Sensopark Berg/Drau

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Dorfidyll für alle Sinne

Berg im Drautal ist der weltweit erste Sensopark: Eine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft voller Kostbarkeiten, die man auf ausgesuchten Wegen sehen, hören, fühlen und schmecken kann.

Die Erkenntnis dieses Ausfluges nach Berg im Drautal: Manchmal lohnt sich ein Umweg. Ein näheres Hinsehen. Sich Zeit nehmen. Und ein, zwei Schritte mehr zu gehen. Dann lassen sich wahre Schmuckstücke dieser Welt entdecken, an denen man bisher mit dem Fuß am Gas stur vorbeigerauscht ist.

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© Johanna Wohlfahrt / Auf fünf gut beschilderten Wegen lässt sich der Sensopark erwandern.

MITTENDRIN STATT NUR DABEI

So wie ich an Berg im Drautal. Jahrelang habe ich dieses Dorf je nach Fahrtrichtung auf der B 100 durch das Obere Drautal entweder rechts oder links liegen gelassen. Sträflicherweise. Nicht nur, dass der 1.300-Einwohner-Ort mit seiner Südhanglage, seiner Urigkeit und Sauberkeit schon allein als Wow-Fotomotiv einen Abstecher wert ist. Nein, dieses schmucke Dorf ist in einem Maß lebendig, das verblüfft. Seine Bewohner sprühen nur so vor Ideen und Tatendrang. Als Gast ist man eingeladen, das Dorf von innen heraus kennen zu lernen. Mittendrin statt nur dabei, sozusagen. Und die Klammer, die um die vielen innovativen Produzenten, umtriebigen Geister, schöne Landschaft und gepflegte Hübschheit gelegt wurde, heißt Sensopark.
Senso-meditative Wanderungen, also bewusste, mit allen Sinnen erfahrbare Spaziergänge um und durch den Ort, sind sozusagen das Entree ins Dorf-Erleben. Fünf Sensopark-Wanderungen sind sorgfältig ausgeschildert, sie dauern jeweils drei bis vier Stunden und reichen zum Teil bis in den Nachbarort Greifenburg.
© Johanna Wohlfahrt / Das „Liebesbankerl“ auf einer Blumenwiese hinterm Glocknerhof. Romantisch!

MIKROKLIMA DANK WARMER WINDE

Mich nimmt heute Wanderführerin Jutta Jester mit auf eine Genusstour durch Berg. Wir treffen uns vorm Glocknerhof, einem Leitbetrieb im Ort, wo das Konzept des Sensoparks erdacht wurde. „Als Erstes möchte ich dir ein besonders schönes Platzerl zeigen“, meint Jutta. Wir spazieren einen Wanderweg den Wiesenhang entlang und kommen bald am „Liebesbankerl“ an. Leicht erhöht auf einem kleinen Hügel steht da ein kuscheliges, gepolstertes Sitzmöbel. Genug Platz für zwei. Und die Chance, das Auge einmal in aller Ruhe über die weite Berg- und Tallandschaft des Oberen Drautals gleiten zu lassen, auf die die Morgensonne sanfte Farben pinselt. So viel zum Schauen. Und so viel Ruhe!
© Johanna Wohlfahrt / Viel zum Schauen: Das Wechselspiel aus Farben und Landschaftsformen im Oberen Drautal.
„Siehst du diesen Taleinschnitt da hinten“
fragt Jutta. Gegenüber, zwischen Reiskofel und Jauken, liegt die Ochsenschlucht. Und die ist maßgeblich beteiligt an den Besonderheiten dieses Dörfchens.
„Da weht der warme Wind vom Süden herauf und beschert Berg ein außergewöhnlich mildes Mikroklima. Deshalb wachsen im Ort, immerhin auf fast 700 Meter Seehöhe, Edelkastanien. Und sogar Wein!“
Die Berger wissen diese Fleißaufgabe der Natur zu schätzen. Zum einen werden jedes Jahr kleine Edelkastanienbäume im Ort gepflanzt, teils mit Patenschaften. Dorfbewohner Alfons Pirker verarbeitet das Holz ausgewachsener Kastanienbäume zu gediegenen Möbeln wie Tischen oder – kein Scherz – Holzbadewannen! Und jedes Jahr wird ein Keschtn-Fest gefeiert. Heuer, 2017, am 14. Oktober.
© Johanna Wohlfahrt / Juniorchefin Nadja Niedermüller mit einer Flasche „Hupfa“. Im Weingarten wachsen vor allem Trauben für Weißweine.

