Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Berglust auf der Südseite der Alpen Nationalparkregion Hohe Tauern

Gemeinsam wird der Fisch am Feuer gebraten

Bad Kleinkirchheim

Ab durch die Wildnis

Feuermachen ohne Feuerzeug oder Zündholzer. Einen Unterschlupf bauen, ausschließlich mit Materialien, die Wald und Natur bereitstellen. Sein Essen selbst fangen. Dabei stets auf das Zusammenspiel der Elemente achten und wieder lernen, den eigenen Urinstinkten zu vertrauen. Wer das alles ausprobieren möchte, sei willkommen in der „Wildnis der Nockberge“.

Zugegeben, ich war skeptisch. „Ein Tag in der Wildnis“ lautete das ausgeschriebene Programm, an welchem ich heute teilnehmen durfte. Doch so ganz wollte ich nicht verstehen: Wildnis? Mit diesem Begriff verband ich eher den Westen Kanadas oder die weitläufige, sibirische Steppe, anstatt den landschaftlich zwar einzigartigen, aber touristisch doch sehr gut erschlossenen Biosphärenpark Nockberge. Was sollte hier „wild“ sein? Doch meine Vorurteile lösten sich so schnell in Luft auf, wie die morgendlichen Nebelfelder, die langsam aber sicher den bevorstehenden Herbst in den Bergen ankündigten. Denn letztlich zählt nicht, wie weit man vom nächsten besiedelten Dorf entfernt ein Einsiedlerdasein fristet, nein. Vielmehr geht es darum, sich auf den Gedanken an sich vollends einzulassen, sich abseits ausgetretener Pfade auf leisen Sohlen zu bewegen, dabei den Blick für die kleinen, unscheinbar gewordenen Dinge wieder zu schärfen und sich selbst zu prüfen, was man von den Urinstinkten her überhaupt noch erspüren und erfühlen kann, wenn es heißt: Handy aus, Hüttenkomfort ade und ab durch die Wildnis.

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© Sabine Ertl / Verblühte Distelblumen eignen sich hervorragend als natürlicher Anzünder

Wundermittel Natur

Etwas unentschlossen stand ich also pünktlich um 10 Uhr beim morgendlichen Treffpunkt an der Talstation der Biosphärenparkbahn Brunnach in St. Oswald. Unsere illustre Runde für das bevorstehende Abenteuer hat sich schnell zusammengefunden: Neben mir nehmen noch Sarah von der örtlichen Tourismusorganisation sowie zwei deutsche Urlaubsgäste, Vater Martin mit Sohn Julius, an dem Programm teil. Elias ist unser Biosphärenparkranger für diesen Trip und gibt uns mit der ersten Aufgabe, nützliche und natürliche „Anzünder“ für unser späteres Feuer zu suchen, gleich zu verstehen, dass er dieses Vorhaben durchaus ernst meint. So stacksen wir Minuten später durch Almwiesen, um verblühte Disteln, trockene Birkenrinden und von der Sonne ausgedörrte Gräser einzusammeln, die die Basis für unser Lagerfeuer darstellen sollen.
Zwischendurch macht uns Elias immer wieder auf die kleinen Besonderheiten der Natur aufmerksam, an denen wir sonst, wohl ohne den Blick zu senken, einfach vorbeimarschiert wären:
„Den Samen von Brennnesseln kann man essen und zudem lässt sich aus den Stielen eine durchaus zugkräftige Schnur basteln.“
Aha, noch nie gehört. Die Neugierde in mir beginnt sich immer mehr zu regen und während wir barfuß kleinere Bäche queren, auf leisen Sohlen durch den Wald pirschen, der Fährte eines Fuchses folgen und mit einen Platz voll gelber Eierschwammerl belohnt werden, spüren wir es gleichermaßen, wie der Alltagsstress nach und nach verblasst und wir, am weichen Waldboden sitzend, anderen Dingen Raum gewähren: Dem Singen der Vögel, dem entfernten Knacksen im Dickicht, dem Rauschen der Wälder, deren Äste im Wind sanft hin und her tanzen.
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© Sabine Ertl / Die Samen der Brennessel kann man essen
Martin und Julius werfen den Köder als Erste aus
© Sabine Ertl / Martin und Julius werfen den Köder als Erste aus

Wo verstecken sich die Regenwürmer?

