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Sonnenaufgangswanderung am Falkert

Region Bad Kleinkirchheim

Sonnenaufgangswanderung am Falkert

Es ist 03:40 Uhr, es nieselt und es hat 14 Grad. Hätte ich nicht doch noch eine Fliesjacke einpacken sollen? Während die Scheibenwischer im Shuttlebus sich träge hin- und herbewegen, beschreibt Stefan, unser Wanderführer, den Weg, der vor uns liegt. „Wir gehen den Falkertspitz rauf“, erklärt er. „Zirka 350 Höhenmeter. Reine Gehzeit: 1,5 Stunden. In der Dunkelheit rechnest du besser mit 2 Stunden. Um 05:26 Uhr soll die Sonne aufgehen. Bis dahin sind wir leicht oben.“ „Gemma’s an“, sagt er beim Aussteigen und acht Gestalten, von denen nur die Umrisse zu erkennen sind, setzen sich in Bewegung.

Stefan versteht es nicht nur, eine sehr unterschiedliche Gruppe bei der Stange zu halten, er kann sich auch im Gehen ihrem Tempo anpassen und dabei noch ihre Fragen beantworten:

Unter meinen Füßen fühlt der Boden sich weich an wie ein Teppich. Die Regentropfen klopfen auf die Kapuze meiner Jacke, ich höre den eigenen Atem und das Knirschen der Schritte, als wir von der Wiese auf den Schotterweg wechseln.

Das Interessante am Gehen im Dunkeln ist, dass man Geräusche stärker wahrnimmt, als wenn das Auge beteiligt wäre. Ups! Im Finstern einen Bach zu überqueren will auch geübt sein!

Jeder Windhauch von feuchter Luft bringt eine Art Gesichtsdusche. Die Stirnlampen erzeugen Lichtkegel, in denen die Schritte sich wie Scherenbewegungen abzeichnen. Der Rhythmus findet sich wie von selbst. Die Dämmerung kommt unmerklich. Der Himmel ist jetzt fliederfarben. Am Gipfel begrüßt uns ein „Steinmandl“, eine Tafel mit den Namen sämtlicher „Nocken“, und natürlich das Gipfelkreuz. Die Bergspitzen rundum, ja die ganze Landschaft, kann man nur erahnen. Das macht die Szene so geheimnisvoll: Alles ist in Weiß gehüllt. Die Nebelschwaden reißen auf und im nächsten Moment umhüllen sie die Berge wieder. Mit etwas Fantasie lässt sich, dort wo Osten ist, ein roter Schimmer erkennen.

„Sie tauchen nur auf, wenn es regnet,” sagt Stefan. „Sie brauchen eine hohe Luftfeuchtigkeit, um atmen zu können, weil sie den Sauerstoff über die Oberfläche ihrer Haut aufnehmen.” „Und welche Funktion haben sie? Oder haben sie gar keine?" „Sie haben keine, sie sind einfach nur schön”, meint Stefan. Wandern in den Nockbergen, das merk ich mit einem Mal, hat weniger mit Kraftanstrengung als mit Natur-Erleben und Kennenlernen. 

In Kärnten gibts überall Wasser

 

Badesachen habe ich keine dabei, sonst würde ich glatt einen Hupfer in den See machen. Er sieht einladend aus, jetzt wo die Sonne scheint. Am anderen Ufer, nahe dem Hotel, ist ein kleiner Steg mit einer Treppe. Wie kalt das Wasser in diesem Gebirgssee wohl ist?

 

Gäbe es so etwas wie einen Bade-Oscar, Kärnten wäre längst schon dafür nominiert. So vielseitig wie man hier mit dem Thema „Wasser” umgeht.

Auch heilende Wasser spielen in der Region eine wichtige Rolle. In Bad Kleinkirchheim , so wird erzählt, hätten die Bäuerinnen, die vom Stehen in der Rauchkuchl entzündete Augen hatten, immer schon die Kathreinquelle aufgesucht und Linderung erfahren. An der Stelle, wo das heilende Wasser aus der Erde tritt, steht heute ein Kirchlein. Und um seinem Namen Ehre zu machen, verfügt Bad Kleinkirchheim neben dem Kirchlein natürlich noch über ein Bad. Eigentlich sind es zwei Bäder: die Therme St. Kathrein und das Thermal Römerbad .

Im „Brennseehof” sitze ich auf der Terrasse unter einer Sonnenplane und bestell’ den Låxn auf Risotto mit Sommergemüse. Die Haut ist knusprig gebraten und man erkennt die Punkte noch, die den Låxn von Forelle oder Saibling unterschieden. Bis ins 15. Jahrhundert, erzählt der Wirt, wurde die Pacht an die Klöster rund um Millstätter See, Ossiacher See und Feldsee in Låxn bezahlt. Die Mönche schätzten die Låxn als Fastenspeise. Weil sie so groß waren und wie Lachse in der Laichzeit die Seen verließen, um flussaufwärts zu schwimmen und dort abzulaichen, gaben die Fischer ihnen den Namen Lachse. Köstlich, das kompakte, intensiv nach Fisch schmeckende Fleisch!

 

Aus einem nebelverhangenen Morgen ist doch noch ein strahlender Tag geworden. So ist das eben in den Bergen!

 

Bilder: Georg Khittl

Text: Irene Hanappi, 14. Juli 2015

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