Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

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Genuss in fünf Etappen: der Brot- und Morendenweg im Lesachtal

Das Lesachtal ist nicht nur landschaftlich eine Schönheit, sondern beherbergt auch kulinarische Spezialitäten, mit denen ursprünglicher Genuss auf eine neue Art erlebbar wird. Der äußerste Südwesten Kärntens, zwischen Karnischen und Gailtaler Alpen, besticht mit regionalen Köstlichkeiten, Natur in seiner reinsten Form und mit ganz besonderen Menschen, die zu sich und ihren Produkten stehen.

Schon die Anreise vom Kärntner Zentralraum ins Lesachtal, das südwestlichste Eck des Landes, mutet abenteuerlich an. Nach und nach werden Autos weniger, Berge hingegen mehr und mit jedem Kilometer spürt man, wie sich Geist und Körper entschleunigen und an das neue Tempo anpassen. Hat man dann Kötschach-Mauthen, den Hauptort des Oberen Gailtales passiert, werden die Hänge steiler, die Landschaft lieblicher. Grüne Hügel vor schroffen Felsen – eine Wohltat für die Augen und die Seele.

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© Johannes Moser / Weit schweift der Blick auf die Orte Liesing und St. Lorenzen
Angekommen in Liesing, dem Hauptort des Tales, bereiten wir uns auf unsere heutige Wanderung vor. „Proviant einpacken!“, lautet die gewöhnliche Devise, die heute allerdings nicht zutrifft. Wir sind nämlich am Brot- und Morendenweg unterwegs und damit auf der Spur nach den ursprünglichen Lebensmitteln, die im Tal schon seit Jahrhunderten feilgeboten werden. Mit dabei ist aber der Regenschutz, denn die Wetterprognose ist alles andere als rosig.
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© Johannes Moser / Die junge Gail lädt zu einem erfrischenden Bad ein
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© Johannes Moser / Nicht zu verfehlen: der Brot- und Morendenweg
„Morende“, wie die Einheimischen zu sagen pflegen, kommt aus dem italienischen Sprachraum und bedeutet soviel wie Brotzeit oder Jause. Der Einzug des Begriffs in den Lesachtaler Wortschatz ist leicht erklärt, liegt Italien doch nur einen Steinwurf entfernt jenseits des Karnischen Hauptkamms, der den paradiesischen Landstrich im Süden begrenzt. So überqueren wir zu Beginn ob der fehlenden Verpflegung mit ungewöhnlich leichten Rucksäcken den glasklaren Gailfluss, der hier am schmalen Talboden fast schluchtartig eingeklemmt ist. Man hat den Eindruck, dass das Wasser wenige Kilometer nach seinem Ursprung am Kartitscher Sattel noch mehr funkelt als talabwärts.
„Geamo Morenden!“, lautet unser heutiges Motto auf dem Weg zu Lebensmitteln, deren Ursprung noch klar erkenn- und vor allem schmeckbar ist.
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© Johannes Moser / Freistehend in exponierter Lage: die idyllische Steinecken-Alm
Die Steinecken-Alm, das erste Ziel der Genusswanderung, erreichen wir nach einem steilen, aber kurzen Anstieg durch dichten Wald. Es ist bereits September, die aufkommenden Herbstnebel lichten sich langsam und der frische Tau auf den Blättern und am Waldboden lässt uns tief durchatmen. Der musikalische Hintergrund besteht aus Vogelgezwitscher und dem Rauschen des Flusses. Die erste Lichtung gibt den Blick auf die von Wind, Wetter und Sonne gegerbte Hütte der Steineckenalm frei. Wirtin Anna erzählt uns Anekdoten aus über dreißig Almsommern und ihr Sohn Ferdinand serviert gekonnt und mit Schmäh Brettljausen im Akkord. Auf meine Frage, warum ober dem urigen Eingangsportal „Mitmach-Hütte“ steht, erhalte ich eine simple, aber klare Antwort.
