Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Berglust auf der Südseite der Alpen Nationalparkregion Hohe Tauern

Kreuzeck Höhenweg

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Weitwandern auf dem Kreuzeck-Höhenweg

Ein Weg in fünf Tagesetappen, ab der zweiten Etappe fast immer über der 2000 Metermarke. Felsiges Gelände, saftige Almwiesen, steil abfallende Hänge, sanfte Hochebenen, felsige Grate und kleine feine Schutzhütten.

Das alles ist der Kreuzeck-Höhenweg. 52,8 Kilometer ist er lang und führt von der Kreuzeck-Bahn in Unterkolbnitz in Kärnten bis zum Zwischenbergsattel in Osttirol. 3580 Höhenmeter gilt es bei ständigem Auf und Ab in Summe zu überwinden. Ein Erlebnisbericht der ersten zwei Etappen von Sabrina Schütt.

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Rau und widerständig zeigt sich die Natur
© Sabrina Schütt / Rau und widerständig zeigt sich die Natur

Ein Wiedersehen in den Bergen

Eine schöne Herausforderung denken wir uns. Wir, das sind Leonie und Sabrina. Leonie lebt mittlerweile in Frankfurt, aber war als Sennerin und Helferin auf der Hütte bereits zweimal in der Kreuzeckgruppe. Ich habe das Glück, seit einigen Jahren in einem kleinen Bergdorf zu leben und bin viel im Gelände unterwegs. Es ist ein fröhliches Wiedersehen bis uns die Nachtruhe um 22 Uhr zum Schlafen schickt. Hier oben ticken die Uhren eben anders.

Schritt für Schritt nach oben

Gut ausgeschlafen geht es zum Frühstück. Selbst gebackenes Brot, Käse und Salami stärken uns für den Tag, doch der Blick aus dem Fenster trübt unsere Motivation. Tief hängen die Wolken und verhüllen die Landschaft in dichtem Grau. Man kann gerade weit genug sehen um die neu gemalten Markierungen zu entdecken.  

Zunächst steigen wir zum Gelenktörl auf. Hier macht sich Leos prall gefüllter Rucksack zum ersten Mal bemerkbar. Sie lacht und meint, im städtischen Packeifer seien ein paar mehr Sachen in den Rucksack gewandert. Ich bin froh, dass ich mich beim Packen auf das Nötigste beschränkt habe. Leonie schnauft, aber kämpft sich tapfer Anstieg für Anstieg weiter nach oben.
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© Sabrina Schütt / Die gute Laune ist der beste Motivator

Wolken sind nicht aus Zuckerwatte

Als Kind habe ich mir immer vorgestellt, Wolken wären wie Zuckerwatte: weich, süß und luftig. Heute weiß ich, sie sind vor allem feucht, grau und windig. Nur die Blumen wie das rosa Mannschild und der gelbe Klappertopf leuchten unbeirrt in satten Farben im tristen Grau. Der Wind zerrt an ihren scheinbar zarten Blüten und mir wird bewusst, welchen Bedingungen die Pflanzen und Tiere hier oben trotzen. Hier oben hat man keinen Einfluss auf das Wetter und ist seinen Launen ausgesetzt.
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© Sabrina Schütt / Mit viel Fantasie eine schöne Aussicht

Wetter, Können und Schwierigkeit

Das Wetter hat seine eigene Laune und kann einfache Wege im Handumdrehen mit Regen, Schnee und Eis in ein schwieriges und herausforderndes Gelände verwandeln. So sind wir dankbar, dass es heute nur grau um uns ist, denn einige Stellen auf diesem Weg können es in sich haben, erzählt auch Leonie. Denn die Geschichten auf den Hütten können oft ganz unterschiedlich ausfallen.
Einige knifflige Stellen gibt es schon
© Sabrina Schütt / Einige knifflige Stellen gibt es schon
Während die einen von einer entspannten Wanderung berichten, hatten andere mit dem felsigen Gelände, den schmalen Wegen und steil abfallenden Hängen zu kämpfen. So sind Schwierigkeiten in den Bergen immer relativ, abhängig vom Wetter und subjektiv abhängig vom Können der Wanderer.
 

