Geologische Entdeckertour auf dem Nassfeld

Nassfeld - Pressegger See | Lesachtal | Weissensee

Einmal Afrika und retour

Vor 300 Millionen Jahren wäre es im Geografie-Unterricht wohl ganz schön langweilig gewesen. Es gab nur einen einzigen, riesengroßen Kontinent, den man sich merken musste. Europa, Amerika, Afrika, Asien, Australien? Waren noch nicht erfunden. Oder besser gesagt: Sie alle waren Teil eines Superkontinentes, den wir heute Pangaea nennen. Es sollten noch einige Jahrmilliönchen verstreichen, bis sich die Erdteile verselbständigten, und endlich Leben in die Bude kommt.

Würde man die gesamte Geschichte der Erde auf einen einzigen Tag reduzieren, so müsste man erstmal bis neun Uhr abends warten, bevor sich aus den Einzellern, die vorher die Erde bevölkerten, das erste Wassertierchen entwickelte.

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© Martin Marktl / Karbon, Perm und Tethys haben den Gartnerkofel erbaut
Kurz vor 22 Uhr unternimmt dann eines dieser Urviecher den ersten Ausflug aufs Land. Etwa um halb Elf fliegen erstmals Insekten durch die Luft und können von oben zusehen, wie etwa eine halbe Stunde später die Dinosaurier damit beginnen, sich auf der Erde auszubreiten. 21 Minuten vor Mitternacht sterben diese auch schon wieder aus. Und wir Menschen? Wir betreten erst etwa eine Minute vor Mitternacht die Bühne dieser Welt.
Ich bin vermutlich nicht der einzige, der über die letzten 100 Jahre um einiges mehr weiß als über die 300 Millionen Jahre davor. Weshalb ich immer sehr beeindruckt bin, wenn mir jemand diesen enorm großen Zeitraum, in dem unsere Alpen entstanden, näherbringen kann.
 

Geopark Karnische Alpen

Georg ist so jemand, der das kann. Unser Natur Aktiv Guide für die heutige Zeitreise durch die Erdgeschichte war 1961 zum ersten Mal auf dem Nassfeld. Der Schulschikurs war es, der ihn damals in die Karnischen Berge führte. Das Essen für die Woche mussten die Kinder noch selbst mitbringen – denn Gastronomie, geschweige denn Hotels, gab es zu dieser Zeit noch keine. Seither studiert er diese, seine Heimat – mit geschichtlicher, geologischer, oder naturwissenschaftlicher Neugier. Oder er kommt - wie damals - einfach zum Schifahren.
© Martin Marktl / Der Nassfeldpass verbindet die Alpe-Adria-Region
Georg wird uns heute durch die wechselvolle Entstehungsgeschichte der Alpen führen, deren Spuren kaum irgendwo so gut einsehbar sind wie auf dem Kärntner Nassfeld. Berge, die sich "Kofel" nennen, erlauben nämlich immer einen freien Blick auf das Gestein. Uns kommt zugute, dass sich der Passübergang, der den Süden Kärntens mit der Region Friaul verbindet, inmitten der mächtigen Gebirgsstöcke von Gartnerkofel, Rosskofel und Trogkofel befindet.

Kontinentale Begegnung im Gailtal

Wir sind hier also direkt an der österreichisch-italienischen Staatsgrenze. "Doch diese Grenze entstand erst in den Kriegswirren der jüngeren Vergangenheit", holt Georg aus. "Weniger bekannt ist, dass bei uns im Gailtal auch zwei Kontinente zusammentreffen. Riesige Platten, die vom Urkontinent Pangaea weggebrochen waren, bewegten sich im Laufe der Jahrmillionen wieder aufeinander zu und verdrängten das Meer dazwischen. Gewaltige Kräfte schoben die afrikanische Platte unter die europäische, worauf sich Europa unter enormen Druck zusammenzufalten begann. Vereinfacht gesprochen, waren damit die Alpen geboren."
© Martin Marktl / Die Watschiger Alm - Start- und Endpunkt der Wanderung
Am Weg zur Watschiger Alm deutet Geog mit dem Stock auf den Weg.

"Seht Euch den Boden einmal genauer an. Hier liegen die Gesteinsschichten nicht übereinander, sondern sind beinahe senkrecht aufgerichtet. Hier tritt die Gebirgsfaltung also gut sichtbar zutage. Achtet auch auf die Bäume in den Berghängen. Viele Baumstämme wachsen unregelmäßig in die Höhe. Das ist ein Indiz dafür, dass der Hang auch heute noch ständig in Bewegung ist. Menschen, die hier wohnen, haben gelernt, auf die Zeichen der Natur zu achten. Wer sie sehenden Auges missachtet, darf sich später nicht über klemmende Türen oder Risse in der Hausmauer wundern!"
© Martin Marktl / Vertikale Steinschichten zeugen von der Kontinantalverschiebung
© Martin Marktl / Die Karnier, einst Meeresboden - Spuren einer bewegten Vergangenheit

Gartnerkofel – Blick ins Meer

Etwa zwei Autostunden vom Mittelmeer entfernt treffen wir oberhalb der Watschiger Alm auf die Spuren der Tethys. So hieß das Ur-Meer, welches von den jungen Kontinenten letztendlich vollends verdrängt wurde. Der Tethys verdanken wir die zahlreichen Fossilien und Einschlüsse, die sich heute auf das Gebiet des Nassfeldes verteilen. Auch das Konglomeratgestein ist ein Beweis für den Meeresboden, der sich einst über die Region erstreckte. Unzählige kleine Gesteinsbrocken wurden mit Quarz oder Kalk vermischt und unter hohem Druck verfestigt.
Im vormittäglichen Schatten erreichen wir den westlichen Wandfuß des Gartnerkofels. Hier bietet sich uns ein prächtiger Rundumblick in die umliegende Bergwelt. Die Aussicht reicht von den Hohen Tauern bis in den Triglav Nationalpark, dessen höchste Spitzen sich direkt vor unserer Nase befinden.
© Martin Marktl / Rundumblick am Gartnerkofel

Gailtaler Almkäse

Nach etwa drei Stunden Spurensuche beginnt sich der kleine Hunger zu regen. Wie gut, dass unsere Runde dort endet, wo sie ihren Ausgang genommen hat: Die Watschiger Alm ist eine der 13 Gailtaler Almen, die vor Ort den ursprungsgeschützten Gailtaler Almkäse erzeugt. Nach einem Blick in die Käserei, wo gerade mehrere Laibe auf den Reifeprozess vorbereitet werden, genehmigen wir uns eine frische Buttermilch mit Heidelbeeren – und natürlich eine Käseplatte.
„Mahlzeit!“
Bilder und Text: Martin Marktl / 04.08.2017
© In die Mangel genommen: Frischer Gailtaler Almkäse

Magischer Moment „Gailtaler Almkäse im Reich der Erdgeschichte“

Jeden Donnerstag bis einschließlich 5. Oktober führt Natur Aktiv Guide Georg Jost auf eine erdgeschichtliche Entdeckungsreise.

Hier geht's zu den Magischen Momenten

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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