Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Mussen

Blumenwiese

Nassfeld - Pressegger See | Lesachtal | Weissensee

Von flatternden Begleitern und den Erinnerungen an die Kindheit

Ich geb’s zu: Ich bin kein Kind der Berge. Eigentlich bin ich ein reiner „Null-Höhenmeter-Hunden-Runden-Marschierer“. Aber eine geführte Wanderung auf die Mussen hat gereicht, um meinen Erinnerungen und Sehnsüchten an die Kindheit wieder aufleben zu lassen. Denn die Mussen ist eine üppige, sanfte Bergmähwiese. Nur halt auf 2.000 Meter Seehöhe und daher mit einer Aussicht, die doppelt und dreifach für jeden getanen Schritt entschädigt.

Einmal im Jahr gibt’s auf der Mussen ein großes Fest. Im August. Es ist so etwas wie ein Erntedankfest. Denn die Mussen gilt als eine der letzten Bergmähwiesen in Österreich und im August ist in Sachen Mähen hier oben die meiste Arbeit getan. Seit 40 Jahren ist das nun so. Dann kommen „Doige“ (Einheimische) und „Zuagraste“ (Besucher) hier zusammen und feiern.

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Weiße Paradieslilien
© Sabine Salcher / Die ersten weißen Paradieslilien sind schnell erreicht. Sie gelten als eine der vielen botanischen Schätze der Mussen.
Soviel zumindest wusste ich über diesen weit über die Grenzen hinaus bekannten Blumenberg, denn als Kind war ich einmal bei diesem Fest. Und die Erinnerung daran ist folgende: Bei der Talfahrt mit dem „Muli“ war die Aussicht, die man vom steilen Weg aus die Berghänge hinunter genießen durfte, derart überwältigend, dass meine Mutter irgendwann beschloss, das geländegängige Cabrio-Gefährt zu verlassen und ihr Schicksal lieber doch auf eigene Beine zu stellen. Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht mal mehr erinnern, ob wir Kinder damals auch abgestiegen oder weitergefahren sind. Aber was von diesem Ausflug blieb, war ein leicht mulmiges Gefühl.
Mehr als 30 Jahr später sitze ich wieder auf der Mussen. Diesmal vor der Binta-Hütte, umgeben von einem blühenden Blumenmeer und zücke die Kamera. Soeben ist einer der unglaublich vielen Schmetterlinge, die sich hier tummeln, vor mir gelandet und beobachtet mich dabei, wie mir gerade bewusst wir, dass ich meine Notizen am wohl schönsten „Arbeitsplatz“ mache, der mir je untergekommen ist. Ums Eck in der Sonne sitzen Hinke, Gert, Tino und Theo, vier Holländer, die in Kötschach am Campingplatz urlauben sowie Eva, eine pensionierte Lehrerin aus Wien. Sie kommt seit Jahrzehnten nach Kötschach und hat in der Region mehr Berge erklommen, als viele Einheimische.

