Berglust auf der Südseite der Alpen Bad Kleinkirchheim

Berglust auf der Südseite der Alpen Nassfeld/Pressegger See - Lesachtal - Weissensee

Berglust auf der Südseite der Alpen Biosphärenpark Nockberge

Almmatura im Biosphärenpark Nockberge

Wanderer lernen melken an Holzkuh

In den Nockbergen

Almmatura auf der Hochrindl

Matura der besonderen Art auf 1.617 m Seehöhe:
Holzbearbeitung, Kuh melken, Pflanzen und Tiere erkennen, Kostproben erkennen

Ich sehe in ein zerfurchtes, wettergegerbtes Gesicht. Es gehört zu Helmut Leitgeb. Ingenieur Helmut Leitgeb. Der Erfinder der Almmatura ist ein Intellektueller. Mit dem grantigen, einsiedlerischen Großvater aus „Heidi“ hat er nichts gemein. Seine braunen Augen blicken verschmitzt. Die Selbstinszenierung – kurze Lederhosen mit Hosenträgern, um den Hals eine Holzplakette mit dem Namen „Hiasl“ drauf – lässt auf eine gute Portion Humor schließen. Die Alm in 1.617 m Seehöhe liegt auf der Hochrindl im oberen Gurktal im Biosphärenpark Nockberge und gehört seit sieben Generationen der Familie.

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See mit Bergpanorama
© Georg Khittl / Der Biosphärenpark Nockberge: unberührte Natur, kaum Spuren von Menschen

Biosphärenpark Nockberge

„Den Biosphärenpark Nockberge”, erzählt Hias „gibt’s seit 1. Jänner 2013.” Mit dem Salzburger Lungau bildet er den größten und jüngsten Biosphärenpark in Österreich. Vier Gemeinden in Kärnten gehören dazu: Ebene Reichenau, Kremsbrücke, Radenthein und Bad Kleinkirchheim. 

„Und was ist ein Biosphärenpark?”
„Kurz gesagt: eine besonders schützenswerte Kultur- und Naturlandschaft. Der Mensch darf da zwar wirtschaften, aber nur so, dass die Natur sich auch wieder regenerieren kann.”
Im Tal führt Sohn Mathias den seit 1992 anerkannten Bio-Bauernhof weiter. Auf der Alm, in der „Hiasl Zirbenhütte“, steht das Fleisch vakuumverpackt in einer Glasvitrine zum Verkauf. Einer Gruppe von Wienern, die in der etwas abseits gelegenen Sennhütte übernachtet haben, bringt Tochter Siegrun gerade das Frühstück: luftgeselchten Speck, Bündner Fleisch, Hauswürstl, „Glundner“ Käse, Bauernbutter und Roggenbrot. „Bio“, erklärt Hiasl, kommt aus dem Griechischen und heißt „Leben“. Mit einem Schmunzeln erzählt er von „Nino“, dem Stier, der eben ausgebüchst ist und den Zaun niedergerissen hat, weil auf der Nachbarweide eine Kuh „was von ihm wollte“
Wandergruppe beim Kühe melken
© Georg Khittl / Almmatura auf der Hiaslalm: In der Disziplin „Melken” steigen die Städter schlecht aus. Professor „Hiasl” gibt noch ein paar Tipps.

Alles aus Zirbe

Den Tieren geht’s gut beim Hiasl, das sieht man. Die meisten machen jetzt Siesta. Außer die „Zirbale“, sie verharrt still unter dem Vordach an der Hauswand. Sie ist auch aus einem ganz anderen Holz geschnitzt! Aus Zirbe, dem wertvollsten Baum der Region.
 
Jetzt pflanzt der Hiasl sich breitbeinig vor ihr auf und erklärt: „Wenn des a echte Kua wär’, zerst omal anreden, dass se si nit schreckt. Den Kübel zwischen die Knie nehmen, immer auf Tuchfühlung mit der Kua bleiben, damit ihr merkt’s, wenn sie unruhig wird.“
Hahahaha. Lachen in der Runde. Als Hintergrundmusik das Gebimmel der Kuhglocken. „Ein guter Melker“, doziert Hiasl weiter, „bringt in der Minute zwei Liter raus, dann ist oben so viel Schaum drauf. Wie beim Bier“, sagt er, um unseren Ehrgeiz anzustacheln, und zeigt uns eine drei Finger breite Marke. Die Matura beginnt. Jeder hat 30 Sekunden Zeit. Das Ergebnis – weder Milch noch Bier noch Most noch Zirbenschnaps, sondern glasklares Wasser – wird in einen Messbecher geleert und die erbrachte Leistung auf einem Blatt Papier notiert.

