berglauf erfunden hat, in eine Zeitangabe für uns Normalsterbliche um?

Tourentipp – Wanderung Gartlalm (mit optionaler Gipfelbesteigung)

Vom Parkplatz Ranach (1.353 m) folgt man der Markierung Richtung Schoberalm. Diese wird nach ca. 1h Gehzeit erreicht. Weiter am Pfad gelagt man zu einem Wetterkreuz, wo der Weg zum Gipfel des Gartlkopfes (2.456 m) abzweigt. „Für den teilweise steilen Aufstieg wird man mit einer großartigen Aussicht in die Sonnblickgruppe belohnt“, wie Heide Pichler hervorhebt.

Nach dem Rückweg zum Wetterkreuz geht es weiter zum idyllischen Fleckmoos, und weiter, dem Gartlbach entlang, zur Gartlalm. Nach der Alm gelangt man zu einer Weggabelung. Links und den Gartlbach überquerend erreicht man den Ausgangspunkt in Ranach.

Anfahrt zum Parkplatz auf asphaltierter Straße.
Länge: 10,1 km
Dauer: 4 ¼ Std, mit Gipfel 6 h
Auf-/Abstieg: 1103 HM (mit Gipfel)
Schwierigkeit: mittel, ohne Gipfel auch für Kinder geeignet

Bilder und Text: Martin Marktl / 12. Juni 2015

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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