Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

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Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Berglust auf der Südseite der Alpen Nationalparkregion Hohe Tauern

Die stürmische Tiebelquelle

In den Nockbergen

Die stürmischen Tiebelquellen

Wie das hart verdiente Brot vergangener Tage mit dem würzigen Brot einer Obergurktaler Speckjause („Brotzeit“) zusammenhängt - und was das Liebesleben einer Eintagsfliege damit zu tun hat.

Christa macht einen Schritt nach vorne. Breitbeinig steht sie nun auf den Bachsteinen. Glasklares Bergwasser, das nur wenige Meter weiter oben aus dem Gestein hervorquellt, fließt über ihre Stiefel. Ich stehe einige Meter weiter unten, auf der kleinsten Brücke Mittelkärntens, und warte gespannt, was Christa da wohl im Schilde führt. Prüfend streift ihr Blick über das Flussbett. „Hmm, dieser hier vielleicht ...“, murmelt sie. Dann holt sie einen von den tausend Steinen aus dem Bachbett, und mustert ihn von allen Seiten.

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Christa auf ihrer Insel
© Martin Marktl / Christa auf Ihrer Insel
„Ha! Komm einmal her, Martin!“, beordert sie mich von der Brücke runter und hinein in die Fluten. Sie hält mir den moosig-nassen Stein entgegen und zeigt auf ein Krabbeltier, das gerade überhaupt nicht weiß, wie ihm geschieht und wild von einem Ende des Steines zum anderen wieselt.

„Weißt Du, was das ist?“.
Ich weiß es nicht.
Christa scheint das schon vermutet zu haben, und fährt fort:
Das ist eine Eintagsfliege. Sie verbringt beinahe ihr ganzes Leben als Larve unter einem Stein, lässt sich Wasser durch die Kiemen fließen und hat sonst nicht viel zu tun. Am Ende ihres Lebens kriecht sie ans Ufer, häutet sich, macht ihren Hochzeitsflug, und paart sich. Nachdem auch das erledigt ist, beschließt sie ein bis drei Tage später ihr friedliches, sorgenfreies Leben.“
Oha. Meine vorgefasste Meinung über den Sinn des Lebens einer Eintagsfliege hat sich hier an den Quellen der Tiebel gerade um 180 Grad gedreht. Sollte ich jemals zum Buddhismus konvertieren und dereinst als Tier wiedergeboren werden, wäre ich lieber eine Eintagsfliege als beispielsweise eine dieser grünlich schimmernden Misthaufenfliegen. Christa holt mich aber einige Meter weiter wieder aus dem Fliegen-Nirwana zurück:
„Schau mal, das hier ist der Bergholunder, auch Roter Holunder genannt. Er hilft bei Erkältungen, deshalb habe ich ihn auch immer verwendet, wenn meine Kinder eine Erkältung mit nach Hause brachten. Ein paar Tage später war wieder alles gut.“
Christa hat seit diesem einen ganz besonderen Tag vor 30 Jahren, an dem sie ihren späteren Ehemann hier kennenlernte, ein Liebesverhältnis zur Tiebel und dieser idyllischen Gegend in den südlichen Ausläufern der Nockberge. Seit damals lebt sie bereits hier. Ihr Schwiegervater betrieb eine der letzten wasserbetriebenen Venezianersägen. Denn hier an der Tiebel reihten sich noch vor einem Jahrhundert dutzende Mühlen und Sägen aneinander.

Inzwischen ist es Christas Herz, das nun im Takt der jahrhundertealten Säge schlägt. Himmelberg war früher „weltberühmt in Österreich“ - man erzeugte schmiedeeiserne Produkte, die auch außerhalb des Landes sehr gefragt waren. Von Portugal bis in die Türkei kamen die Sensen zum Einsatz, die rund um Christas Haus gedengelt wurden. Ihr Sohn Andreas, der gerade noch neben dem Sägeblatt stand, war in der Zwischenzeit verschwunden.
Schnitt durch die Jahrhunderte
© Martin Marktl / Schnitt durch die Jahrhunderte
Plötzlich begann es zu rattern: Andreas hat die „Ursch“ - das ist die lange hölzerne Wasserleitung – auf das große Rad unter der Säge gelenkt. Der Baumstamm, der extra für mich eingespannt wurde, wird nun bretterweise filetiert – genau so, wie man das die letzten x-hundert Jahre auch gemacht hat. Ich fühle mich ins 18. Jahrhundert zurückversetzt und sehe Bauern mit ihren Fuhrwerken um die Ecke biegen, schwer beladen mit Baumstämmen, die hier dem „Lohnschnitt“ zugeführt wurden.
 
Christa zeigt auf das Nebengebäude – ein hölzernes, quadratisches, Häuschen auf Stelzen. „Das hier ist unsere Getreidemühle“, erläuterte sie und kramte den Schlüssel hervor. Kurze Zeit später ratterte auch hier das ganze Haus: Weizenkörner fanden ihren Weg durch den Einwurfschacht auf die Mühlsteine, und ein Stockwerk tiefer füllte sich ein Sack. „Hier unten können wir Siebe einspannen – feine Gitter liefern „glattes“ Mehl, die etwas gröberen lassen „griffiges“ Mehl durch. In anderen Worten: Griffiges Mehl enthält größere Partikel als Glattes – Brotteig quellt mit griffigem Mehl besser, für feine Mehlspeisen nimmt man jedoch das feine, also glatte Mehl.“
Speckjause mitten im Grünen
© Martin Marktl / Speckjause mitten im Grünen
Drei Stunden sind wir nun bereits unterwegs – haben Quellen erforscht, Fliegenlarven gekitzelt, essbare Wildkräuter gefunden, Getreide gemahlen und Bretter geschnitten.

Obwohl Christa bei den Quellen der Tiebel eine Kärntner Jause aus dem mitgebrachten Picknickkorb zauberte, sägt und mahlt schon wieder der kleine Hunger in mir.
Nachdem die beliebte Forellenstation ober der Tiebel heute ihren verdienten Pausentag hat, beschließen Christa und ich, einem Landgasthaus unsere Aufwartung zu machen, welches etwas oberhalb der Tiebelquellen zu finden ist. Hier, wo sich der (oberirdische) Gurkfluss vom (unterirdischen) Tiebelbach verabschiedet, hat Fritz Seebacher sein überirdisches Ausflugslokal.

Trotz der „Haube“, die sich der Fritz erkocht hat, dürfen wir hier mit unseren Wanderklamotten im rustikalen Gastzimmer Platz nehmen und unsere Tour ausklingen lassen.

Und so nahm ein weiterer harter, entbehrungsreicher Journalisten-Arbeitstag bei einer hausgemachten Suppe und Zwiebelrostbraten sein Ende.

 
Bilder und Text: Martin Marktl / 05. Mai 2015

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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