Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Hinter jeder Kurve eine Geschichte

Steinböcke rasten auf der Bergwiese

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

„Heute ist ein kitschiger Tag“

Weit weg von der Hektik des Alltags und der Hitze der Stadt stehe ich um Punkt 7 Uhr vor dem Hotel Glocknerhof in Heiligenblut, um zur Steinwildbeobachtung in den Nationalpark Hohe Tauern aufzubrechen. Mit Erinnerungen an die Kindheit - ja, solange ist es her, seitdem ich das letzte Mal auf der Großglockner Hochalpenstraße unterwegs war.

Das Wetter in knapp 1300 Meter Seehöhe ist herrlich: Tiefblauer Himmel, Sonne und nichts als reine Bergluft. Mein guter Freund Christian war bereits mehrmals im Nationalpark Hohe Tauern und weiß auf der 25-minütigen Fahrt bis zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe viel zu erzählen. Hinter jeder Kehre wartet etwas Neues: „Hier rechts der Blick auf den Sonnblick mit Österreichs höchster Bergstation, die ganzjährig besetzt ist“, „Dort drüben der Wasserfall Leiterfall – der hat selten so viel Wasser, wie in diesem heißen Sommer“. „Dort drüben geht der Wiener Höhenweg, der von Lienz bis zum Großglockner führt“.

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Er zeigt uns auch die Strecke des Großglockner Berglaufs, bei dem die Teilnehmer fast 13 Kilometer und 1400 Höhenmeter absolvieren müssen. Dann geht es vorbei an der Pfandlscharte. „Wenn ihn wer kennt - der Deutsche Sänger Xavier Naidoo hat hier seinen neuesten Videoclip gedreht.“ Wie im Flug ist die Kaiser-Franz-Josefs-Höhe erreicht. Sie hat ihren Namen seit 1856, als ihr Kaiser Franz Josef einen Besuch abgestattet hat. Was für ein Panorama, welch atemberaubende Natur. Beim Aussteigen unserer Gruppe murmelt Christian vor sich hin: „Heute ist ein kitschiger Tag, wirklich ein Traum“.
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© Ute Zaworka / Die Suche nach den Steinböcken, den Königen der Alpen, beginnt: Jeder Teilnehmer erhält sein eigenes Fernrohr.

Winzige bunte Punkte kurz vorm Gipfelsieg

Am Parkplatz der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe wird unsere 17köpfige Gruppe, bei der auch einige  Kinder mit dabei sind, von den Nationalpark-Wildhütern Walter Pucher und Erwin Haslacher erwartet. Die beiden sind bereits seit zwei Stunden unterwegs, um Steinböcke zu sichten. Zwei Fernrohre auf Stativen sind bereits Richtung Großglockner aufgestellt, zudem erhält jeder Teilnehmer sein eigenes Fernglas. Ich blende mich gedanklich kurz aus, lass das prächtige Panorama auf mich wirken. Ich stehe auf 2369 Metern direkt vor dem höchsten Berg Österreichs, dem Großglockner. Ganz oben ist die Adlersruhe erkennbar, die letzte Hütte vor dem Aufstieg auf den Gipfel (3798 Meter). Mit freiem Auge sehe ich winzige bunte Punkte, Bergsteiger, die sich Richtung Gipfelkreuz bewegen. Wie wohl der Blick von da oben ist? 

 
Pro Jahr machen sich 4000 Bergsteiger zum großen Abenteuer auf – „allein heute habe ich 50 gezählt“, so einer unserer Guides. Vor mir erstreckt sich auch der längste Gletscher der Ostalpen, die Pasterze. Aufgrund der Klimaerwärmung verliert er durchschnittlich 15 Meter an Länge und drei bis fünf Meter an Eisdicke. Später wird Wildhüter Erwin entsetzt sagen: „Verrückt, wie die Pasterze zurückgeht.“
Wanderer sucht mit Fernglas nach Steinböcken
© Ute Zaworka

Gute Kletterer und keine Schwitzer

„Siehst du sie? Wo sind sie?“ Kinder in heller Aufregung, voller Vorfreude und leicht ungeduldig. Walter lotst unseren Blick durchs Fernrohr: „Dem Verlauf des Gletscherbaches folgen, ein bisschen nach links bis zum schwarzen V und dort ein wenig nach oben“. Wir haben Glück – direkt auf der gegenüberliegenden Seite der Franz Josefs Höhe sind zwei prächtige Steinböcke zu sehen. Die Distanz: rund zwei Kilometer – also viel zu weit weg, um sie auch als Foto mit nach Hause zu nehmen.
„Steinböcke haben keine Schweißdrüsen, brauchen daher Schatten und stehen gerne am Grat, wo der Wind bläst“, erklären die Wildhüter. Und weiter: „Dass wir heute Steinböcke im Nationalpark Hohe Tauern beobachten können, liegt an der Wiederansiedelung der Tiere in den 60er Jahren. Davor waren sie ausgestorben, heute muss ihr Bestand sogar wieder kontrolliert werden.“ Die angesiedelten Tiere stammen übrigens aus dem italienischen Naturschutzpark Gran Paradiso. Die prächtigen Bergbewohner sind gute Kletterer und ernähren sich großteils von Kräutern und Gräsern. Natürlicher Feind der Jungtiere sind Füchse und Steinadler.
Wanderin Ute nähert sich einem Murmeltier
© Ute Zaworka / Am Futterplatz auf der Franz Josefs Höhe haben die Tiere die Scheu gegenüber den Menschen verloren.

