Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Berglust auf der Südseite der Alpen Nationalparkregion Hohe Tauern

Eine Themenwanderung mit Geschichte(n)

Panorama Ausblick in den Nockbergen

nock/art Bad Kleinkirchheim

Am Weg des Buches durch die Nockberge

Seit Jahrtausenden zieht der Mensch zu Fuß und mit schwerem Gepäck durch die Berge Kärntens. Salzfassträger und Kesselflicker teilten sich die Gebirgspfade mit Spielleuten, Speikgräbern – und Bibelschmugglern. Gemeinsam mit einem Ranger des Biosphärenparkes Nockberge begebe ich mich einen halben Tag lang auf die Spuren der alten Handelsleute.

„Insbesondere Kärntens Nordgrenze stellte im Nord-Süd-Handel vergangener Tage eine beschwerliche Hürde dar“, erzählt Markus, während wir mit der Gondel der Bergstation der Kaiserburg entgegenschweben. „Der kürzeste Weg zu den italienischen Hafenstädten verlief damals knapp am Gipfel des Großglockners vorbei. Schwere Zeiten für den internationalen Fernverkehr!

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 Eine mittelalterliche Fernstraße im Norden Bad Kleinkirchheims
© Martin Marktl / Eine mittelalterliche Fernstraße im Norden Bad Kleinkirchheims
Markus hat uns heute auf eine Wanderung mitgenommen, um uns unterwegs ein wenig über Bad Kleinkirchheims bewegte Geschichte zu erzählen. „Unser Dorf war einst eine Drehscheibe des internationalen Fernverkehrs“, begann er schmunzelnd seine Erzählung. „Eine wichtige Handelsstrecke führte von Bayern nach Venedig. Alles musste getragen werden – weshalb man sich nach einem möglichst beschwerdefreien Alpenübergang umsah. Und so rückten die Nockberge in den Blickpunkt der alpinen Spediteure. Die sanften Bergkuppen gaben sich weniger unnahbar als die schroffen Felsflanken der Hohen Tauern.“
Nicht nur Salz-, Bier oder Weinfässer fanden damals ihren Weg über die Alpen, erfuhren wir am Weg hinunter zu den Almhütten der Reichenauer Bauern. Als Martin Luther am Ende des Spätmittelalters in Wittenberg seine 95 Thesen zur Diskussion stellte, löste das die Reformationsbewegung aus. Die deutsche Übersetzung der Bibel stieß im gesamten Alpenraum auf interessierte Leser. Auch die Kärntner zeigten sich damals von der neuen Lehre begeistert. Es dauerte nicht lange, und 80 Prozent der Bewohner unseres Landes zählten sich zur evangelischen Glaubensgemeinschaft.
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© Martin Marktl / Insbesondere in den entlegenen Tälern Mittelkärntens fiel die Lehre Luthers auf fruchtbaren Boden
In der katholischen Kirche stießen Luthers Ideen bekanntlich auf wenig Gegenliebe, weshalb diese sich in den folgenden Jahrhunderten redlich darum bemühte, das Land wieder katholisch zu machen. Im Zuge der Gegenreformation wurde es immer schwieriger, die Lutherbibel in der evangelischen Glaubensgemeinschaft zu verbreiten. Was schließlich dazu führte, dass die Bücher fortan auf geheimen Schmugglerwegen durch das Land transportiert wurden.
„Als sehr hilfreich erwiesen sich dabei die alten Säumerpfade, die sich nach wie vor quer durch den Alpenraum zogen“, ergänzte Markus. „… wie der alte Salzsteigweg, auf dem wir gerade nach Wiedweg absteigen.“
Bad Kleinkirchheim ist ein Kreuzungspunkt einiger alten Handels- und Schmugglerrouten. Neben der historischen Salz-Route, die den Norden Österreichs mit Italien verbindet, verläuft auch ein Themen-Weitwanderweg mitten durch das Kirchheimer Gemeindegebiet: Der Weg des Buches zeichnet den Reiseverlauf der Bibeln nach, die unter hoher Gefahr von Bayern über den Alpenkamm nach Kärnten gebracht wurden. Die historische Spurensuche folgt einer Idee der Evangelischen Kirche Österreichs und wurde gemeinsam mit den Gemeinden und Naturparks entlang des Weges umgesetzt.
Abwechslungsreiche Wegweiser entlang der Strecke
© Martin Marktl / Salzsteigweg und Bibelweg verlaufen durch die Nockberge
Beschilderung vom Weg des Buches
© Martin Marktl / Der Weg führt quer durch den Biosphärenpark
So entstand eine mehrwöchige, markierte Wanderstrecke, der neben ihrem kulturhistorischen Lehrwert eine äußerst schöne Wegführung vorzuweisen hat. Im Norden der Alpen werden das Salzkammergut und der Dachstein besucht, bevor es über die Niederen Tauern in die Salzburger und Kärntner Nockberge geht. Etwa 4 Wochen ist man unterwegs, um von Ortenburg in Bayern nach Agoritschach an der Südgrenze Kärntens zu gelangen.
Bad Kleinkirchheim zählt zu den versteckten Bergbauerndörfern, in denen die evangelische Lehre die Jahre der Gegenreformation nahezu schadlos überstand. Auch das benachbarte Gnesau sowie die Ortschaft Arriach im Südhang des Wöllaner Nockes gehören heute noch zu den protestantischen Hochburgen Mittelkärntens.
So überrascht es nicht, dass der Weg des Buches den Gemeinden des Biosphärenparks ebenfalls einen Besuch abstattet. Über Schönfeld bei Innerkrems und die Stangalm gelangt man zur Priesshütte. Nach Überschreitung des Falkerts kommt man nach Wiedweg, dem Ziel der heutigen Wanderung. Wer in die Gegenrichtung unterwegs ist, kommt über den Wöllaner Nock in die historische Protestantengemeinde Arriach.
„Der Weg des Buches ist daher nicht nur für geschichtlich interessierte Menschen interessant, sondern auch für Bergmenschen, die das Nockgebiet gerne einmal „am Stück“ durchqueren wollen.“, beschließt Markus die etwa 4 ½ stündige Wanderung.
Bilder und Texte: Martin Marktl / 04.07.2017

