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Gletschertrekking am Pasterzengletscher

Blick in die Tiefe des Gletschers

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Gletschertrekking am Pasterzengletscher

In ganz Kärnten gibt es sie inzwischen, die „Magischen Momente“. Hinter diesem Titel verstecken sich Erlebnisprogramme, die meist einen Tag ausfüllen, und derartig außergewöhnlich sind, dass man sie auch nach dem Urlaub nicht so bald vergisst. So wie ich diesen Moment nicht vergessen werde, als meine Astrid wenige Schritte neben mir in einer Gletscherspalte verschwand.

Ein Tag auf dem „ewigen“ Eis im Nationalpark Hohe Tauern – so lässt sich in wenigen Worten einer der ‚Magischen Momente' beschreiben, den man seit kurzem auf der Pasterze erleben kann. Unser heutiges Tagesziel ist also dieser größte Ganzjahres-Eislaufplatz der Ostalpen – ein Gletscher, dessen Ausläufer man über die Großglockner-Hochalpenstraße erreicht und – nach einer Fahrt mit einem Schrägseilaufzug, über einen geologischen Lehrpfad sogar betreten kann. Jeder Besucher des Nationalparks darf das – auf die zerfurchte Eisfläche sollten sich aber nur jene wagen, die entweder hochalpine Erfahrung haben – oder einen Bergführer, der aufpasst, dass man keinen Blödsinn macht. In unserem Fall ist das Martin – einer der berühmten „Heiligenbluter Bergführer".

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Kaiser Franz Josef und der Großglockner
© Martin Marktl / Kaiser Franz Josef und der Großglockner
In Heiligenblut liegt nämlich die Wiege des modernen Alpinismus: Martins Vorgänger haben hier vor beinahe 150 Jahren den ersten Bergführerverein Österreichs gegründet. Ein paar Jahre früher zog es Kaiser Franz Josef auf die Aussichtsplattform, die seitdem den Namen des Habsburgers trägt. Dort, wo heute eine überlebensgroße Statue des Kaisers steht, hat man die Möglichkeit, sowohl den Pasterzengletscher als auch den höchsten Berg Österreichs, den Großglockner, auf ein Foto zu bekommen.
Mit Martin haben wir nicht nur eine Lebensversicherung mit aufs Eis bekommen, sondern auch einen profunden Kenner der geologischen Zusammenhänge dieses Naturphänomens: „Hier auf der Pasterze läuft seit rund 10 000 Jahren – also seit der Würm-Kaltzeit - jeden Sommer Schmelzwasser vom Nährgebiet ins Zehrgebiet. Ersteres ist der weitaus größere Teil des Gletschers, den man über dem sogenannten Hufeisenbruch als große, weiße, und vergleichsweise ruhige Ebene sieht.
 
Hier sammeln sich die Winterniederschläge, gemeinhin als Schnee bekannt, und werden unter dem enormen Druck nachfolgender Niederschläge zu Eis gepresst. Hier kommt also jeden Winter etwas dazu – deshalb auch der Name „Nährgebiet“.
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© Martin Marktl / Permafrostboden am unteren Ende des Pasterzengletschers
Das Zehrgebiet hingegen  - wo folgerichtig jeden Sommer etwas wegkommt - ist die zerfurchte Eislandschaft unter dem Hufeisen. Diese Eismasse bewegt sich – getrieben durch die Erdanziehungskraft, ständig nach unten. Steht etwas im Weg herum – ein riesengroßer Felsbrocken zum Beispiel – sorgt das für Spannung innerhalb der Masse, und es ergeben sich Gletscherspalten. Und deretwegen sind wir hier.

 
Wenn wir geologischen Nackedeis von der Pasterze reden, meinen wir damit meist die Zunge, die man in der unteren Hälfte des Bildes sieht. Und auf diesem Teil wird Martin mit uns beiden ein wenig herumspazieren. Naja, spazieren ist vielleicht etwas untertrieben:
„Ungefähr vier Stunden werden wir uns Zeit nehmen. Wie weit wir dabei kommen, kann ich Euch jetzt noch nicht sagen. Vor drei Wochen war ich das letzte Mal am Gletscher, inzwischen sieht es hier schon wieder völlig anders aus. Ich bahne mir mit meinen Gästen jedes Mal eine neue Route durch die Furchen, Spalten und steilen Abbrüche. Es kann sein, dass wir bis zum Hufeisenbruch kommen. Oder wir bleiben in der unteren Hälfte, weil es bereits hier so viel zu entdecken gibt“, legt uns Martin den Zeitplan für den Vormittag dar.
Am Weg von der Gletscherbahn zum Gletscher
© Martin Marktl / Am Weg von der Gletscherbahn zum Gletscher
Wie schon eingangs erwähnt, beginnt unsere Trekkingtour an jener Stelle, wo  die Pasterze dem namensgebenden Kaiser Franz Josef im Jahre 1856 noch auf Augenhöhe ihre Zunge zeigte. Heute geht es von des Kaisers Aussichtspunkt – siehe Foto oben – rund 300 Meter in die Tiefe, bevor man zum ersten Mal den Fuß aufs Eis setzt.

