Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Die Berge, meine Frau und ich

Wanderin überquert Wiese mit traumhaften Ausblick auf die Berge

 Nassfeld - Pressegger See | Lesachtal | Weissensee

Die Berge, meine Frau und ich

Eine kurze Auszeit in den Bergen vom Alltag ist für meine Frau und mich eine lieb gewonnene Tradition geworden. Mindestens für eine Nacht zieht es uns jährlich hinauf, und dieses Abenteuer beginnt meistens bereits beim Packen des Rucksacks. Denn während meiner mit allem gefüllt wird, was man für eine Expedition braucht (ich bin einfach zu faul zum genauen Planen), kommen in das kleine „Jausensackerl“ meiner Frau lediglich Reservekleidung, Sonnencreme und eine Wanderkarte.

Dieses Mal haben wir uns den Karnischen Höhenweg ausgesucht, der für uns kein unbekanntes Terrain ist, geht es doch in unsere Hausberge. 150 Kilometer weit führt der KHW 403 von Sillian in Osttirol nach Arnoldstein, direkt an der Grenzlinie zwischen Österreich und Italien. Ein wunderschöner Flecken Erde und gerade deshalb kennen wir die Schutzhütten am Wolayer See und Obstanser See ebenso gut, wie die Porzehütte oder das Hochweißsteinhaus von Hüttenwirtin Ingeborg Guggenberger, die wir auch regelmäßig gerne besuchen.

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Wegmarkierungen zeigen den richtigen Weg
© Hannes Wallner / Von Sillian in Osttirol nach Arnoldstein, direkt an der Grenzlinie zwischen Österreich und Italien.
Doch dieses Mal wollen wir nicht hochalpin hinaus, sondern wollen östlich des Plöckenpasses in zwei Tagen auf das Nassfeld wandern. Doch nicht nur das Rucksackpacken, sondern auch der Start selbst gestaltet sich als schwierig. Denn beim morgendlichen Blick aus dem Badezimmerfenster erwartet uns nicht das versprochene Spätsommerwetter, sondern eine trübe Nebelsuppe.

Trotzdem starten wir voll motiviert bei der Unteren Valentinalm, wo uns das Wirtepaar Johanna und Markus Lamprecht eine köstliche Kärntner Bretteljause auftischt, denn frisch gestärkt geht es sich bekanntlich leichter.
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© Hannes Wallner / Raus aus dem Wolkenmeer.
Zu Fuß geht es weiter in Richtung Plöckenpass, und schon kurz darauf irren wir im Nebel durch den Wald.  Denn trotz perfekter Markierungen - man sollte halt nur darauf achten - sind wir schon recht schnell abseits des Wanderweges. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht bietet mir meine Frau ihre Wanderkarte an, was natürlich von mir ausgeschlagen wird. Stattdessen geht es lieber querfeldein geradewegs nach oben. Und mein Plan geht auf, denn schon nach knapp einer Stunde haben wir die Obere Spielboden Alm unterhalb des 2332 Meter hohen Poliniks erreicht. Die Alm ist wunderschön gepflegt und die Sonne lacht uns entgegen, denn das dichte Nebelmeer ist durchschritten.

Der Aufstieg hat sich gelohnt

Die Aussicht ins Gailtal ist ebenso einzigartig, wie der Blick Richtung Italien. Es ist kaum vorstellbar, dass sich hier Italiener und Kärntner vor 100 Jahren einen erbitterten Gebirgskrieg geliefert haben. Noch heute zeugen zahlreiche Steiganlagen, weitverzweigte Schützengräben und Überreste alter Stellungen, Bunkern und Felskavernen sowie Soldatenfriedhöhfe an die schreckliche Zeit zwischen 1915 und 1918. Tausende Männer mussten auf beiden Seiten der Karnischen Alpen in Höhen bis 2700 Metern ausharren und all zu viele verloren dabei ihr oft noch sehr junges Leben.  Nicht umsonst wird der KHW heute auch Friedensweg genannt. Nach einem kurzen Abstieg führt uns der Karnische Höhenweg durch den Kronhofgraben in Richtung Obere Bischofalm.
Das Gailtal zu Füßen
© Hannes Wallner / Das Gailtal zu Füßen.
Nach vier Stunden Gehzeit plädiert meine Frau für eine erste Pause. Der Wunsch wird ihr natürlich erfüllt. Doch erst beim nächsten Bach. Und so vergehen nochmals 20 Minuten, bis wir endlich ein kleines Bergbächlein erreichen, wo wir unseren Durst löschen. Das Wasser schmeckt frisch und klar. Der von meiner Frau eingepackte Müsliriegel ist ratzeputz aufgegessen. Mit neuer Energie und gestärkt wandern wir weiter. Der Weg im dicht verwachsenen Kronhofgraben wurde vom Alpenverein Sektion Obergailtal Lesachtal perfekt ausgeschnitten. Tolle Arbeit Jungs.
Zur Belohnung wartet ein leckerer Kaiserschmarrn
© Hannes Wallner / Einkehr in der Zollnersee Hütte.

