Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Mit dem Esel über Stock und Stein

Esel beim grasen

In den Nockbergen

Eselwanderung durch die Nockberge

Vom mittelalterlichen Bamberger Amthof hinauf auf den Hausberg Pollenitz – gemeinsam mit einer bunt gemischten Wandergruppe und zwei Eseln. Zwei Eseldamen, um genau zu sein: Sissi und Eva. Eile hat hier keinen Platz. Das Tempo bestimmen Sissi und Eva, mit Ruhe und Gemütlichkeit.

Ausgangspunkt unserer Eselwanderung ist der Bamberger Amthof in Feldkirchen. Das mittelalterliche Gebäude, das sich auf einem kleinen Hügel über der Stadt erhebt, beeindruckt auf den ersten Blick mit seinen runden Ecktürmen und der verzierten Fassade. Hinter der Fassade hat das Kulturzentrum ein umfassendes Programm zu bieten. Doch wir verweilen erstmal nicht, die Esel warten schon auf uns. Bevor wir uns auf den Weg machen, gibt es zur Begrüßung und Einstimmung noch ein „Kärntner Stamperl“ für die großen und Süßigkeiten für die kleinen Wanderfreundinnen und -freunde.

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Pause für Esel beim Kachelbrunnen
© Emira Husidic / Die Eseldamen Sissi und Eva sind bereit für die Wanderung

Nicht alle Esel sind grau...

Nach einem kurzen Spaziergang erreichen wir den Wald am Fuße der Pollenitz, dem Feldkirchner Hausberg. Hier warten Hirte Othmar und Bürgermeister Martin mit einem grauen und einem - sehr seltenen - weißen Esel, Eva und Sissi.

Wie ich sogleich erfahre, gehören die zwei Esel dem Bürgermeister von Feldkirchen – zwei von insgesamt zehn, die er sein eigen nennt. Warum? Weil Esel wunderbare Tiere sind, so die Antwort.
Wir begrüßen einander, lernen Sissi und Eva kennen und spazieren in den Wald. Es ist ein heißer Tag und wir alle freuen uns auf den kühlen Schatten der Bäume. Sissi und Eva scheint die Hitze nichts auszumachen, sie sind mit den vielen Leckereien am Wegesrand beschäftigt. Duftende Gräser, üppige Sträucher, Kamille, Wiesenblumen – wo soll man bloß anfangen zu naschen? Am besten am Anfang, wie es scheint. Unbeirrt von unserem Vorhaben, knabbern sie sich den Weg entlang.
Wie war das nochmal mit der Sturheit und dem Esel?
An einer Lichtung machen wir kurz Halt und erfahren, dass genau hier vor nicht allzu langer Zeit reges Treiben herrschte – hier fanden die Österreichischen Meisterschaften im Skisprung statt. 1950 erbaut, befand sich hier bis 1998 die 50-Meter-Schanze „Kurrikala“. Heute ist nichts davon zu sehen. Der Hügel, an dem sich die Schanze befand, ist zugewachsen mit Bäumen und Gebüsch. Dort, wo sich der Auslauf der Schanze befand, ist jetzt eine dichtgewachsene, kniehohe Sommerwiese. Orte wie dieser haben eine ganz besondere Energie, etwas geradezu Magisches. 
 
Einst ein Anziehungspunkt für ganze Menschenmassen – heute hat sich die Natur ihren Platz zurückerobert. Der damalige Trubel lässt sich nicht einmal erahnen. Und irgendwie doch, wenn man für ein paar Augenblicke verweilt.
Urlauber genießen die Aussicht vom Kachelbrunnen
© Emira Husidic / Aussicht vom Kuchelbrunnen über Feldkirchen

Energie direkt aus der Quelle

Von hier geht es wieder in den Wald. Bis zum sagenumwobenen „Toniloch“ ist es ein kurzer, jedoch steiler Aufstieg. Ein Aufstieg, der sich lohnt. Denn der Anblick, der sich uns mit jedem Höhenmeter mehr und mehr bietet, lässt einen innehalten. Sissi und Eva sorgen indes dafür, dass sich niemand überanstrengt und legen immer wieder Pausen ein.

Gut so. Dank Sissi und Eva nehmen wir uns alle die Zeit, den Blick über die Felder unter uns und über die Berge in der Ferne schweifen zu lassen. Beim „Toniloch“, einer kleinen Höhle im Fels ein Stück weiter oben, machen wir einen kurzen Halt. 
 Gemütliches Plätzchen beim Toniloch
© Emira Husidic / Gemütliches Plätzchen beim Toniloch
Das „Toniloch“ soll durch einen geheimen Gang mit dem „Rottendorfer Kirchlein“, das sich auf der anderen Seite des Berges befindet, verbunden sein. Wer sich traut, kann gerne ausprobieren, wie weit man in die Höhle hineinkommt. Das erste Stück ist noch vom Tageslicht ausgeleuchtet, danach wird es dunkel und immer enger.

Für mich ist das eher nichts. Man weiß ja nie, was da kreucht und fleucht... Einer unserer jüngeren Wanderfreunde wagt sich hinein in die Höhle und tastet sich vor durch die Dunkelheit – bis er an einer Felswand steht. Mutiger Kerl, doch von dort geht es nicht weiter. Der geheime Gang bleibt geheim. Vorerst.
Nur ein paar Meter weiter befindet sich der „Kuchelbrunnen“, wo wir die erste Pause einlegen. Während wir uns nacheinander mit dem kalten, klaren Quellwasser erfrischen und unsere Wasserflaschen auffüllen, erzählt unser Wanderguide Stefan die Geschichte von der „Jungfrau mit dem Schleier“.