Also werfen wir uns in die historische Gletscherbahn – einem Schrägseilaufzug, der uns da hinunter bringt. Selbst von dort geht man noch ein Weilchen bis zum Gletscher. Martin nützt Fahrt und Anmarsch, um uns immer wieder direkt am lebenden Objekt zu zeigen, was sich hier in den letzten tausenden Jahren abgespielt hat. „Dort drüben kann man gut erkennen, wie weit sich der Gletscher einst nach oben ausgedehnt hat.“ Tatsächlich wirkt die Steilwand am Fuße des Großglockners stellenweise wie glattgeschliffen, und selbst heute verirrt sich dort kaum ein Pflänzchen hin.
Nach einigen weiteren Gehminuten und einem Warnschild, welches höflich (und mit ganz anderen Worten) darauf hinweist, dass man ab hier mit Turnschuhen nun wirklich nichts mehr verloren hat, beginnt der – mit schwarzem Punkt als ‚schwierig‘ gekennzeichnete – alpine Teil unserer Tour.

„Ab jetzt befindet Ihr Euch auf dem Zehrgebiet“. Hier ist das noch nicht so offensichtlich wie weiter oben, doch die eine oder andere gähnende Öffnung lässt keinen Zweifel an Martins Worten aufkommen. Auch an einem See, in dem sich feiner Sand – der sogenannte Gletscherschliff – sammelt, dürfen wir noch entlangspazieren.
Astrid schickt – wie auch bei waghalsigen Brücken und fragwürdigen Stellen – gerne jemanden vor, der den Untergrund auf seine Stabilität prüft. Dank seiner zahllosen Glockner-Besteigungen – eine der anspruchsvolleren Aufstiegsvarianten führt über die Pasterze – befinden wir, dass Martin für diese Aufgabe am besten geeignet ist.
Frohen Mutes stapft er also auf die Mitte der Pasterzenzunge zu, um beim ersten vollflächigen Eiskontakt seinen Rucksack abzuschultern. „Von hier gehen wir mit Steigeisen weiter.“
Überquerung einer Eisbrücke
© Martin Marktl / Eisbrücke
Steigeisenmontage
© Martin Marktl / Steigeisenmontage
Während Martin uns die zackigen Sohlen auf den Huf montiert, rät er, bis zu unserer Rückkehr auf festen Boden alles anzuziehen, was wir haben. Denn wer am Gletscher auf einer etwas steileren Stelle den Halt verliert, hat nach ein paar Metern vermutlich keine Haut mehr am Knochen, so rauh ist die Oberfläche.

Also alles angezogen: Handschuhe, Haube, lange Ärmel. Und die Gletscherbrille darf nicht fehlen! – das wissen wir aus den Luis Trenker-Filmen.
Jetzt geht’s ans Eingemachte. Alle paar Meter tut sich links oder rechts von uns ein Schlund auf, dessen Tiefe man nur anhand des Gurgelns erahnen kann, welches von den Gletschermühlen unter uns nach oben dringt. Besonders beeindruckend: Das leuchtende Blau, das uns aus der Tiefe entgegenleuchtet. Es erinnert ein wenig an diese Atemfrisch-Bonbons – die mit dem „Aaaaaahh“-Effekt.
Astrid fühlt sich sichtlich wohl am Eis, und findet immer wieder einen Panoramaweg, um sich ein wenig die Beine zu vertreten. Die Steigeisen an den Füßen gepaart mit dem Wissen, dass Martin weiß, wo man hier drauftreten darf, und um welche Flecken man besser einen großen Bogen macht, sind gut fürs Selbstvertrauen. So dauert es nicht lange, und unsere Gedanken kreisen um die Frage, wann wir denn nun – wo wir doch gerade die alpinistische Gesellenprüfung ablegen – gleich den nächstgelegenen Magischen Moment - also die Besteigung des Großglockners - in Angriff nehmen ...

Martin holt uns mit einem Vorschlag auf den Boden der Pasterze zurück:
 
Blick in die Tiefe der Eisspalte
© Martin Marktl / Blick in die Tiefe ...
„Wenn Ihr möchtet, könnte ich Euch mit einem Seil sichern und in eine Eisspalte abseilen – wer traut sich?“
Was heißt da, wer traut sich – was ist das überhaupt für eine Frage! Ich jedenfalls nicht. Zu meiner völligen Überraschung bin ich jedoch der einzige, der den Kopf so heftig beutelt wie ein von Obelix getätschelter römischer Legionär. Meine – ebenfalls nicht schwindelfreie Berg- und Talgefährtin - hat nämlich in dieser Sekunde beschlossen, ihrer Höhenangst den dicken Mittelfinger zu zeigen und sich zu einem der Gletscherbäche abseilen zu lassen, die da unter uns vorbeigurgeln.
Souverän über den Punkt X der Eisschollenkante
© Martin Marktl / Gleich gschafft ...
Kurz später steckt die erste Eisschraube im Boden. Astrid prüft den Halt ihres Klettergurtes. Die zweite Schraube versenkt sie bereits selbst. Drei fachmännische Knoten, deren Namen ich vergessen habe, verbinden Astrid mit den Bodenschrauben. Die Sache scheint wirklich sicher zu sein – die Sicherung bewegt sich um keinen Millimeter.

