Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Ein Ausflug in die Möllschlucht

Überquerung der Drahtseilbrücke

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Von hohen Bergen und tiefen Schluchten

Der heutige Ausflug bringt mich an den Fuß des höchsten Berges Österreichs, den Großglockner - um genau zu sein, nach Heiligenblut am Großglockner. Hier wartet der Möllschlucht-Klettersteig auf mich und meine heutige Begleitung Sonja, die einige Klettersteigerfahrung mitbringt. Schon auf der Autofahrt begrüßt uns ein beeindruckendes Bergpanorama

In Heiligenblut wollen wir uns mit Martin Glantschnig, einem Heiligenbluter Bergführer treffen. Seine Ankunft verzögert sich allerdings, da er noch mit der vorherigen Gruppe in der Schlucht unterwegs ist. Durchgeschwitzt, aber glücklich, trifft die Gruppe dann am Gasthof Sonnblick ein.

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Abwechslung macht das Leben süß

Eigentlich sind sie im deutschen Flachland zu Hause, in ihrem Urlaub suchen sie aber gerne neue Herausforderungen, erzählen sie uns. Eines der Paare hat sogar am Großglockner Berglauf (auf knapp 13 Kilometern werden 1.494 Höhenmeter zurückgelegt) teilgenommen.
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© Sabrina Schütt / Bergpanorama bei der Anfahrt nach Heiligenblut
Bei ihrem wohlverdienten Radler lauschen wir gebannt den Erfahrungen im Klettersteig. Nicht einfach soll es sein. Hin und wieder war die tatkräftige Unterstützung des begleitenden Bergführers Martin Glantschnig gefragt. Teilweise scheinen schwierige überhängende Passagen auf uns zu warten. An diesen Stellen, so erzählt Martin, könne es passieren, dass man mit einem normalen Klettersteigset schon mal Probleme bekommt, nach einem Sturz wieder einzusteigen. Daher werden wir später noch ein Set mit einem zusätzlichen dritten Karabiner bekommen.

 

Auf den Spuren von alpinen Urgesteinen

Nach diesen Berichten sind wir sehr gespannt was uns erwartet. Wir lassen die sichtlich zufriedene Gruppe zurück und begeben uns zum Einstieg des Klettersteigs. An Martins Auto bekommen wir noch unsere heutige Ausrüstung und erst mal einen Schreck. Im Kofferraum liegen Zylinder, Hanfseile und mit Eisen beschlagene Schuhe, die aus einem Bergsteigermuseum stammen könnten. Soll das die heutige Ausrüstung sein? Martin grinst und klärt uns auf. 

Erst am vorigen Abend sei er von einem Filmdreh am Großglockner zurückgekehrt. Mit dieser historischen Ausrüstung ging es für ihn und sein Team auf den Großglockner, um als Produktionsleiter zusammen mit "Streif"-Regisseur Gerald Salmina die Erstbesteigung des Glockners von 1800 zu verfilmen.
Überquerung der Drahtseilbrücke
© Sabrina Schütt / Drahtseilakt über die Möllschlucht

Balancieren statt spazieren

Nach den letzten Vorbereitungen starten wir in den zwischen C und D (Bewertung des Schwierigkeitsgrades bei Klettersteigen) bewerteten Klettersteig. Nach einem schmalen Weg hinab in die Schlucht stellen wir kurz unsere Kenntnisse zur Handhabung der Karabiner unter Beweis. Kurz darauf sehen wir schon die erste Prüfung vor uns auftauchen. Über eine Drahtseilbrücke geht es über das erste Wasserloch. 
Meine Begeisterung für Slacklinen, kommt mir hier recht gelegen und so balanciere ich auf die andere Seite. Auch Sonja schlägt sich gut, die erste schwierigere Stelle kann uns nicht aufhalten.
Als wir am zweiten Wasserloch ankommen, bereut Martin kein Handtuch dabei zu haben, sonst hätte er sich in das ca. 8° Grad kalte Wasser gestürzt.

 

„Da wird es richtig wild“

Bei der Gelegenheit erzählt er uns auch, dass wir heute den Steig von seiner zahmsten Seite kennenlernen. Erst nach Regenfällen zeigt die Schlucht ihre unbezähmbare Seite. Dann steht das Wasser so hoch, dass man sich zu großen Teilen durch eiskalte Fluten kämpfen muss.
 
Mit leuchtenden Augen kommentiert er: „Dann wird es richtig wild“. Nur aufpassen und informieren sollte man sich, ab wann der Steig nicht mehr zu passieren ist.
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© Sabrina Schütt / Erste C Stelle in der Mölltalschlucht
Aber auch zu Zeiten, wenn der Steig noch ohne Wasserkontakt begehbar ist, bilden die vielen Wasserfälle und das rauschende Wasser eine eindrucksvolle Kulisse (wie man hier bewundern kann) Die Kommunikation wird dann schwieriger und man ist mehr auf sich allein gestellt, erzählt Martin. 
 
