Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Berglust auf der Südseite der Alpen Nationalparkregion Hohe Tauern

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Drunter & Drüber - eine Themenwanderung

Gemeinsam mit Johann und unserer Bergwanderführerin Sylvia Granitzer tauchen wir heute in der Großfragant im National Park Hohe Tauern in eine Geschichte von „drunter und drüber“. In eine Welt von Gegensätzen, wilden Hunden, harter Arbeit im Kupferbergbau und auf der Alm sowie einer idyllischen Kulisse, die die schmerzlichen Ereignisse der Vergangenheit mit sattem Grün zu verhüllen versucht.

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Ein unvorstellbarer Kraftakt

Die ersten 4400 Meter legen wir über den alten Rollbahnweg zurück, der auch Teil der 5. Etappe des Alpe-Adria-Trails ist. Mit Hacken und Schaufeln bahnten sich Anfang des 20. Jahrhunderts die Bergknappen unter härtesten Bedingungen und Strapazen einen Weg durch das steile Gelände. Auf Schienen sollten tonnenweise Kupfer und Schwefel Richtung Tal geschafft werden. Dort wo sie mühsam hackten, gruben und schließlich die Schienen der Rollbahn verlegten, können wir heute ganz entspannt fast eben wandern und in das wohlige Grün der Landschaft eintauchen. Der Wald umschließt uns bald mit seinen Geräuschen, dem Vogelgezwitscher, dem Summen der Insekten und dem Rauschen der Bäume im leichten Wind. Hier und da gibt er den Blick frei auf die umliegenden Bergketten und hält erfrischendes Quellwasser für uns bereit. In diesem Idyll macht uns Sylvia immer wieder auf die Zeichen des Bergbaus aufmerksam. Die offensichtlichen, wie Stolleneingänge und Tunnel und die kleinen: eiserne Nägel im Felsen, hölzerne Bahnschwellen der Rollbahn im Boden und Quarzspuren im Gestein.

Drunten unter Tage

Der Bergbau in der Großfragant fand seinen Beginn schon viel früher als die Rollbahn, die eigentlich nur knappe 12 Jahre zum Einsatz kam. Bereits 1691 wurde das Kupferbergwerk in der Großfragant errichtet. Was als langweilige Fakten im Geschichtsunterricht gelten könnte, erwacht mit den Geschichten von Sylvia und den künstlerisch gestalteten Installationen entlang des Weges zum Leben. Vor einem der Stolleneingänge bleiben wir stehen. Eine glasklare Quelle plätschert fröhlich vor sich hin und es riecht angenehm nach erdigem Waldboden und süßen Blumen. Doch zu Bergbauzeiten lag hier der faulige Geruch von Schwefel in der Luft und die Bäche waren verdreckt. Zudem stellt Johann überrascht fest, dass ihm die Öffnung des Stollens gerade mal bis zum Knie reicht. Sylvia verstärkt den Eindruck: „Die Bergleute waren Nässe und Kälte erbarmungslos ausgesetzt und schufteten bis zu 12 Stunden täglich gebückt bei spärlichem Licht in den kilometerlangen Stollen“.
„Die Bergleute waren Nässe und Kälte erbarmungslos ausgesetzt und schufteten bis zu 12 Stunden täglich gebückt bei spärlichem Licht in den kilometerlangen Stollen“.
© Sabrina Schütt / Die wilden Hunde Sackzieher

Von wilden Hunden

Nicht nur der kräftezehrende Abbau verlangte den Männern alles ab. Um das Erz ohne Roll- und Seilbahn ins Tal zu befördern war großer Wagemut gefragt. „Im Winter, wenn der Schnee hoch genug lag, wurden Schlitten mit circa 300 Kilo Erzgestein beladen und über schroffe steile Wege hinab zur Puchertratte gefahren. Dort wurden die Säcke entleert und die Bergleute zogen wieder hinauf und wiederholten diesen Vorgang fünf bis sechs Mal mitten in der Nacht“ erzählt uns Sylvia und deutet dabei auf die gegenüberliegenden Hänge. Doch damit nicht genug. „Auf der Puchertratte wurden die Erzgesteine in lederne Säcke mit je 70 Kilo gefüllt. Zehn dieser Säcke wurden zusammengebunden. Obendrauf sitzend, nur mit einem Stab zum Steuern in der Hand, beförderten die „Sackzieher“ ihre Fracht über eine Art Rodelbahn ins Tal“. Ich erinnere mich an meine letzten Schlittenfahrten und welche Geschwindigkeit ich mit meinen nicht mal 70 Kilo erreichte. Kaum vorzustellen wie wild die Fahrt mit 700 Kilo sein muss.

