Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Berglust auf der Südseite der Alpen Nationalparkregion Hohe Tauern

Gelassenheit lernen von Kühen und Treibern

Kühe mit aufwändig gestalteten Kopfschmuck

nock/art Bad Kleinkirchheim

Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim

Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim heißt: 50 Stück Kühe werden von Einheimischen zu Fuß von den Nockberge-Almen zurück ins Tal geführt. Begleitet von einem Tross interessierter Gäste. Ein Tag, den die Treiber mit viel Ausdauer, Geduld und Humor meistern. Und der den Gästen die enge Verbundenheit von Mensch und Tier vor Augen führt.

Fini schaut gemächlich malmend in die Runde, schon seit mehreren Minuten. Man sieht ihr ihre Verwunderung förmlich an. „Warum dieser Trubel?“ scheint sie sich zu fragen. Mit rund 50 anderen Kühen und –kälbern hat sie die vergangenen zwölf Wochen die Ruhe und Freiheit auf der Grundalm in den Nockbergen genossen.

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Die Kühe warten auf der Alm
© Johanna Wohlfahrt / Fini kennt sich nicht aus – wo kommen die vielen Leute her?
Mit Menschen hatte sie wenig zu tun während dieses schönen Almsommers. Außer dem Senn und zwischendurch ein paar Wanderern. Aber nun? Mit Sonnenaufgang kamen die ersten zwei Dutzend Leute, ausgerüstet mit Holzstecken und Hüten, auf denen Blumenbüscheln stecken. Sie führten Fini und ihre vierbeinigen Kolleginnen in Richtung Tal. Hier nun, beim Zwischenstopp vorm Gasthof Hinteregger in St. Oswald, haben sich rund 150 Zaungäste eingefunden. Sie scheinen auf etwas zu warten. Aber was?
Der Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim ist seit 19 Jahren ein Höhepunkt der Sommersaison. Immer am zweiten Samstag im September werden die Kühe und Kälber, die den Sommer auf der Alm verbringen durften, ins Tal getrieben. Als Gast kann man diese Jahrhunderte alte bäuerliche Tradition hautnah miterleben. Und ich, als jemand der zu den imposanten Kühen immer lieber einen Respektabstand hält, muss sagen: Hut ab vor den einheimischen „Treibern“, die hier Großartiges leisten. Vom früh Aufstehen und den weiten Wegen beim Zusammentreiben der Kuhherde auf der Alm einmal ganz zu schweigen.

KOPFSCHMUCK FÜR KÜHE

Allein das Aufkränzen der Tiere, das nach einer ausgiebigen Rast in St. Oswald öffentlich vonstatten geht, ist eine atemberaubende Prozedur. Einige Kühe werden für den Weg zurück ins Tal nämlich geschmückt, mit buntem Flechtwerk aus Immergrün, Blumen oder Preiselbeeren, meist mit Sinnsprüchen bestickt („Mir genügt, wie Gott es fügt“ oder „Gott schütze unser Vieh“). Auf Kuh Fini wartet sogar eine Dekoration, die nur sie tragen kann: „I bin die Fini und beim Unterwirt daham“, steht da in roten Kreuzstich-Lettern.
Aufwändig gestalteter Kopfschmuck steht für die Kühe bereit
© Johanna Wohlfahrt / Üppiger, aufwändig gestalteter Kopfschmuck steht für die Kühe bereit.
Diese - liebevoll von den Bäuerinnen gestalteten - Bindwerke werden den Tieren von geduldigen Bauern am Kopf der Kuh befestigt. Ganz nach dem Motto der Schweiß rinnt, der Schmäh rennt, beginnt die letzte Etappe des Almabtriebs, bei der die Kühe mit viel Ausdauer, Kraft aber auch Humor sicher nach Bad Kleinkirchheim gebracht werden.

 

RASSELBANDE ZUSAMMENHALTEN

In zwei Gruppen von etwa 25 Stück Rindern geht es nun talwärts. Das Geläut der Kuhglocken ist die musikalische Umrahmung dieser gemeinsamen Wanderung von Kühen, Treibern und einem langen Rattenschwanz von Gästen. Zirka eine Stunde geht es von St. Oswald bergab, entlang des idyllischen St.-Oswald-Bach-Wasserweges. Hie und da müssen wir einen ungeplanten Stopp einlegen, weil wieder eine Kuh ein Stück saftige Wiese links oder rechts des Weges entdeckt hat – und ihr naturgemäß gleich fünf, sechs weitere hinterhergaloppieren. Bis wieder alle zusammengetrieben sind, müssen die Treiber den einen oder anderen Sprint einlegen. Die passen nicht nur auf die Tiere, sondern auch auf unerfahrene Zweibeiner auf. „Bittschen lossts die Küah vorgehen, weil wenns steil wird, fongen die on laufen. Dos könnt g’fährlich werden“, war so ein freundlicher, aber bestimmter Warnhinweis.
„Bittschen lossts die Küah vorgehen, weil wenns steil wird, fongen die on laufen. Dos könnt g’fährlich werden“, war so ein freundlicher, aber bestimmter Warnhinweis.
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© Johanna Wohlfahrt / An sauberen Höfen und saftigen Wiesen vorbei führt der Weg ins Tal
Schließlich gelangt die ganze Meute unter einem großen Hallo und kurzfristigen Straßensperren im Ortszentrum an. Dann geht’s noch die letzten Meter Richtung Unterwirt. Hier freuen sich die Kühe bereits auf das saftige Gras. Die Treiber stehen zusammen, besprechen den Tag und stoßen mit einer Flasche Bier auf den gelungenen Almabtrieb an. Und die Gäste nehmen Platz an einem der Biertische und lassen sich’s bei zünftiger Musik und Hausmannskost gut gehen. Schön, wenn alpine Traditionen mit so viel Gemeinschaftssinn gelebt und gefeiert werden können!
Manche Wiesen werden für den Almabtrieb abgesperrt
© Johanna Wohlfahrt / Achtung, Almabtrieb. Manche Wiesen werden sicherheitshalber abgesperrt.
Manche Kühe lassen sich exklusiv von den Treibern führen
© Johanna Wohlfahrt / Auch manche Kühe sind Individualisten und lassen sich lieber exklusiv führen.

Traditioneller Almabtrieb in Bad Kleinkirchheim

Jedes Jahr am 2. Samstag im September. Der öffentliche Teil beginnt um ca. 11 Uhr beim Gasthof Hinteregger in St. Oswald (hinauf geht’s z.B. per Wanderbus ab Bad Kleinkirchheim).

Danach gemeinsamer Almabtrieb nach Bad Kleinkirchheim, Endpunkt ist beim Unterwirt, wo der gemeinsame Ausklang auf der Festwiese mit Musik, Speis und Trank stattfindet.
www.badkleinkirchheim.com
Bilder und Text: Johanna Wohlfahrt / September 2016

Autorenvorstellung: Johanna Wohlfahrt

Ich bin als freie Journalistin tätig ... weil ... mich das (Be)-Schreiben seit 20 Jahren nicht mehr loslässt. Meine Freizeit verbringe ich viel mit lesen, kochen, Sport und natürlich mit meinem knapp 8-jährigen Sohn.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich ihr Facettenreichtum und an schönen Tagen ihre Farbenpracht. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein Wanderweg mit freiem Blick auf einen Kärntner See. Davon gibt’s ja einige im Land. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kärntner Faustnudeln von meiner Mama ... weil ... eh klar: Geschmack der Kindheit.

 

Lieblingszitat: The best is yet to come.

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