Astrid allerdings auch nicht. Inzwischen hat sie sich zur Kante unserer Eisscholle vorgewagt und scheint nach einem prüfenden Blick nach unten leise Zweifel zu bekommen. Aber Martin – sehr stolz auf seine gelehrige Schülerin – hilft ihr souverän über den sagenumwobenen „Punkt X“, also diesen absolut ungewohnten Sekundenbruchteil, wo dir dein Gleichgewichtsgefühl signalisiert, dass du nun nach hinten fällst. Geschafft!
Wenn man sich – wie ich - aus sicherer Entfernung anschaut, wie Martin an die Sache herangeht, dürfte meiner Meinung nach keine unmittelbare Lebensgefahr bestehen. Natürlich weiß der staatlich geprüfte Bergführer genau, was er tut, und so beruhigt sich auch Astrid’s Pulsschlag bald, als es einige Schritte weiter nach unten geht.

Für jemanden, der wie wir nur selten in die Verlegenheit kommt, sich eine Eiswand hinabseilen zu müssen, ist das eine extrem coole Angelegenheit. Durch die stete Arbeit des Gletschers stehen hier auf der Pasterze die unterschiedlichsten Spielplätze zur Auswahl. Sehr spekakulär und von unvergleichlicher Farbenintensität ist der Besuch einer Höhle, oder das Durchschreiten eines Eistunnels.
Am Retourweg zur Gletscherbahn haben wir noch die Möglichkeit, mit einigen Bergsteigern zu plaudern, die gerade von ihrer Glockner-Tour zurückkommen. Sie zeigen auf das Biwakschachtel, in dem sie die Nacht verbracht haben und skizzieren uns ihre Aufstiegslinie. Martin deutet unseren Gesichtsausdruck richtig: „Keine Sorge, wir würden den Berg von der anderen Seite bezwingen – man muss ja nicht gleich mit der Pallavicinirinne beginnen ...!

Die Heiligenbluter Bergführer bringen jeden Gast sicher zum Gipfel und wieder zurück!
Lammcarpaccio im Glocknerhaus
© Martin Marktl / Lammcarpaccio im Glocknerhaus

Einkehrtipp auf dem Heimweg

Am Weg von der Franz-Josefs-Höhe Richtung Heiligenblut kommt man am Glocknerhaus vorbei, dem ältesten Schutzhaus des österreichischen Alpenvereines. Martins Vater hat hier gleich nebenan seine Schafweide, und daher wollten wir die Gelegenheit nutzen, um – wie bereits gestern im Glocknerhof – eine weitere Zubereitungsart seines Glocknerlammes kennenzulernen.
Die Bergbauern des Oberen Mölltales bringen seit Jahrhunderten ihre Schafe auf die alpinen Weiden des Nationalparkes, da sich die Tiere in dieser Höhe besonders wohlfühlen. Nun, mit diesem Futter kann nicht mehr viel schiefgehen, zumal sich die Köche der Region in und um Heiligenblut zu wahren Meistern in der Zubereitung des zarten Lammfleisches entwickelt haben. Wie man auch am Lammcarpaccio sieht, für das ich mich nach dem Motto – wo kriege ich so etwas Seltenes sonst schon? - entschieden habe.

Bilder und Text: Martin Marktl / 6. Juni 2015

 

Magische Momente

Das Erlebnisprogramm „Magische Momente“ der Hohe Tauern – die Nationalpark-Region eröffnet eine unvergessliche Expeditionsreise in den Nationalpark Hohe Tauern, der größten Outdoor-Arena der Ostalpen und wird Gästen noch Jahre danach ein Lächeln auf die Lippen zaubern, wenn sie an den EINEN, unvergesslichen Augenblick denken.
Permafrostboden am unteren Ende des Pasterzengletschers
© Martin Marktl / Gletschersee am Pasterzengletscher
Im Bergsommer 2017, von Mitte Juni bis Mitte September, lassen sich in den Hohen Tauern – die Nationalpark-Region vier ausgewählte Magische Momente erleben, die die gesamte Vielfalt der Nationalpark-Region wieder spiegeln.

Einer davon ist das Gletschertrekking am Pasterzengletscher.

Informationen zu den Magischen Momente der Hohe Tauern – die Nationalpark-Region finden Sie auf magische-momente.nationalpark-hohetauern.at, wo die einzelnen Programme auch ganz einfach mittels Online Warenkorb gebucht werden können.

Hier geht es zum buchbaren Angebot

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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