Hier pfeifen die Murmeltiere

Nach rund 30 Minuten Staunen und Beobachten führt uns der Weg zu den nächsten faszinierenden Bewohnern des Nationalparks Hohe Tauern - zu den Murmeltieren. Was uns sehr zur Freude der Kinder erwartet ist ein „Streichelzoo in der Natur“. Die putzigen Kerlchen sind sehr zutraulich und nehmen die von Wanderern mitgebrachten Snacks gerne entgegen. Eine Info-Tafel weist darauf hin, was die Nager gut vertragen: Karotten, Nüsse und Obst in geringen Mengen. Über den Sommer futtern  die „Murmalen“, wie sie in Kärnten genannt werden,  ausreichend Depotfett an, sodass sie mühelos über die kalte Jahreszeit kommen.
Während des Winterschlafs im Hochgebirge wird die Körpertemperatur auf 3 Grad gesenkt, der Puls schlägt nur drei Mal in der Minute. Bei Gefahr geben Murmeltiere einen schrillen Ton von sich, der an Pfiffe erinnert. „Ein Pfiff – Gefahr aus der Luft, mehrere Pfiffe – Gefahr am Boden“, erklärt Erwin. Mit Gefahr in der Luft sind Steinadler, mit Gefahr am Boden Mensch oder Fuchs gemeint. Wir hören keine Pfiffe, dafür aber das Rauschen der Gletscherbäche vom Hang gegenüber.

 

„Das ist halt kein Zoo“

Nach einem kleinen Spaziergang erreichen wir die Wilhelm-Swarovski-Beobachtungswarte. Der moderne Glasbau offenbart einen wunderschönen Ausblick auf das Großglocknermassiv, zudem gibt es Info-Tafeln zu Flora und Fauna. Die Wahrscheinlichkeit, Steinböcke von hier aus in freier Nastur zu sehen, ist besonders groß.
Das 1998 eröffnete Glashaus ist das Reich von Günther Jakober. Mit welchen Fragen ihn die Wanderer am häufigsten löchern: „ Wo geht man auf den Glockner? Führt ein Lift hinauf? Wo sind die Steinböcke? Warum sind hier keine Steinböcke?“ Ganz einfach: „Das ist halt kein Zoo“.

Wir haben Glück und auf den Felsen hinter der Beobachtungswarte lässt sich ein Steinbock auf einem luftigen Grat den Wind um die Hörner blasen. Sichtbar mit dem Fernglas, aber fürs freie Auge viel zu weit weg. „Steinböcke – wie cool“ – sind sich Kinder und Erwachsene einmal mehr einig. Auch Günther Jakober lässt sich von den mächtigen Tieren noch immer gerne begeistern. Seine Augen strahlen, als er von einem Rudel Steinböcke erzählt, das sich erfolgreich gegen den massiven und langwierigen Angriff zweier Steinadler gewehrt hat.
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© Ute Zaworka / Ein Glasbau mit herrlichem Ausblick: die Swarovski Beobachtungswarte.
Nur noch ein paar Schritte zum Gletscherrestaurant Freiwandeck, wo sich auch die Parkgarage für Ausflügler und die Haltestelle des öffentlichen Postbusses befindet. Schade, dass unsere Wildtierbeobachtung vorüber ist. Erwin und Walter sammeln die Fernrohre ein. Noch ein freundliches „Auf Wiedersehen“ und die Teilnehmer der Gruppe verteilen sich in alle Windrichtungen. Mittlerweile ist es knapp Mittag und das Panoramadeck gut gefüllt. Mit Wanderern, Radfahrern, Bikern, Familien mit Kindern in allen Altersgruppen. Keiner merkt’s: 80 Jahre hat die Großglockner Hochalpenstraße mittlerweile am Buckel.

Die Legende vom Heiligen Briccius

Mit verschlagenen Ohren statte ich der imposanten Kirche von Heiligenblut noch einen Besuch ab, zünde eine Kerze an und steige in die Krypta zum Briccius-Grab hinab. Natürlich nicht ohne die Legende vom Heiligen Briccius nachgelesen zu haben. Nach einem kurzen Spaziergang stärke ich mich noch mit  Spinat-Schafskäse-Knödel und verlasse den gemütlichen Ort.
Verwoben mit der Legende: Das Grab des Hl. Briccius in der Krypta der Kirche in Heiligenblut
© Ute Zaworka / Verwoben mit der Legende: Das Grab des Hl. Briccius in der Krypta der Kirche in Heiligenblut.
Was ich mir bei der Heimfahrt fest vornehme? Dass ich das nächste Mal länger in dieser traumhaften Region bleibe und ich noch im heurigen Herbst das Gletschertrekking ausprobiere. Und dann denke ich mir, dass Christian heute morgen recht gehabt hat: „Heute ist ein kitschiger Tag “.

Bilder und Text: Ute Zaworka / 7. August 2015
Beeindruckendes Bergpanorama bei Traumwetter

MAGISCHE MOMENTE

Im Bergsommer 2017, von Mitte Juni bis Mitte September, lassen sich in der Nationalpark-Region Hohe Tauern vier ausgewählte Magische Momente erleben, die die gesamte Vielfalt der Nationalpark-Region wieder spiegeln.
Das Erlebnisprogramm „Magische Momente“ der Hohe Tauern – die Nationalpark-Region eröffnet eine unvergessliche Expeditionsreise in den Nationalpark Hohe Tauern, der größten Outdoor- Arena der Ostalpen und wird Gästen noch Jahre danach ein Lächeln auf die Lippen zaubern, wenn sie an den EINEN, unvergesslichen Augenblick denken.
 
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