Von Frauen in den Bergen

Hin und wieder tauchen aus dem Nebel andere Wanderinnen auf. Vor hundert Jahren mussten Frauen noch um ihr Recht kämpfen überhaupt in den Bergen unterwegs zu sein. Wurde es ihnen ermöglicht, stiegen sie mit langen Kleidern und zarten Lederschuhen durch Schneefelder, dem abschätzigen Blick der Männer ausgesetzt, bahnten sie sich ihre Wege auf Gipfel. Denn auch sie zog es in den Bann der Berge: „Um das Glück, das die Berge ihren Getreuen schenken, ist es ein eigen Ding, es lässt sich nicht erzwingen. Wer aber je dieses Glück empfunden, der ist den Bergen für immer verfallen. Sie machen ihn unendlich reich, und ich glaube, er kann nie wieder ganz arm werden!“ Schrieb die berühmte Bergsteigerin Eleonore Noll-Hasenclever 1919 treffend über ihre Beziehung zu den Bergen.
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© Sabrina Schütt / Auf und nieder immer weider

Richtige Kleidung beim Wandern

Wir sind heute zum Glück mit guter Kleidung ausgestattet und meine Mutter behält mal wieder Recht. „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“. Außerdem hilft die Freude gemeinsam hier oben zu sein, über die trübe Sicht hinweg. Immer wieder wird unsere gute Laune belohnt. Hier und da lichtet sich der Nebel und gibt kurzzeitig den Blick ins Tal frei, zeigt uns Seen, Hochtäler mit sanft dahinfließenden Bächen, Bergkuppen, die ansonsten den Rest des Tages unter dichten Wolken verborgen bleiben. Umso größer ist heute die Freude, einen kurzen Eindruck der Umgebung zu bekommen oder den blauen Himmel aufblitzen zu sehen. Beim letzten steilen und längeren Aufstieg zum Hochkreuz (2709 Meter) hinauf frischt der Wind merklich auf. Lange hält es uns nicht auf dem Gipfel, ein Stück Schokolade und weiter geht’s.
 

Erste Blasen an den Füßen

Nach rund fünf Stunden bergauf und ab wird Leonie langsam müde, erste Blasen bilden sich an ihren Füßen. Ich versuche sie mit Geschichten bei Laune zu halten. Bald zeigt uns ein gelber Wegweiser noch dreißig Minuten bis zur Hugo-Gerbers-Hütte an. Unser heutiges Ziel ist schon ganz nah. Auf der Hütte bewundere ich einmal mehr Leonies Talent sich binnen Minuten mit allen auf der Hütte bekannt und vertraut zu machen. Sie lacht, erzählt Geschichten von ihrer Zeit als Sennerin und macht sich sogleich nützlich und heizt erst mal im Gastraum ein. Wir waschen uns an der eiskalten Quelle hinter dem Haus, denn fließend Wasser gibt es hier keines. Auch die Komposttoilette ist gewöhnungsbedürftig, aber erfüllt ihren Zweck.
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© Sabrina Schütt / Idyllisch gelegen die Hugo-Gerbers-Hütte
Zähneputzen mit Ausblick
© Sabrina Schütt / Zähneputzen mit Ausblick