Die Natur holt sich alles zurück

Doch heute ist von dieser Anstrengung nichts zu merken. Das leuchtende Grün der Farne, Schwarzbeersträucher, Gräser und Bäume umhüllt uns, während die Vögel in den Bäumen zwitschern und uns das stetige Rauschen des Großfragantbaches begleitet. Die Natur hat sich von den gewaltigen Eingriffen erholt und ihr Revier zurückerobert. Heute strahlt sie in ihrer ganzen Pracht. Hier und da werden die alten Mauern der Bergbauhütten überwuchert. Die unzähligen Flechten auf den Felsen und in den Bäumen dienen als Zeuge, dass hier die Luftqualität mittlerweile ausgezeichnet ist, erklärt uns Sylvia. Denn sie lieben gute Luft und stellen ihr Wachstum ein, sobald sie sich verschlechtert.

Drüber - ein „Fuadale Almheu“

Mit dem Ende des Rollbahnweges erreichen wir auch die Baumgrenze. Pink blühende Hänge breiten sich um uns aus - der Almrausch. Johann ist begeistert von der Schönheit dieses Strauches, doch auch der Almrausch erzählt noch eine andere Geschichte. Denn wo der Almrausch blüht und sich ausbreitet, gehen Almen und mit ihnen eine große Artenvielfalt verloren, erklärt uns Sylvia. Durch das Grasen der Kühe, Pferde, Schafe und Ziegen, werden kleine Sträucher abgebissen und die Ausbreitung von Sträuchern verhindert. So kann sich der Artenreichtum erst richtig ausbreiten Die beweideten Almflächen der Großfragant beheimaten daher unzählige nahrhafte Kräuter und Blumenarten die gelb, rosa, weiß und lila leuchten. Im Mölltaler Volksmund sagt man daher auch.: „A Fuadale Almheu is besser wia drei Fuadalen Landheu“. Übersetzt: Almheu ist sehr viel nahrhafter als Wiesenheu. Und somit sind wir mitten in der Geschichte vom „Drüber“- der Almwirtschaft angekommen.
© Sabrina Schütt / Arnika auf der Almwiese

Sennen & Heuziehen

Wir haben das Glück mit „Maridl“ auch gleich eine der letzten Sennerinnen in der Großfragant auf ihrer Eggerhütte zu treffen. Von ihr geht eine unerschütterliche Ruhe aus. Jeder Satz hat hier Zeit, während ihre starken Hände Zeugnis über die harte Arbeit ablegen. Seit über 200 Jahren wurde diese Alm in der Familie weitervererbt. Auch „Maridl“ betreibt das Handwerk ihrer Familie weiter. Verarbeitet in der Tradition der Sennerinnen Milch zu Käse und Butter, selcht Speck und Würste und verbringt den Sommer seit Kindestagen auf der Alm. Sie lässt uns teilhaben an ihren Erinnerungen an ihren Vater. Er ging noch bis Ende der 1960er Jahre im Winter zum waghalsigen „Heuziehen“ auf die Alm. Denn auch das „guade Fuadale“ musste erst hinunter ins Tal gebracht werden. Im Sommer wurde das Heu mit der Sense in den Teils sehr steilen Hängen auf den Almen geschnitten, getrocknet und anschließend in Heuhütten gelagert. Erst im Winter, wenn genügend Schnee lag, nahmen die Bauern den stundenlangen mühsamen Aufstieg auf sich, um Heu auf ihre Schlitten zu laden und die schneebedeckten Hänge hinunter ins Tal zu jagen. Und eine Jagd war es wirklich, denn wer als erster unten im Tal ankam, wurde als großer Held gefeiert.
Wir lassen uns heute ohne große Mühe die Jause schmecken und können uns von „Maridls“ Handwerkskunst selbst überzeugen. Die eigene Butter schmeckt frisch und sehr lecker. Kaum zu vergleichen mit unserer Supermarktbutter. Hinzu gesellen sich würziger Käse und Speck, der uns für den Abstieg stärkt. „Maridl“ verabschiedet sich von uns mit einem fruchtigen Schwarzbeerlikör, den sie natürlich auch selbst zubereitet hat und serviert ihn mit einem Augenzwinkern „Vitamine, weißt eh“. Über die grünen Hügel der Almen geht es bergab und wir sind ganz erfüllt von der Schönheit der Natur. Außerdem hat Johann noch sein allererstes Murmeltier zu Gesicht bekommen und dafür braucht man gar nicht so gute Augen, denn am Nachmittag lassen sie sich am Hang gegenüber der Eggerhütte die Sonne auf den Bauch scheinen.
© Simone Lenz / Bergab über die grünen Hügel der Almen