Kulinarisches Verwöhnprogramm

Nach sechs Stunden Gehzeit erreichen wir glücklich die Zollnersee Hütte, wo wir von den Gastgebern freundlich empfangen werden. Kaum aus den Bergschuhen geschält, wird schon das verfrühte Abendessen bestellt. Für mich ein Speckpfandl und für meine Frau eine große Portion Kaiserschmarren mit Apfelmus, die sie natürlich mit mir teilen muss.
Im 30 Minuten Takt treffen weitere Wanderer aus aller Herren Länder auf der Schutzhütte ein, die vom Alpenverein erst kürzlich modernisiert wurde - inklusive gemütlicher Zimmer mit Stockbetten. Fernab des Stadtlärms schläft es sich hier oben einfach besser.
 
Und obwohl die Nacht sehr kurz ist, da sich noch viele nette Gespräche mit anderen Herbergsuchenden ergeben haben, sind wir beide schon vor 6 Uhr früh wieder auf den Beinen. Hüttenwirtin Hannelore Pedarnig kredenzt uns trotzdem einen Morgenkaffee auf. Mit einem Lunchpaket im Rucksack geht es weiter, denn unser heutiges Tagesziel ist das 20 Kilometer entfernte Nassfeld.
Der frühe Start zahlt sich aus, denn beim Blick zurück berühren die ersten Sonnenstrahlen den Gipfelaufbau des 2199 Meter hohen „Hoher Trieb“ und spiegeln ihn im Zollnersee, einem Überbleibsel aus der letzten Eiszeit, wieder.  Schlafende Kühe säumen anfangs unseren Weg, und einen weiteren Tag folgen wir nun den rot-weiß-roten Markierungen. Vorbei am Findenigkofel, einem Hotspot für Geologen, denn die Karnischen Alpen sind weltweit berühmt für ihren einzigartigen und vielfältigen geologischen Aufbau, weshalb es auch Bestrebungen gibt, diese zum ersten Weltnaturerbe Österreichs zu ernennen.
Unterwegs zeigen rot-weiß-rote Markierungen den richtigen Weg
© Hannes Wallner / Wir folgen den rot-weiß-roten Markierungen.
Seit gefühlten Stunden fordert meine Frau bereits wieder eine Pause. Doch ich will weiter, denn in der Ferne sind schon die markanten Felsformationen des Trogkofels zu erkennen. Doch zuvor müssen wir noch beim Hochwipfel und einigen Almen vorbei, wo der köstliche EU-geschützte Gailtaler Almkäse produziert wird. Zum Verkosten bleibt jedoch keine Zeit, denn das Ziel scheint zum Greifen nahe zu sein, und immer wieder vertröste ich meine Frau, dass sie auf der Tressdorfer Alm auf dem Nassfeld noch genug Zeit zum Schmausen haben wird. Langsam macht sich jedoch das Tempo bemerkbar, die Füße beginnen zu brennen. Vielleicht wäre eine kleine Pause doch keine schlechte Idee.
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© Hannes Wallner
Nach sechs Stunden und 30 Minuten vor dem Ziel unserer Tagesetappe machen wir am Rudnigsattel Halt. Vor uns liegt das Nassfeld, eingebettet zwischen Gartner-, Trog- und Rosskofel. Wo im Winter Pistenflitzer talwärts brettern, tummeln sich jetzt im Spätsommer Wanderer und Familien mit Kindern in den Bergen. Und da wir ja auch wieder runter ins Tal müssen, werden noch einmal alle Reserven aktiviert, und wir wandern auf die andere Seite des Nassfeldes – zum Millennium Express.
Zurück ins Tal geht es mit der Bergbahn
© Hannes Wallner / Ziel erreicht. Mit der Bergbahn geht's zurück ins Tal.
Bei herrlichstem Wetter, überglücklich über die gemeinsam geschaffte Tour, lösen wir das Ticket für die Talfahrt nach Tröpolach und nutzen das tolle Wetter auch zu einem Sprung ins belebende Nass des nahen Pressegger Sees.
 
Und trotz zwischenzeitlich unterschiedlicher Auffassung, wann nun die perfekte Zeit für eine Pause wäre, sind wir uns einig, uns sobald als möglich wieder eine Auszeit in den Bergen zu gönnen.
 
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Bilder und Text: Hannes Wallner / 25. & 26. August 2015

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