„Vor einigen Jahren war der Andrang an einem schönen Tag sehr groß. Einige Gäste haben daraufhin ihre Mithilfe angeboten und seitdem sind wir nicht beleidigt, wenn jemand das Geschirr selbst in die Küche zurückbringt.“, erklärt man mir.
„Muss ist es aber natürlich keines!“ Auf alle Fälle trägt die Unterstützung dazu bei, dass auch Slow Food schneller serviert werden kann. Ein besonderer Hingucker ist der typische Jausen-Feitel, ein Messer, mit dem die Jause auf der Steinecken-Alm serviert wird. Stilvolles „Morenden“ braucht auch das richtige Werkzeug!
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© Tinefoto.com / Augen- und Gaumenschmaus: die Jause auf der Steinecken-Alm
Einige unvergessliche Momente später brechen wir auf zum Dessert, das ja besonders eigentümlich sein soll. Wann bekommt man schon „Lesachtaler Stockplattlan“ serviert? Zuvor überqueren wir noch den idyllischen Obergailer Bach, der zu einer Erfrischung im und am eiskalten Wasser einlädt. Das kühle Nass lässt Erinnerungen an die Kindheit aufkommen, in der ich die Zeit oft stundenlag am Bach verbracht habe. Auch heute kommt kein Stress auf. Die Natur kennt keine streng getakteten Zeitpläne. Wie die Menschen im Tal denkt die Natur in Zyklen.
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© Johannes Moser / Die Auswahl fällt bei den vielen Möglichkeiten schwer
Einen weiteren natürlichen Schatz entdecken wir am Bienenlehrpfad. Die Faszination für die emsigen Arbeiterinnen wächst, je länger man ihnen am offenen Bienenstock zusieht. Auch hier gilt: Organisation braucht keine digitalen Hilfsmittel. Die Schlemmer-Etappen werden immer kürzer und nach Erreichen des Mühlenstüberl haben wir nach kurzer Zeit die „Stockplattlan“ am Tisch. „Die sind eigentlich ein typisches Weihnachtsessen und werden nur am Heiligen Abend zu Mittag serviert“, erklärt uns Elvira, die treibende Kraft im Haus. „Weil sie uns aber so gut schmecken, haben wir uns entschlossen, die ‚Stockplattlan‘ das ganze Jahr über anzubieten!“ Das ist unser Glück, denn die Kletzen-Fülle (getrocknete Birnen) auf dem gebackenen Germteig, übergossen mit warmer Vanillesauce, macht Lust auf mehr. Sang einst Georg Danzer von „Buchteln mit Bier“, so nehmen wir uns dies zum Anlass und begleiten die herrliche Süßspeise mit dem lokalen Loncium Bier aus Kötschach-Mauthen – eine wahrlich himmlische Kombination.
Der Anblick des Bergdorfes Obergail, das mit seinen gepflegten Bauernhäusern wie eine Filmkulisse wirkt, lädt zum Innehalten ein. Jedes einzelne Gebäude könnte hier Geschichten erzählen. Gepaart mit der Ruhe, die in dieser paradiesischen Landschaft herrscht, kommt man zum Schluss, dass die Besinnung auf ursprüngliche und traditionelle Werte mehr denn je zeitgemäß ist. Dies bestätigt uns auch „Wanderniki“ Nikolaus Lanner, der in seinem Haus sowohl das traditionelle Lesachtaler Brot, als auch Speck und Fleisch selbst erzeugt. „Das Lesachtal bezeichnet sich zurecht als das naturbelassenste Tal Europas“, erklärt er stolz und verweist mit Bedacht auf die Produkte, die hier schon seit Jahrhunderten in nahezu gleicher Art und Weise hergestellt werden.
 