Am nächsten Morgen lacht die Sonne

Am nächsten Morgen haben wir mehr Glück, die Sonne hat sich ihren Weg gebahnt und wandert langsam über die ersten Kuppen. Bei einer herrlichen Aussicht putze ich mir die Zähne und freue mich schon auf die heutige Etappe. 13 Kilometer, 1200 Höhenmeter und nicht weniger als acht Gipfel liegen vor uns. Dafür lässt Leonie einige Sachen aus ihrem Rucksack auf der Hütte zurück. 
Beschwingt von der Aussicht und dem erleichterten Rucksack starten wir Richtung Sandfeldkopf. Bis dorthin überschreiten wir bereits vier kleinere Gipfel. Als schmaler Pfad zieht sich der Weg die Bergrücken entlang. Links und rechts geht es teils steil bergab. Immer wieder pfeift es von den Hängen. Murmeltiere warnen ihre Kumpels vor, aber einen Grund sich gleich zu verziehen liefern wir ihnen nicht. So können wir die Tiere noch einen Moment beobachten, bevor es weiter geht.
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© Sabrina Schütt / Murmeltiere begleiten den Weg

Das Gehirn wachsen lassen

In einer Studie habe ich mal gelesen, dass sich beim Gehen das Gehirn erneuert und wieder neue Zellen produziert. Also lassen wir heute unser Gehirn wachsen. Außerdem ist an einigen Stellen volle Konzentration und Trittsicherheit gefordert. Erst auf dem Weg hinunter zum Wildsee können wir uns wieder etwas entspannen und an einer Quelle unserer Flaschen mit eiskaltem Bergwasser auffüllen.
 
Kalt und klar fliesst das Wasser Richtung Tal
© Sabrina Schütt / Kalt und klar fließt das Wasser Richtung Tal
Der See liegt ruhig am Fuß den Damerkopfes, dem nächsten Gipfel auf dem Weg. Wir lassen ihn allerdings links liegen und folgen dem Weg über Felsblöcke, die von fleißigen Helfern mit viel Kraft und Aufwand zu einem gut begehbaren Weg geschlichtet wurden.
 
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© Sabrina Schütt / Heute lacht die Sonne für uns

Augen zu und durch!

Vom Zietenkopf sehen wir aus südlicher Richtung eine schwarze Regenwand auf uns zukommen. Die Hütte ist noch zwei Stunden entfernt. Wir werden wohl nass! Augen zu und durch! Auch der Wind frischt merklich auf und als uns der Regen erreicht, sind wir bereit. Alles ist in wasserdichten Beuteln verstaut, die Regenkapuze tief ins Gesicht gezogen. So lassen wir einen kurzen aber heftigen Schauer über uns ergehen. Pfützen säumen nun den Weg, aber zum Glück ist der Weg nicht wirklich rutschig geworden.
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© Sabrina Schütt / Ein Blick auf die zurückgelegte Strecke
Als wir dann endlich unser Ziel, das Anna-Schutzhaus, erreichen, sind wir nicht nur schon wieder halbwegs trocken, sondern werden auch von einer ganzen Herde Lamas begrüßt. Eine Gruppe ist beim Lamatrekking unterwegs. Wir lassen uns erst mal die leckeren Schlipfkrapfen schmecken, genießen den herrlichen Blick auf die Dolomiten und fühlen uns sofort wohl auf dieser gemütlichen Hütte. Mit einer Partie „Mensch-ärger-dich-nicht“ lassen wir unserer Wanderung ausklingen. Wir sind zufrieden mit uns und den letzten Tagen und wissen jetzt schon: Wir kommen wieder! Beim nächsten Mal aber hoffentlich mit besserem Wetter!
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© Sabrina Schütt / Auch Lamas genießen die Aussicht

Bilder und Texte: Sabrina Schütt / 11.08.2019
Autorin Sabrina Schütt

Autorenvorstellung: Sabrina Schütt

Ich bin Yogalehrerin und freie Redakteurin ... weil ... ich so meine Freiheit genießen kann. Mit Yoga kann ich Menschen einen Moment der Ruhe schenken und mit Worten meiner Freude am Schreiben nachgehen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs, entweder beim Klettern oder Wandern.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die faszinierende Schönheit und die immer noch wilden und unberührten Flecken, die es zu erkunden gibt. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kasnudeln.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: Wir werden umso authentischer je näher wir dem Traum kommen, den wir selbst von uns haben.

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