Fliegenfischen

Hohe Tauern – die Nationalpark-Region in Kärnten

Das Glück am Haken

Im Herbst lockt der Nationalpark Hohe Tauern mit Naturerlebnissen im goldenen Sonnenschein. Eines davon ist das Fliegenfischen in der Möll. Ein auf Fischer spezialisierter Wirt aus Stall/Mölltal führt auch Anfänger in die Kunst dieser Angeltechnik ein. Magische Momente garantiert!

Es ist ein wilder Landstrich, dieses Mölltal. Herunten taucht die Herbstsonne die Weiden in leuchtendes Hellgrün. Daneben rauscht die Möll durch den Talkessel, der gespickt ist mit hübschen, gediegenen Dörfern. Links und rechts des Tals erheben sich majestätische 3.000er, die sich an diesem Septembertag schon ein wenig angezuckert präsentieren.

Weiterlesen
© Johanna Wohlfahrt / Die frisch beschneiten Tauerngipfel lächeln herunter bis ins Tal. Der Nationalpark Hohe Tauern ist ein Dorado für Wanderer und Bergsteiger

NATURERLEBNISSE ZWISCHEN BERGEN UND WASSER

Hier, mitten im Nationalpark Hohe Tauern, sind hohe Berge und ungestüme Wasser die prägenden Faktoren. Man kann sie auf viele Arten erleben. Hochgebirgswanderer genießen die unberührten Steige von einer Schutzhütte zur anderen. Alpe-Adria-Trail-Geher können das ganze Mölltal durchkämmen. Viele Schluchten wurden für Besucher geöffnet, beim Rafting kann die Möll sprichwörtlich erfahren werden. Oder aber, man will noch näher heran und sucht das Abenteuer direkt im Wasser. Auch das ist möglich. Beim Fliegenfischen!

FLIEGENFISCHEN: EINE EIGENE WISSENSCHAFT

Schnitt. Gerhard Liebhart und meine Wenigkeit stehen auf Höhe Rangersdorf bis übers Knie im Flussbett. Hier hat der Wirt der Dorfschenke in Stall/Mölltall sein Fischwasser. Und hier zeigt mir der Fliegenfischer mit jahrzehntelanger Erfahrung, wie man mit selbstgebundenen Fliegenködern nach Bach- und Regenforellen sowie Äschen angelt. Das macht er seit geraumer Zeit immer wieder für seine Hausgäste, allesamt Fliegenfischerei-affin. Und mein erster Eindruck als „Frisch-Gefangene“ in diesem Sport, lautet gleich einmal:
„Eigene Wissenschaft!“
Da wäre erst mal das Auswerfen der Angel, das wir zuvor im Trockentraining üben. „Stell dir vor, du stehst an einem Ziffernblatt“, sagt Gerhard, „die Angel bis nach hinten auf ein Uhr werfen, dann nach vorne auf 10 Uhr. Und immer schön aus der Schulter kommen“. So gelingt’s, dass die falsche Fliege vor der Angelschnur im Wasser aufkommt. Nicht unwichtig, wenn man die Fischlein austricksen will. Das Angel-Auswerfen ist dann übrigens eine Dauerbewegung, um den Fischen die Illusion von immer neuen Fliegen zu geben, die im Wasser landen. Und bald merkt die Anfängerin: Kondition könnte eine Rolle spielen für den Angelerfolg.

FANGEN UND LEBEN LASSEN: CATCH & RELEASE

Auf welche gehen sie heute? Die Eröffnungsfrage jedes Fliegenfischer-Abenteuers. Gerhard Liebhart holt seine Köderbox hervor und klaubt nachdenklich an seinen selbst fabrizierten Schätzen herum. Dann entscheidet er sich fürs Erste für ein grün schimmerndes Fliegenimitat. Den Widerhaken am Angelhaken zwickt er gleich mit einer kleinen Zange weg, denn heute wollen wir nur fangen, nicht mit heim nehmen. „Catch & Release“ heißt diese Fischertechnik, bei der die Fische lebendig wieder freigelassen werden.
© Johanna Wohlfahrt / Welche nehmen wir heute? Langjährige Erfahrung lässt den Fliegenfischer zur passenden Fliege greifen.
Also: Nervenkitzel ja, Fisch fangen ja, aber Natur ausbeuten: Nein. Denn die Möll wird nicht extra mit Fischen besetzt und der Bestand ist völlig natürlich gewachsen. Insofern wird auch nur unter Einhaltung strenger Regeln entnommen.
© Johanna Wohlfahrt / Catch and Release: Die Fische werden gefangen und gleich wieder freigelassen.
Zurück in die Szene mitten in der Möll:
„So, und jetzt probierst du amal“,
ermuntert mich Gerhard und drückt mir seine Angel in die Hand. Er hatte bis da schon drei, vier Bachforellen am Haken. Der Beweis wäre also erbracht: Da sind Fische drin, die hungrig sind. Ob die tatsächlich auch auf mich und meine nicht vorhandenen Angelkünste reinfallen?
© Johanna Wohlfahrt / Symbolfoto Anglerstolz! Da kann man nachvollziehen, dass manche Menschen eine Leidenschaft fürs Fliegenfischen entwickeln.