 

Themenwanderung „Am Weg des Buches“

Termin: Jeweils donnerstags, 10 Uhr. Voranmeldung bis Mittwoch 15 Uhr.
Beschreibung:  Nach der Auffahrt mit der Kaiserburgbahn folgen Sie alten Spuren von Bibelschmugglern und Geheimprotestanten und erhalten interessante Einblicke in die Geschichte der Region
Wegverlauf: Steinerhöhe – Wiedweg – Plaß – zurück zur Talstation.
Ausrüstung: Wetterfeste Bekleidung, Jause und Getränke – keine Einkehrmöglichkeit !
Kosten: € 15,-/Person, mit Regionscard frei! (zzgl. Liftkarte)
Kontakt: Bad Kleinkirchheim Information, +43 (0) 4240 8212

Autorenvorstellung: Martin Marktl

Ich bin Alpinjournalist und Wanderbuchautor ... weil ... ich dank meines Traumberufes den ganzen Sommer über die Berge ziehen kann. In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit allem, was mit Weitwandern zu tun hat - egal ob aktiv oder passiv.

 

Das besondere an der Kärntner Natur ist für mich der Gegensatz zwischen der Bergwelt an den Landesgrenzen und der Seenlandschaft in der Mitte. Mein Lieblingsplatz in der Natur ist ein guter Zeltplatz - mit einem Lagerfeuer davor. Mein Lieblingsgericht aus der Kärntner Küche sind die Fleischnudel meiner Mutter.

 

Lieblingszitat: “Everywhere is within walking distance - if you have the time.“

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