Zirbales Euter ist aus Gummi und wird von einer oberösterreichischen Firma erzeugt. Es ist naturgetreu nachgebildet und kommt in den landwirtschaftlichen Berufsschulen zum Einsatz. Die Theorie des Melkens erklärt Hiasl so: Daumen und Zeigefinger zusammenkneifen und mit den drei restlichen Fingern pumpen.
Zumachen, drücken, zumachen, drücken ... Puhhh! Man braucht Kraft in den Fingern! Das Ergebnis wird in Milliliter gemessen und ist ernüchternd. Der Beste in der Gruppe bringt es grad einmal auf 90 ml!
Almmatura Test
© Georg Khittl / Bringen Punkte im Zeugnis: Borkenkäfer, Bäume, Blumen, Ameisen und was sonst noch hier kreucht und fleucht...

Almmatura

Auch die anderen Disziplinen – Nageln, Brennen und Schnitzen – fordern uns ganz schön heraus. Zum Glück gibt’s auch noch eine schriftliche Prüfung mit Fragen wie „Welche Blume blüht zurzeit?“, „Wie viele Nadeln hat ein Zirbenbüschel?“ oder „Können Ameisenweibchen fliegen? Da hole ich Punkte auf.

Bei der Zeugnisverleihung meint Hiasl verschmitzt:
„Muasst holt wiederkommen und lei a bisl üben.“
Hütte im Biotop
© Georg Khittl / Typisch Kärnten! Auch das Almdorf im Biosphärenpark Nockberge hat „seinen” See

Almdorf - authentisch, einfach, hochklassig

Das werde ich tun, aber dann, nach dieser „Wiederholungsprüfung”, kommt die Belohnung, die „Maturareise”. Ein Badeurlaub! Das "Almdorf” liegt in der Nähe der Hiasl-Hütte. Zur Ausstattung der „Chalets” gehört dort nicht nur eine private Zirbensauna, sondern auch ein „Hotpot”, ein beheizbarer Badezuber auf der Terrasse, von wo aus man abends, bis zum Hals im warmen Wasser, die Sterne betrachten kann. Wenn man ein Säckchen Heu ins Badewasser tut, beugt das dem Muskelkater vor, hab ich ausprobiert, es funktioniert!

Baden auf 1.700m

Das Thema „Baden” scheint schier unerschöpflich zu sein. „Bachlwårm”, sagt man in Kärnten, wenn man von der Wassertemperatur der Seen spricht. Angeblich ist es die Ost-West-Ausrichtung, die zu einer längeren Sonneneinwirkung und somit zu einer besseren Erwärmung des Wassers führt.
 
Selbst wer im Bergsee auf der unweit entfernten Turracher Höhe, in 1700m Höhe schwimmen will, braucht auf badewannenwarmes Wasser nicht zu verzichten, auch im Winter nicht, wenn rundum alles weiß ist. Lange soll der Seniorchef vom Hotel Hochschober nachgedacht und herumgetüftelt haben, bis es ihm gelungen ist, seine Idee eines beheizten Seebades umzusetzen. Viel kopiert, ist das „Seebad auf der Turracher Höhe heute weltweit das größte, höchstgelegene und einzig ganzjährig geöffnete. Ein Kärntner Original!
Altes Badezimmer der Berghütte
© Georg Khittl / Hier liegen die Badenden – Männer und Frauen getrennt wie vor hundert Jahren

Das Karlbad - 500 Jahre Tradition

So wie das Karlbad im Biosphärenpark Nockberge, das die Familie Aschbacher seit Generationen betreibt. Es ist das letzte und einzige seiner Art und „funktioniert” ganz ohne Strom und ohne Chemie. Das an Mineralien reichhaltige Gestein des Baches, der gleich neben dem Haus fließt, wird am offenen Feuer auf bis zu 1.000 Grad erhitzt. Mit Holzgefäßen, den „Zirbenschwingen”, werden dann die heißen Steine zu den Bottichen aus Lärchenholz getragen und in das frische Quellwasser geworfen. Dann ruft Hans-Jörg, der Wirt, zum „Bådn“ und das gleiche Ritual wie vor 500 Jahren beginnt. 
Bilder: Georg Khittl / Text: Irene Hanappi / 13. Juli 2015

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