Von tosendem Wasser und rauschenden Wasserfällen ist heute allerdings nichts zu sehen. Seicht plätschert das Wasser vor sich hin und gibt den Blick auf vereinzelte Fische und durch Wasser geformte Steinformationen frei. Über uns ragen die beeindruckenden Felswände in den Himmel. Wir erfahren, dass Martin die Schlucht schon lange kennt und er sich dort am häufigsten befindet, wenn sie mit dickem Eis überzogen ist und riesige Eisfälle die Wände zieren. Dann ist er hier mit Pickel und Steigeisen zum Eisklettern unterwegs. Vor fünf Jahren kam ihm dann die Idee, den Steig auch im Sommer für Besucher zu öffnen. So entstand der gut abgesicherte Steig und deshalb können wir die wunderschöne Schlucht heute hautnah erleben.
Kopfüber an der D Passage über der Möllschlucht
© Sabrina Schütt / Kopfüber an der D Passage über der Möllschlucht

Kraxelei am langen Arm

Kurz bevor wir zu der schwierigen Passage kommen, gibt es noch die Möglichkeit auszusteigen. Aber wir sind voll motiviert und mit einem letzten Tipp: die Arme lang zu lassen, starten wir los. Die Wand  hängt  leicht über und die Armmuskeln sind gefordert, um diese Stelle zu passieren. Meine absolvierten Klettermeter, machen sich zum Glück bezahlt und so kann ich die Stelle ohne Probleme überwinden. 
Auch Sonja hat großen Spaß an der Kraxelei und meistert die Stelle mit kurzen Ansagen. Stürzen möchte von uns trotzdem keiner. Zählt der Sturz im Klettersteig doch zu den härtesten im alpinen Bereich. Das Set bietet kaum Dehnung und anders als beim Seilklettern endet der Sturz sehr abrupt. Als nächstes geht es dann über zwei lange Seilbrücken. Beim Überqueren schwingen sie ordentlich hin und her und fordern einen wohlüberlegten nächsten Schritt.
Unten plätschert das Wasser und ich stelle mir vor, wie beeindruckend es sein muss, wenn sich an anderen Tagen ein rauschender Fluss seinen Weg bahnt. Zum Glück kann man sich gut festhalten und alle kommen sicher auf die andere Seite. Die letzte Passage fordert noch mal Kraft.
 
Nach 1 1/2 Stunden steigen wir wieder fröhlich aus der Schlucht heraus und wir werden mit einem Blick auf den Großglockner belohnt.  
Fast wie auf der Slackline - Nervekitzel über der Möllschlucht
© Sabrina Schütt / Fast wie auf der Slackline - Nervekitzel über der Möllschlucht

Fliegende Füchse

Zum Abschluss stärkenwir uns noch mit Kärntner Käsnudeln und Grillspieß beim Gasthof Sonnblick, einem ehemaligen Post-Erholungsheim. Erst jetzt entdecken wir nebenan den Hochseilgarten in den Bäumen. Dieser ist der ganze Stolz von Sonnblick Wirt Klaus, der einer der Hauptprotagonisten im vorhin erwähnten Erstbesteigungsfilm ist. Ihm verdanken wir dann auch den krönenden Abschluss unseres Ausflugs. Beim Flying Fox dürfen wir erleben, wie unser stets entspannter und schlagfertiger Bergführer Martin auch mal weiche Knie bekommt. 

Mit einem Sprung ins Leere saust man auf die rund 30 Meter entfernten Bäume zu und muss sich dann in einem Netz abfangen. Über ein letztes Drahtseil hinweg geht es zum nächsten Baum und dann saust man wieder zurück.
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© Sabrina Schütt / Zum Abschluss ein Adrenalinkick beim Flying Fox
Nach einem lustigen und spannendem Tag verabschieden wir uns mit Herzklopfen und einem Grinsen im Gesicht und fahren mit Blick auf die Berge wieder Richtung Heimat.

Die Möllschlucht ist ein wunderschöner Klettersteig mit schwierigeren Passagen, die mit etwas Klettererfahrung und entsprechender Fitness gut zu meistern sind. Für Ungeübte stellt sie vor allem kräftemäßig eine Herausforderung dar und sollten am Besten in Begleitung absolviert werden. Bei rauschendem Wasser in jedem Fall ein eindrucksvolles Erlebnis.
Termin Jeden Donnerstag von Mitte Juni bis Mitte September kann die mystische Möllschlucht in Begleitung eines staatlich geprüften Bergführers begangen werden.
Anmeldung Anmeldung bitte bis zum Vortag bei der Bergführervermittlung Heiligenblut am Großglockner unter +43 4824 2700-7 oder info@grossglockner-bergfuehrer.at.
Treffpunkt 10:30 Uhr beim Landgasthof Sonnblick
Dauer ca. 2 Stunden
Kosten € 65,00/Erw. und € 30,00/Kind (Jg. 2001-2005)
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© Sabrina Schütt
Fotos und Text: Sabrina Schütt / 21. Juli 2016
Autorin Sabrina Schütt

Autorenvorstellung: Sabrina Schütt

Ich bin Yogalehrerin und freie Redakteurin ... weil ... ich so meine Freiheit genießen kann. Mit Yoga kann ich Menschen einen Moment der Ruhe schenken und mit Worten meiner Freude am Schreiben nachgehen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs, entweder beim Klettern oder Wandern.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die faszinierende Schönheit und die immer noch wilden und unberührten Flecken, die es zu erkunden gibt. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kasnudeln.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: Wir werden umso authentischer je näher wir dem Traum kommen, den wir selbst von uns haben.

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