„Bei uns wird Slow Food schon viel länger praktiziert, als es den Begriff gibt. Das macht es unseren Erzeugern einfach, denn sie müssen sich nicht umstellen, während ihre Produkte endlich die Wertschätzung bekommen, die sie verdienen.“
Nur wenige Meter weiter steigt uns schon der Duft der nächsten Köstlichkeit in die Nase: Lesachtaler Schlipfkrapfen. Die mit Kräutern und Kartoffeln gefüllten Teigtaschen werden mit zerlassener Butter übergossen und schmecken schlichtweg himmlisch. „Die sind gleich gut wie daheim bei der Oma“, bemerken wir unisono. Diese Aussage bedeutet quasi den Aufstieg in die kulinarische Eliteliga. Schließlich sind Omas stets eine Klasse für sich in der Küche. Nachdem unser Gepäck am Rücken zwar nicht schwerer, unsere Bäuche dafür umso voller sind, freuen wir uns auf den Abstieg zu unserem Ausgangspunkt.
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© Johannes Moser / Lukullische Genüsse am Weg: die Lesachtaler Schlipfkrapfen
Am Weg dorthin kommen wir noch am Bergbauernhof Ederhias vorbei, dessen Name uns schon geläufig ist, weil er dem bereits besuchten Alpenhotel „Wanderniki“ täglich die Milchprodukte liefert. Mehr Regionalität geht nicht. „Hast du auch einen Tropfen gespürt?“, fragen wir uns gegenseitig. Tatsächlich, eine etwas dunklere Wolke hat den trockenen Sonnenschein in flüssigen verwandelt. Da jedoch unmittelbar dahinter im Süden Österreichs gleich wieder die Sonne scheint, macht sich eine besondere Stimmung breit. Wir ziehen schnell unsere Regenjacken an, verlangsamen unseren Schritt. Irgendwie wirkt es, als würde das leichte Nieseln das Erlebnis für alle Sinne nur noch mehr abrunden.
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© Johannes Moser / Der Nieselregen stört die Idylle nicht im Geringsten
Was bleibt, ist ein denkwürdiger Tag. Das Lesachtal ist ein wundervoller Landstrich, der mit Ruhe und Rückbesinnung auf Tradition besticht. Der Begriff „heilsame Landschaft“ kommt nicht von ungefähr, denn auch unsere Alpen werden mehr und mehr von Hotelburgen und Wintersporteinrichtungen überzogen, die zeigen, wie man es nicht machen soll. Das Lesachtal wirkt hier als mustergültige Gegenbewegung. Sanfter kann Tourismus nicht sein. „Außerdem funktioniert Fremdenverkehr auf Dauer nur mit der Einbindung der Bauern“, hat uns Nikolaus Lanner erklärt.
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© Johannes Moser / UNESCO Kulturerbe: das Lesachtaler Brot
Die Lesachtaler sind stolz auf ihre Produkte und auf die Erhaltung ihrer Kulturlandschaft. Das können sie auch sein, denn die Bewirtschaftung der steilen Hänge ist alles andere als einfach. „Je schroffer das Gebiet, desto offener die Herzen der Menschen“, denken wir uns. Die Begegnungen am Brot- und Morendenweg erlebt man im hektischen Alltag sonst nicht. Obwohl ihr Dasein von Arbeit geprägt ist, wird man in der „Welt da draußen“ selten offenere und freundlichere Menschen finden als im Lesachtal. Hart im Nehmen und in sich ruhend, mit dem nötigen Weitblick ausgestattet, neugierig und offen: So würde ich die hiesigen Bewohner beschreiben. Kulinarische Freuden, tolle Begegnungen und das alles in der naturbelassensten Landschaft Europas: Herz, was willst du mehr!
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© Johannes Moser / Im Süden Österreichs macht der Regen der Sonne gerne schnell Platz
Bilder und Texte: Johannes Moser / August 2019

Autorenvorstellung: Johannes Moser

Schreiben, Fotografieren, Bergsteigen, Essen, Trinken – das sind nur ein paar meiner Hobbys. Ein großer Vorteil ist, dass sich alle diese Tätigkeiten in Kärnten und im gesamten Alpen-Adria-Raum vorzüglich miteinander verbinden lassen.

 

Nahezu jedes freie Wochenende nutze ich für Bergtouren oder Roadtrips, da meine Lust am Sammeln neuer Eindrücke nahezu grenzenlos ist. Nebenbei arbeite ich noch als Diplom-Biersommelier und helfe so Interessierten, neue Genusserfahrungen zu machen.

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