DIE ERSTE WEIN-BUSCHENSCHANK OBERKÄRNTENS

Dann wäre da noch der Weinberg etwas oberhalb des Ortes, zu dem wir freilich hinwandern. Die Familie Niedermüller hatte vor sieben Jahren die Courage, hier Reben zu pflanzen. „Nach drei Ernten sahen wir: Langsam wird’s zu viel zum selber Trinken“, erzählt Junior-Chefin Nadja Niedermüller. Also wurde aus dem Hupfa-Wein – so der Haus- und Markenname -  seit heuer eine Hupfa-Wein-Buschenschank, idyllisch gelegen mitten im größer werdenden Weinberg. Womit auch die erste Weinbuschenschank Oberkärntens auf der Welt war – inmitten einer alpinen Region, wo Weinbau seit jeher als unmöglich galt. Wär hätte das noch vor ein paar Jahren gedacht!?

KOSTBARES AUS DEM DORF

Wir brechen wieder auf. Über Fußwege durch Wiesen und Waldsteige, die nur eine Einheimische wie Jutta kennen und finden kann. Am Berger Bach waten wir bloßfüßig durchs kühle Nass und genießen das Rauschen des Wassers. Bald erreichen wir wieder das Dorfzentrum. Und damit die „Kostbar“ am Platz unter dem großen Kastanienbaum. Hier darf ich die hausgemachten Spezialitäten von Martina Pleschberger vulgo Blasibauer verkosten. Und zwar ganz Sensopark-gerecht, nämlich blind.
© Johanna Wohlfahrt / Außergewöhnliche Sirupe vom Blasibauer: Ein Geheimtipp für alle, die unverfälschten Geschmack schätzen.
„Das ist eine Art Honig. Aber was ist noch dabei?“
fragt Jutta und gibt mir einen Löffel des bernsteinfarbenen Sirups. Hmm, das kenn’ ich. Aber was genau ist es? „Salbeisirup“ steht am Etikette, als Jutta es mir schließlich zeigt. So kosten wir uns weiter, durch Sirupe aus Lavendel, Maiwipfel und sogar Brennnessel! Wer auf den Geschmack gekommen ist, kann sie beim Blasibauer direkt kaufen. Oder bei Adeg Pirker im Dorf, dort gibt es eine extra Nische mit Sensopark-Produkten. Sogar Camembert und Gourmet-Aufstriche werden auf den Höfen hier in Berg hergestellt.
Nach drei Stunden auf versteckten Wegen durch und rund um Berg bin ich müde und energiegeladen zugleich. Die vielen spannenden Einblicke und netten Plaudereien erzeugen ein Gefühl von Heimat.
Und trotzdem bleibt die Ahnung:

Da gibt’s noch viel mehr zu entdecken.
Der Sensopark Berg ist groß. Man muss sich ihm nur öffnen.
Sensoparkwanderungen mit Bergwanderführerin Jutta Jester
Immer donnerstags, 9 bis 12.30 Uhr
Treffpunkt Kneippanlage Glocknerhof
Anmelden: Tel. (0 47 12) 721

Infos: www.bergimdrautal.at
Bilder und Texte: Johanna Wohlfahrt / 22.08.2017

Autorenvorstellung: Johanna Wohlfahrt

Ich bin als freie Journalistin tätig ... weil ... mich das (Be)-Schreiben seit 20 Jahren nicht mehr loslässt. Meine Freizeit verbringe ich viel mit lesen, kochen, Sport und natürlich mit meinem knapp 8-jährigen Sohn.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich ihr Facettenreichtum und an schönen Tagen ihre Farbenpracht. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein Wanderweg mit freiem Blick auf einen Kärntner See. Davon gibt’s ja einige im Land. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kärntner Faustnudeln von meiner Mama ... weil ... eh klar: Geschmack der Kindheit.

 

Lieblingszitat: The best is yet to come.

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