Kennengelernt haben wir uns knapp zwei Stunden zuvor in Kötschach vor dem Rathaus, wo wir auch  unsere Wanderführerin Simone Huber treffen.  Sie chauffiert uns in ihrem Bus hinauf bis zur Bergstation Vorhegg und dank des Schlüssels, den wir vom Vorhegger Bauer kriegen“, noch ein gutes Stück weiter, wo wir kurz nach den Röthenkreuzen auf rund 1.290 m parken.
„Regnet’s schon bei eich im Lesachtal?“, fragt Simone am Handy ihren Freund beim Rauffahren. Die Frage ist berechtigt, denn angesichts der dunklen Wolken über unseren Köpfen ist sich keiner von uns so sicher, ob das Wetter heute halten wird. Doch Simones Freund gibt grünes Licht und wir marschieren los. Zuerst ein kurzes Stück einen Forstweg entlang, dann weiter über einen alten Heuweg durch den Wald. Es ist der Weg 229, ein Teilstück des Gailtaler Höhenweges.
Wandern durch den Wald
© Sabine Salcher / Das erste Teilstück des Weges auf die Mussen verläuft durch einen vergleichsweise kühlen Wald. Danach wird Schatten aber schnell zur Mangelware.
Simone mit flatternden Begleiter
© Sabine Salcher / Sobald man aus dem Waldstück herauskommt, sind die ersten Schmetterlinge da. Simones kleiner Freund erwies sich als treuer Begleiter und ließ sich von ihr ein gutes Stück weiter nach oben bringen
Keine halbe Stunde vergeht und die Sonne kommt heraus. Wegen der für Juni ungewöhnlich hohen Temperaturen sind wir dankbar für jeden Schritt, den wir im Schatten marschieren dürfen.  Rund eine halbe Stunde geht es so teilweise recht knackig bergauf. Dann kommt der Moment, in dem  wir vom Schatten ins Licht treten und sofort sind sie da: die ersten Schmetterlinge. Einer macht sich gleich auf Simones Hand nieder und erweist sich als treuer Begleiter.
Kurz darauf entdeckt das geschulte Auge von Eva auch die ersten weißen Paradieslilien. Sie gelten als eine der vielen botanischen Schätze der Mussen. Mehr als 500 Blumenarten konnten hier nachgewiesen werden.
„Aber so viele Paradieslilien wie heuer, hab‘ ich hier noch nie gesehen“, ist Eva begeistert. Auch Türkenbundlilien und „Schuasternagilan“
wie Simone den Frühlingsenzian nennt, säumen den Weg. Die kräftig leuchtenden Bartnelken werden in Holland, so klärt uns Gert auf, passenderweise „Tausendschöne“ genannt.
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© Sabine Salcher / Die Türkenbundlilien vor der Bintahütte werden in wenigen Tagen zu ihrer vollen Pracht herangereift sein.
 „Geht’s euch allen gut?“ fragt Simone später, weil ihr auffällt, dass es mit der Zeit doch verdächtig still geworden ist, hinter ihr. Das liegt einerseits daran, dass alle mit Schauen beschäftigt sind, andererseits an den schweißtreibenden Temperaturen. Denn Schatten ist am Weg auf die Mussen Mangelware und jeder Meter unter einem Baum wird mit möglichst langsamen Schritten ausgekostet. Aber wenig später haben wir’s nach einer Gehzeit von knapp zwei  Stunden fast geschafft.
Kreuz auf Wiese
© Sabine Salcher / Unser Tagesziel ist das Kreuz in unmittelbarer Nähe zur Binta-Hütte auf rund 1.800 Meter.
Vor uns erstreckt sich ein riesiges, blühendes Almgebiet und die ersten Hütten sind zu sehen. Simone deutet auf ein Kreuz und meint „Das ist unser Tagesziel“. Es liegt auf gut 1.800 Meter Seehöhe, also etwas unterhalb der Mussenhöhe (2.038 m). Bewirtschaftete Hütten gibt’s hier keine, dafür eine fast menschenleere Idylle. Nur zwei andere Wanderer sehen wir auf der gesamten Tour. Und das, obwohl jetzt „Hauptsaison“ ist, denn die Mussen steht in voller Blüte.
Wir lassen uns also bei der „Binta-Hütte“ nieder und genießen unsere Jause. Lange hält’s jedoch keinen auf seinem Sitzplatz. Zu schön ist das „Aussichtsbankl“ ein Stück weiter vorne direkt beim Kreuz. Vor einem erstreckt sich das komplette Gailtal bis hinunter zum Dobratsch. In Richtung Süden erblickt man den Mooskofel, den Cellon, die Mauthneralm, die Plenge…  
 
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© Sabine Salcher / Leider war es an diesem Tag etwa diesig. Trotzdem eröffnet sich einem von der Mussen aus ein Blick über das gesamte Gailtal.
Der Duft von wildem Thymian und von unzähligen weiteren Blüten steigt mir in die Nase. Duftenden Nelken, wunderschönen Orchideen - es ist ein farbenprächtiges , üppiges Durcheinander und ein ständiges Flattern. Denn 650 verschiedene Arten von Schmetterlingen gibt es hier oben.  Scheu sind sie nicht. Sogar ungewohnt geduldig stellen sie sich für Fotoaufnahmen zur Verfügung.
Schmetterling auf Blume
© Sabine Salcher
Ein paar Minuten bleiben uns noch, bevor wir den Rückweg antreten und so versuchen wir alle, die einzigartigen Bilder nicht nur digital, sondern so gut es geht auch in unseren Köpfen abzuspeichern. In meinem passiert sogar eine komplette Auffrischung in Sachen Mussen-Erinnerungen. Fast schmunzeln muss ich drüber, dass ich mir vor dieser Tour Gedanken darüber gemacht habe, ob die Mussen vielleicht nur etwas für Schwindelfreie ist. Oder für geübte  Wanderer. Ist sie nicht! Die Mussen ist auch für normalerweise reine „Null-Höhenmeter-Hunde-Runden-Marschierer“ wie mich eine wunderschöne und absolut schaffbare Wanderung. 
Beschilderung zum St. Jakob
© Sabine Salcher

Aber folgenden Tipp darf ich euch noch mit auf den Weg geben:

Schließt euch einer geführten Wanderung an, denn erfahrene Bergführer wie Simone haben ein perfekt Gespür dafür, welches Schritttempo sie vorgeben müssen und in der Gruppe macht es so viel mehr Spaß! Und wenn ihr Glück habt, nimmt sie euch danach vielleicht noch mit auf einen Umtrunk zu Andreas Spivey vulgol „Speiby“ in die Waldschenke.
Bilder und Texte: Sabine Salcher / 28.07.2017

Autorenvorstellung: Sabine Salcher

Ich bin freie  Journalistin … weil … ich mich in diesem Job immer aufs Neue davon überraschen lassen darf, was unsere Region an besonderen Menschen und außergewöhnlichen Plätzen zu bieten hat. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit der Renovierung eines 250 Jahre alten Hauses, mit gemütlichen Hunde-Runden am liebsten in Wassernähe und mit der „Bespaßung & Bändigung“ meiner zwei Söhne.

 

Das fasziniert mich an Kärnten am meisten: Wer hier leben darf, hat’s nie weit zum nächsten See, zum nächsten Gipfel, zum nächsten Skigebiet oder so wie jetzt im Sommer zum nächsten Kirchtag … .  

 

Lieblingszitat: Love it, leave it or change it.

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