UND DANN RUCKELT’S AN DER ANGEL...

Nun, was soll ich sagen? Irgendwann, nach vielen ungelenken Auswerf- und Einholbewegungen hat’s plötzlich geruckelt an der Angel. Erster Gedanke: Oje, da hat sich der Haken am Grund verfangen. Erst ein ermunterndes „Ja, hol ihn!“ von Gerhard machte klar: Da dürfte jetzt tatsächlich ein richtiger, lebendiger Fisch am Haken hängen! Und plötzlich kann man nachvollziehen, warum es so viele Menschen gibt, die sich stunden- und tagelang an oder in ein Gewässer stellen und eine Angel ins Wasser halten. Selbst einen Fisch zu fangen ist spektakulär.
Keine Ahnung, welche Hormonmixturen in den paar Momenten, bis man ihn eingeholt hat und in Händen hält, durch den Körper jagen – aber am Ende ist da einfach nur: Glück. Und so etwas wie Ehrfurcht. Davor, dass die Natur uns so großzügig beschenkt. Und dass viele Generationen vor uns auf genau solche glücklichen Situationen angewiesen waren, um ihr Überleben zu sichern.

EIN MAGISCHER MOMENT

Mission also erfüllt, Fisch gefangen. Bei einem gemeinsamen Mittagessen in der Dorfschenke lassen Gerhard und ich diesen Vormittag noch einmal Revue passieren. Ein paar Stunden voller Natur, frischer Luft, schonender Bewegung waren das. Und zugleich viel mehr. Gerhard, der erfahrene Fliegenfischer, findet die besten Worte dafür, wenn er sagt:
„Einen Fisch zu fangen, das ist ein magischer Moment.“
Dem ist nichts hinzuzufügen.
Fliegenfischen in der Möll
Noch bis 22. Oktober 2017, dann wieder ab Mitte April 2018!
Führung durch einen geprüften Guide, Leihausrüstung, Fischerkarte und Kärntner Alpen-Adria-Kulinarik im Gasthof Dorfschenke. Dauer 4,5 – 5 Stunden. Kosten: 149 Euro/Erw.  und 89 Euro/Kind (10-15 Jahre).

Info und Anmeldung:
Gasthof Dorfschenke, Gerhard Liebhart, Tel. +43 (0) 48 23/8102 oder info@dorfschenke.com
www.bachforelle.info


Bilder und Text: Johanna Wohlfahrt  / 05.10.2017

Autorenvorstellung: Johanna Wohlfahrt

Ich bin als freie Journalistin tätig ... weil ... mich das (Be)-Schreiben seit 20 Jahren nicht mehr loslässt. Meine Freizeit verbringe ich viel mit lesen, kochen, Sport und natürlich mit meinem knapp 8-jährigen Sohn.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich ihr Facettenreichtum und an schönen Tagen ihre Farbenpracht. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein Wanderweg mit freiem Blick auf einen Kärntner See. Davon gibt’s ja einige im Land. Mein Lieblingslingsgericht aus der Kärntner Küche sind Kärntner Faustnudeln von meiner Mama ... weil ... eh klar: Geschmack der Kindheit.

 

Lieblingszitat: The best is yet to come.

Das könnte Sie auch interessieren

Sensopark Berg/Drau

Paragleiten auf der Emberger Alm

Gletschertrekking am Pasterzengletscher

Mit dem e-Mountainbike zum Almrausch

Hinter jeder Kurve eine Geschichte

Genusspaddeln auf der Oberen Drau

Ein Ausflug in die Möllschlucht

Wildnistour im Nationalpark mit E-Bike, Wanderschuhen und Fernglas

Der Weg ist das Ziel

Natur Aktiv Unterkünfte erleben

Auf Expedition im Nationalpark Hohe Tauern

Wogen der Begeisterung

Kräuterseminar in Irschen

next page