„Die Jungfrau mit dem Schleier“

Der Sage nach war sie eine wunderschöne, jedoch verwunschene Prinzessin, die hier an der Quelle jeden Morgen ihre langen Haare wusch. Verliebt in einen Jüngling, der sie allerdings verschmähte, wandte sie ihre geheimen Zauberkräfte an und verwandelte ihn in einen Stein.

Als ihr Vater, ein mächtiger König, dies erfuhr, war er derart erbost, dass er einen Fluch aussprach – sie müsse so lange hier ausharren, bis am Himmel drei Sterne mit rotem Licht erscheinen. 
Esel Sissi ist ein Österreichisch-Ungarischen Barockesel
© Emira Husidic / Eseldame Sissi gehört zur ganz seltenen Rasse der „Österreichisch-Ungarischen Barockesel“
Erst dann würde der Jüngling erlöst werden, was allerdings alles andere als ein Happy End verspricht. Denn wenn es soweit ist, dürfen sich die beiden einmal küssen und müssen anschließend beide sterben. Der „Pollenitz-Sage“ nach soll die Verwunschene heute noch in der Gegend wandeln und auf ihr Schicksal warten.

 

Jausenstation Buttazoni vulgo Kraut

Unser nächstes Ziel ist die Jausenstation Buttazoni vulgo Kraut. Der Gebrauch von sogenannten „Vulgonamen“ ist weit verbreitet, in Kärnten und weit darüber hinaus. Der Hof hat einen eigenen, mündlich überlieferten Namen, welcher nach wie vor unter den Anrainerinnen und Anrainern verwendet wird. Diese Namensgebung geht auf die Zeit zurück, als es noch keine Hausnummern gab und diente sozusagen als Orientierungshilfe.

Glundner Kas und „Kremplspeck“

Angekommen auf dem „Kraut-Hof“ nehmen wir Platz unter einer Weinlaube, plaudern, lachen und lassen uns von Familie Buttazoni mit einer echten „Kärntna Jausn“ und Apfelmost verköstigen. Alles, was auf den Tisch kommt, ist aus hauseigener Produktion – Brot, Butter, Speck, Salami, Jausenzwiebel und Glundner Kas, eine Kärntner Spezialität. Und natürlich der Apfelmost. Ich kann nicht widerstehen und koste mich ein wenig durch.
Selbstgemachtes Brot belegt mit Salami, Glundner Käse, Jausenzwiebel und „Kremplspeck“
© Emira Husidic / Selbstgemachtes Brot belegt mit Salami, Glundner Käse, Jausenzwiebel und „Kremplspeck“
Nebenbei lerne ich wieder ein für mich neues Kärntner Wort.

Speck, klein aufgeschnitten und zum Getränk gereicht - zum „Dazuanoschn“ - nennt man hier in der Region „Kremplspeck“.

„Krempl“ ist ein alter, nicht besonders schmeichelnder Mundart-Ausdruck für „Hand“ und da der klein geschnittene Speck einfach mit der Hand gegessen wird, heißt er eben „Kremplspeck“.
Die zwei jungen Mädchen, die von Anfang an in die zwei Esel vernarrt waren, verlieren in dieser entspannten Atmosphäre auch die allerletzten Berührungsängste. Sissi und Eva haben soeben zwei neue Freundinnen gefunden, die sie für den Rest des Weges führen werden. Die Frage, ob es die Esel denn zu kaufen gäbe, lässt somit nicht lange auf sich warten.

Kulinarische Highlights und ein bisschen Trennungsschmerz

Allmählich wird es Zeit, aufzubrechen. Wir sind erholt und gestärkt und was unsere zwei Esel betrifft – die kommen auch unterwegs wunderbar zurecht. Nach einem kurzen Spaziergang über eine Wiese sind wir wieder im Wald, wo bereits das nächste kulinarische Highlight wartet – Schwarzbeeren! So weit das Auge reicht! G'schmackig!

Und gleich hinter der nächsten Kurve – Himbeeren! Ganze Stauden! Noch einmal kurz der Versuchung nachgeben, doch dann geht es wirklich weiter. Talwärts.
Urlauberinnen mit Esel
© Emira Husidic / Die letzten Berührungsängste lösen sich in Luft auf und neue Freundschaften entstehen
Als wir den Wald hinter uns lassen, bietet sich uns noch einmal ein Panoramablick über die Stadt und auf die Nockberge. Hier verabschieden wir uns von Othmar, Martin, Sissi und Eva. Den letzten kurzen Abschnitt gehen wir ohne unsere tierischen Freunde. Es liegt fast ein bisschen Trennungsschmerz in der Luft, doch auch das macht eine Freundschaft aus, nicht wahr.

Wer weiß – vielleicht sehen Sissi und Eva ihre zwei neuen Freundinnen bereits bei der nächsten Wanderung wieder ...

 

Tourdaten

Wanderung: Jeden Dienstag (Juni, Juli, August)
Ausgangspunkt: Bamberger Amthof Feldkirchen
Startzeit / Dauer: 15 Uhr, ca. 4 Stunden (inkl. Pause)
Preis: Erwachsene und Kinder: € 15,–
Leistung: Geführte Wanderung für Kinder und Erwachsene, Kärntner Alpen-Adria-Kulinarik: Getränk und Jausenbrot bei der Jausenstation Buttazoni vlg. Kraut oder Gasthof Wadl Bei Interesse Blick in die Rottendorfer Kirche


Bilder und Text: Emira Husidic / 14. Juli 2016


Anmeldung / Buchung (einen Tag vorher bis 18 Uhr):

Touristikbüro der Stadt Feldkirchen in Kärnten
Amthofgasse 3
9560 Feldkirchen in Kärnten
+43 (0)4276 / 21 76
tourismus@feldkirchen.at

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