Letzte Mahnung

Auf dem Weg hinunter kommen wir an der renovierten Fraganter Hütte vorbei und bleiben für einen andächtigen Moment beim „Russengrab“ stehen. Diese letzte Ruhestätte erinnert uns noch einmal an den Bergbau und die Schattenseiten der Großfraganter Geschichte. Im ersten Weltkrieg arbeiteten 260 russische Kriegsgefangene im Bergbau in der Großfragant. Allein 40 Männer hatten die Aufgabe im schneereichen Winter die Rollbahn frei zu räumen. Vier der russischen Gefangenen kamen auf Grund der schlechten hygienischen Bedingungen, der mageren Versorgung, Kälte und Nässe und auch Lawinen ums Leben. Die Kreuze mahnen uns, die unvorstellbaren Strapazen der Bergleute nicht zu vergessen und auch die harte Arbeit der Bergbauern zu schätzen. Denn unser romantischer Eindruck vom Almidyll wurde durch Jahrhunderte harter Arbeit geschaffen und erhalten. Dank Sylvia und diesem spannenden Themenweg konnten wir tief in die Geschichte der Region eintauchen und unter das Offensichtliche schauen- „drunter & drüber“ eben. Es sei hier verraten, dass ich nur ein paar Details der spannenden Geschichte aufgegriffen habe, ein Ausflug in die Großfragant lohnt sich also.

Geführte Wanderung mit Sylvia Granitzer

Wann? bis Oktober - jeden Dienstag Start um 09:30Uhr Toursimusbüro Flattach oder 10:00Uhr Rollbahnparkplatz (Busshuttle kann optional gebucht werden)
Nähere Infos unter: sylvia-granitzer.at
Anreise: Flattach- Rollbahnparkplatz, teils Schotterstraße (sehr gut fahrbar)
Maut: 5.- EUR in Münzen
Länge: 12.15km
Höhenmeter: 335m
Höhe: 1800m
Initiatoren des Themenwegs: Werner Koroschitz (Almhirte & Autor) & Josef Pacher (Bergbauer)
Bilder und Texte: Sabrina Schütt / August 2021
Autorin Sabrina Schütt

Autorenvorstellung: Sabrina Schütt

Ich bin Yogalehrerin und freie Redakteurin ... weil ... ich so meine Freiheit genießen kann. Mit Yoga kann ich Menschen einen Moment der Ruhe schenken und mit Worten meiner Freude am Schreiben nachgehen. In meiner Freizeit bin ich gerne in den Bergen unterwegs, entweder beim Klettern oder Wandern.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich die faszinierende Schönheit und die immer noch wilden und unberührten Flecken, die es zu erkunden gibt. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kasnudeln.

 

Lieblingszitat: ... alle sagten: Wir werden umso authentischer je näher wir dem Traum kommen, den wir selbst von uns haben.

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