Keine Stunde später sind wir irgendwie mittendrin angekommen in der Wildnis: Sammeln Äste und Gräser für die perfekte Abdichtung eines entstehenden Unterschlupfes, vermeiden beim Gehen tunlichst jedes Geräusch, treiben Feuerholz auf und erreichen vollbepackt und grinsend am frühen Nachmittag das Tagesziel, einen malerisch gelegenen Fischteich mit Feuerstelle unterhalb des Falkerthauses.
Erschöpft aber glücklich lassen wir uns in die Wiese fallen, in der Hoffnung, den versprochenen Fisch alsbald verspeisen zu können. Doch weit gefehlt. „Wer Hunger hat, muss sich zuerst mit mir auf Ködersuche begeben“, grinst Elias und hält eine kleine Box in den Händen, die wir mit Regenwürmern füllen sollen. Damit der Fisch anbeißt.
So finden wir uns Minuten später mit einem Stock bewaffnet abermals am Waldboden, wo wir alte, vertrocknete Kuhfladen inspizieren und umdrehen, da diese die „Penthäuser“ für Regenwürmer darstellen. Mit einer vollen Schachtel kehren wir zum Lagerplatz zurück, wo schon die nächste Herausforderung wartet: Holzspieße schnitzen, auf denen wir später unseren Fisch über dem Feuer braten. Jeder sucht sich mit seinem Ast eine geeignete Stelle und für die nächste halbe Stunde kehrt Ruhe ein. Nur das stetige Schnalzen, wenn das Messer durch das Holz fährt, ist zu hören. Während wir in unserer Arbeit versunken sind, bereitet Elias alles vor, um das Lagerfeuer zu entfachen.
In der Wildnis wird alles selbst gemacht: Auch das Grillwerkzeug
© Sabine Ertl / In der Wildnis wird alles selbst gemacht: Auch das Grillwerkzeug
Gemeinsam mit Martin und Julius geht es ans Eingemachte, glühender Holzstaub soll mittels Feuerbohren erzeugt werden. Dieser kleine rauchende Haufen wird von Elias anschließend behutsam in die gesammelten Gräser gepackt und vorsichtig angepustet. Sekunden später flackert die erste Flamme hervor, das Lagerfeuer ist entfacht. Jetzt gilt es die glitschigen Würmer auf den Haken zu platzieren und samt Angelschnur im Teich auszuwerfen. Und siehe da: Die Fische beißen verlässlich an, es funktioniert. In kurzer Zeit fangen wir vier Saiblinge, allesamt prachtvolle Exemplare, nur meiner ist eher von der kleineren Sorte. Egal, die Freude ist trotzdem groß.

Einfach köstlich!

Gemeinsam mit köstlichen Kartoffeln, welche uns die Hüttenwirtin der nahegelegenen Falkerthütte bereitstellt, wird der selbst gefangene Fisch am selbst erzeugten Feuer zum wahren Festmahl. Als Serviette dient der grüne Wiesenboden, an eine Gabel denkt sowieso keiner mehr und während wir stolz und achtsam unser Mahl mit den Fingern verzehren, stellen wir fest, dass wir sie zumindest für einen Tag lang wiedergefunden haben: Die Urinstinkte.
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© Sabine Ertl / Selbst gefangen und gebraten: Mein erster Saibling
Beim anschließenden Weg zurück zum Auto hat keiner eine Eile. Vielmehr scheint es, als wolle jeder an diesen gewonnenen Augenblicken noch einen Moment länger festhalten. Nur der warme Regenschauer, der sich plötzlich über die Berge hinweg ausbreitet, lässt uns letztlich doch noch hurtig voranschreiten. Ein fast schon perfekter Abschluss für einen durchaus wilden Tag.
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© Sabine Ertl / Biosphärenparkranger Elias weiß, wie man in der Wildnis überlebt

Bilder und Texte: Sabine Ertl / 19.08.2019

Autorenvorstellung: Sabine Ertl

Ich bin selbstständig mit meiner Werbeagentur Gedankenschmiede ... weil ... ich meinen kreativen Gedanken gerne freien Lauf lasse. Mit Wandern, Laufen, Reiten, Bergsteigen, Reisen und neue Wege entdecken verbringe ich meine Freizeit.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die einzigartige Vielfalt verpackt in einer unvergleichbaren, bestechenden Schönheit. Das fasziniert mich an Kärnten am meisten: Der Süden spielt wirklich alle Stücke, man muss sich lediglich darauf einlassen. Ich für meinen Teil erlebe das jeden Tag aufs Neue – und das macht Kärnten für mich nun mal so einzigartig lebenswert.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: „Das geht nicht.“ Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s einfach gemacht.

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